BERICHTE
Blut
vergossen
(Großveranstaltung der “Landesversammlung“ 2006 in
Prag)
Richard Šulko
Auch im Herbst 2006 fand dank dem tschechischen
Kulturministerium das kulturelle Treffen aller Deutschen in Böhmen, Mähren und
Schlesien statt. Wie vor einem Jahr führten alle Wege nach Prag, in das
Kulturzentrum „Novodvorská“. Das diese Maßnahme bei unseren Mitgliedern
sehr beliebt ist, konnte man an der Teilnehmerzahl erkennen: über vierhundert
Teilnehmer kamen. Sehr erfreulich nahmen wir zur Kenntnis, dass auch sehr viel
Jugendliche und Kinder dabei waren! Den Anfang machte die „Schönhengster
Tanzgruppe“ aus Mährisch Trübau mit der „Böhmischen Tanzfolge“. Danach
begrüßte Irene Kunc, die Präsidentin der „Landesversammlung“ die Gäste
und anwesende.
Das nächste Grußwort sprach zu uns der deutsche
Botschafter, seine Exzellenz Helmut Elfenkämper und Dr. Andrej Sulitka vom
„Rat der Minderheiten“ bei der tsch. Regierung. Beim Herrn Botschafter nahm
ich mit Genugtuung seinen Vorschlag an, „die deutschen in Böhmen, Mähren und
Schlesien sollten aufgrund ihrer Zweisprachigkeit und Lebenserfahrungen eine größere
Rolle bei der Verständigung zwischen unseren Völkern spielen“. Ich stimme
dem völlig zu. Wir arbeiten in diesem Sinne schon fünfzehn Jahre aber die
vorhandene Intelligenz aus unserer Reihe sollte doch ein wenig mehr Chance
bekommen, dies zu tun. Nach etwa einer halben Stunde ging das Programm dann
endlich los: durch wirklich sehr abwechslungsreiches Programm führte heuer die
Erika Vosáhlo mit Martin Dzingel. Mit mehr als vier Stunden Programm wurde ein
neuer „Längerekord“ gestellt. Ich kann sehr gut die Gruppen verstehen, die
sich präsentieren wollen, aber stundenlang in einer Reihe sitzen zu müssen ist
sicher auch für die Zuschauer sehr anstrengend. Im Programm konnte man die
verschiedensten Darbietungen sehen: neben Chorgesängen und Volkstänzen hörten
wir auch „Halali“ aus dem Verband in Trautenau, eine „Power – Point“
Präsentation über „Deutsches Brünn“ vom dortigen „Kulturverband –
Region Brünn“, oder Sketsche und Teile der Theaterspiele, wie z.B. von der
„Grundschule Darkovicky“ unter der Leitung von
Lehrerin Frau Gabriela Janikova: „Rotkäppchen“ und von der Jugendgruppe des
„Schlesisch-Deutscher Verband im Hultschiner Ländchen – Bolatitz“: Faust
vom J.W.v.Goethe. Man kann schon die Kinder bewundern, wie sie den Text in
Deutsch „ohne Papier“ aufsprechen konnten. Wir Egerländer haben zum
erstenmal aber für das Programm sogar Blut vergossen! Unser Sohn Vojtech (
Berti) ist in der Garderobe so blöd umgefallen, dass er sich seine linke Hand
aufgeschnitten hatte. Und dabei sollte er eine Premiere mit seinem
Zitherspiel haben! Mit zugebundener Hand wollte er es aber trotzdem versuchen...
und bei de Probe zerriss die „D“ – Seite! Das Pech hat uns aber noch nicht
an diesem Abend verlassen: als wir den egerländer Volkstanz „Schäi(n lustigh
u kerngout“ zeigten, wickelten sich die „Töichlfransen“ von meiner Tänzerin
und Tochter Resl um meinen „Jackenknopf“!
So viel Pech hatten wir in den letzten acht Jahren nicht.
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