Neudek gilt als älteste Bergstadt des Westerzgebirgesund entstand vermutlich durch oberfränkische Zinnseifner die sich gegen Ende des 13. Jahrhunderts unterhalb der Burg Neudek niederließen, die wohl der Ritter Konrad Plick erbaute, der somit auch als Gründer des Ortes anzusehen ist. Die Bergleute waren dem Verlauf des Flusses Rohlau gefolgt in das Gebiet vorgedrungen. Das bis dahin unbesiedelte Territorium gehörte dem Kloster Tepl. Die neuen Siedler stießen hier auf umfangreiche Zinnvorkommen. 1340 erwarb der Sohn von Konrad, Ritter Peter Plick den gesamten Lehensbesitz vom Stift Tepl so dass dieser über alle wesentlichen Zinnfundstätten im Umland verfügte. In der Urkunde wird Neudek erstmals erwähnt. Im Laufe des 14. Jahrhunderts gewann man hier neben dem Seifenbergbau auch festes Gestein.

1410 verkauften die Plicks die Herrschaft an den Egerer Patrizier Hans Forster. Im Kaufvertrag wird Neudek bereits als Städtlein bezeichnet. Außerdem ist ein Eisenhammer genannt, was auch auf Eisenerzbergbau schließen lässt. Im Jahre 1446 erwarb Graf Matthias Schlick das Gut Neudek, das bis 1602 im Besitz der Familie verbleiben sollte. Die Grafen Schlick verliehen Neudek ein eigenes Stadtwappen, förderten den Bergbau und verhalfen dem Ort zur Blüte. 1454 erhielt Neudek eine eigene Zinnschmelze. Im Jahre 1494 ist erstmals urkundlich das Neudeker Waldzinnrecht erwähnt, ein Vorläufer der späteren Bergordnung die den Zinnseifenbergbau in der Herrschaft Neudek regelte. 1545 erhielt das Revier ein eigenes Bergamt mit Bergmeister.

1602 veräußerte Graf Stephan Schlick Neudek an Friedrich Colonna Freiherr von Fels. Im gleichem Jahre erhielt der Ort offiziell städtische Privilegien. Durch den Dreißigjährigen Krieg kam der Bergbau weitgehend zum Erliegen. Nachdem das protestantische Geschlecht Colonna von Fels gezwungen war Neudek zu verlassen, gelangte die Herrschaft 1633 an die Grafen Czernin von und zu Chudenitz, die hier u. a. ein neues Schloss anlegten. Bereits seit dem 15. Jahrhundert besaß die Stadt eine Metzger-, Leinweber-, und Weißgerberzunft, welche durch den Grafen Czernin im Jahre 1646 neu bestätigt und mit Privilegien ausgestattet wurde. Nach dem Niedergang des Bergbaus im 17. Jahrhundert verdiente die Bevölkerung ihren Lebensunterhalt vor allem durch Heimarbeit. Größte Bedeutung spielten dabei die Knopfmacherei, Weberei und Spitzenklöppelei.

Der erste nicht adlige Besitzer der Herrschaft war der Großhändler Anton Wagner aus Leitmeritz, der Neudek 1810 erwarb. 1828 folgte Jakob Veith, diesem seine Tochter Anna und ihr Ehemann Heinrich Freiherr von Kleist (1797–1876), diesen die Tochter Anna von der Asseburg, die den Besitz nebst den Gütern Tüppelsgrün und Oberchodau 1881 an Freiherrn Moritz von Königswarter verkaufte.

Im ausgehenden 19. Jahrhundert entwickelte sich die Stadt zu einem bedeutsamen Industriestandort. Hier waren u. a. die „Eisenwerke AG Rothau-Neudek“, Kammgarnspinnereien und Betriebe der Holz- und Papierfabrikation ansässig. Neudek war seit 1910 Sitz des gleichnamigen Bezirkes im Königreich Böhmen (Bezirk Neudek). Nach dem Ersten Weltkrieg wurde Neudek 1919 der neu geschaffenen Tschechoslowakei zugeschlagen. Aufgrund des Münchner Abkommens, in dem die Integration des Sudetenlandes in das Deutschen Reichvölkerrechtlich vereinbart wurde, gehörte Neudek von 1939 bis 1945 zum Landkreis NeudekRegierungsbezirk Eger, im Reichsgau Sudetenland. Vor 1945 gehörten die Siedlungen Galgenberg, Grund, Hahnberg, Hahnhäuser, Hochtanne, Limnitz und Seifertberg zu Neudek. Während 1830 hier 1978 Einwohner lebten, erhöhte sich die Bevölkerungszahl bis 1939 auf 8441. Bei der Volkszählung 1930 hatte Neudek 9042 Einwohner (davon 269 Tschechen). Beim Angriff auf das Hydrierwerk bei Brüx am 12.9.1944 wurde u.a. Neudek als Ersatzziel festgelegt.Eine Staffel aus der Bombergruppe 379 der US-Luftwaffe, die ihre Bomben nicht abwerfen konnte, nahm Kurs auf Neudek. Ihre Bomben fielen auf Karlsbad. 78 Menschen starben.

Vertreibung

Aufgrund der Beneš-Dekrete wurden die deutschen Bewohner 1945 vertrieben. Ihr Vermögen wurde durch das Beneš-Dekret 108 konfisziert, das Vermögen der evangelischen Kirche durch das Beneš-Dekret 131 liquidiert und die katholischen Kirchen enteignet. Der damals noch selbstständige Markt Göggingen übernahm 1954 die Patenschaft für alle aus der Stadt und dem Landkreis Neudek vertriebenen Deutschen, die nach der Eingemeindung Göggingens nach Augsburg im Rahmen der deutschen Gebietsreform von 1972 von der Fuggerstadt fortgeführt wurde. 1984 wurde dort das Heimatmuseum für Stadt und Landkreis Neudek eingerichtet.

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