AKTUELL

Egerländer bei den Böhmerwäldlern
( Altböhmerwälder Ball in Strakonitz)
Mala Richard

Der “Bund der Deutschen - Landschaft Egerland” veranstaltet seit Jahren das Konzert “Musik kennt keine Grenzen”. Schon zweimal spielte uns als Gast der Tomáš Spurný und seine “Pošumavská dudácká muzika” (Böhmerwald - Dudelsackmusik) aus Strakonitz. Und seitdem ich den Tomáš kenne, finde ich in meinem Briefkasten jedes Jahr, immer im Januar, eine Einladung zu dem “Altböhmerwälder Ball”. Dieses Jahr hat mein Terminkalender endlich einen freien Samstag - Abend gehabt und da hieß es selbstverständlich für den ganzen “Šulko - Clan”: Auf nach Strakonice! Der Mitorganisator ist das “Museum des mittleren Wotawagebietes” und das “Katholische Kreisbildungswerk Freyung - Grafenau” aus Deutschland. Immer, wenn man etwas über eine Maßnahme hört, die mit Volkstum was zu tun hat, soll man ja auch unser Egerland präsentieren. Und da zu unserem Kulturgut auch unsere egerländer Tracht gehört, muß man einfach in Tracht hin. Da man aber in Böhmen doch ein wenig mit den “weißen Strümpfen” aufpassen muß, habe ich unser Kommen in Strakonice sehr sorgfältig vorbereitet. Bei meinem Anruf auf der Strakonitzer Burg, wo man die Karten reservieren konnte, fragte ich, ob ich in Tracht zum Ball kommen könnte. “Lieber Herr, ohne eine Tracht brauchen Sie überhaupt nicht kommen” war die Antwort, die ich per Telefon bekam. Doch ein wenig überrascht “checkte” ich die Information noch einmal direkt beim Tomáš und dann stand nichts mehr im Wege. Ich habe ein Hotel in der Innenstadt ausfindig gemacht. Zimmer wurden reserviert, Trachten haben wir nach einer längeren Pause wieder aus dem Schrank geholt, der jüngste wurde der Oma in Netschetin gelassen und dann hieß es nur: Hurra in den Böhmerwald. Das Wetter war an diesem späten Nachmittag nicht gerade freundlich. Es hat geschneit und so dauerte die Reise doch ein wenig länger. Gott sei Dank fanden wir das Hotel sofort und stillten unsere Durst gleich nach der Anreise. Nach dem ich genug Erfahrungen mit der “tschechischen Gastfreundschaft” habe ( bitte nicht mit der “Böhmischen Gastfreundschaft” verwechseln), ordnete ich an, daß wir direkt im Hotel das Abendessen machen. Wie hellsichtig mein “Befehl” war, zeigte sich an dem Abend wirklich. Nach der Einquartierung fragte ich bei der Bedienung, ob sie ein Taxi rufen könnte, damit wir alle gesund in die “Sokolovna” kommen. “Mein lieber Herr, das ist ja nur 200 Meter entfernt” erklärte mir der Herr Ober. Es war doch ein wenig komisches Gefühl. Wir rutschten mit unseren Trachtenschuhen auf dem frisch gefallenen Schnee hin und her. Dabei ist unser Tracht mehr an die Hitze der August - Sonne z.B. in Wendlingen gewohnt. Als wir in den Saal ankamen, erlebten wir ein wirkliches Wunder: zwei Drittel der Gäste waren in Tracht! Es war ein farbiges Gemisch von den verschiedensten Bauer - Gewändern: Böhmerwäldler aus Deutschland, Österreich und der Tschechischen Republik, Oberösterreicher, Choden und Bayer. Nach der Begrüßung, wo die Gastgeber auch besondere Gäste z.B. aus dem Kreis Straubing willkommen hießen, wie z. B. den Bürgermeister der Gemeinde Hunderdorf Herrn Gerd Peschke mit Gattin, und den Stellv. Bgm. Herrn Josef Breu mit Frau, ging es gleich zum Auftanz: Polonäse. Den Anfang machte die “Oachbergmusi” aus Oberösterreich, mit dem Leiter Volker Derschmidt. Dann folgte Galopp und ein Walzer. Tomáš Spurný ist scheinbar ein sehr geübter “Tanzanführer” denn nach dem alle die Tanzpaare mehrere “Schleifen” auf dem Parkett gedreht haben, war die Lage immer noch übersichtlich. Nach einer “Bairischen” Polka kam dann die “Böhmerwald - Dudelsack Musik” aufs Podium. Mit dem Ländler “Jaká je hezká” ging es dann so richtig los. Den ganzen Abend wurden nur Volkslieder gesungen und getanzt, es war wirklich ein Erlebnis! Dann
wechselten immer nach paar Musikstücken die beiden Kapellen und konnten dann auch schön mitmachen. Tänze, die die meisten nicht kannten, wurden immer vorgeführt und dann von allen im Saal nachgemacht. Den ganzen Abend herrschte eine sehr herzliche Atmosphäre. Dazu hat sicher auch die Dirndl - und Burschenwahl beigetragen, die den ganzen Abend galt. Sicher auch deswegen konnte ich etwas erleben, was ich zuletzt vor etwa fünf Jahren in Tepl erlebte. Damals wurden alle Teilnehmer der “Grabpflegeaktion” zu der Feier des 50. Jubiläum der tschechischen Schule eingeladen. Der Abend war sehr lustig und wir alle, Egerländer aus dem Egerland und aus Deutschland haben uns sehr wohl gefühlt. Dann aber kam die Damenwahl. Ich wurde von einem jungen Mädchen zum Tanz aufgefordert. Ich hatte damals wirklich “Glück”. Die Tanzserie dauerte wirklich lang und ich habe an meinem eigenen Leib ausprobieren können, was das auch heißen kann, wenn die Egerländer sagen: “Füar unna Hoimat alls!” Aber aufgegeben hab ich damals nicht. Und so ging es mir auch diesmal im Böhmerwald. Obzwar die Tanzserie nicht so lang war, aber anstrengend war es trotzdem. Etwas positives konnte ich an der Geschichte aber doch finden. Ich höre immer, daß ich schon “a alta Voda” bin, aber wenn man von einem jungen Mädchen angesprochen ist, ist es doch ein schönes Gefühl, oder nicht? Es kann aber auch sein, daß sie nur meine egerländer Tracht von der Nähe “studieren” wollte. Das werde ich nicht mehr erfahren. Nach dieser “Einlage” war es aber sehr gut, daß die Organisatoren den “Körblertanz” ins Programm gaben. Denn dann habe ich das wieder mit meinem “Waib” gut gemacht. Man hat die “Kolatschen” aber auch wirklich gebraucht, denn mit dem Essen war es in dem anliegenden “Lokal” wirklich katastrophal und etwas muß man ja essen.
Das eine Musikstückel wechselte das andere, bis es dann um etwa ein Uhr hieß: “Gute Nacht liebe Freunde, kommt alle wieder gut nach Hause und in einem Jahr wieder auf Wiedersehen!” Mit dem Abschlußlied “Die Sonne ging nieder” gingen wir dann alle wieder auseinander. Die einen nach Österreich, die anderen nach Bayern und wieder andere in den Böhmerwald und das Egerland. Liebe Böhmerwäldler, bis zum nächsten Mal!

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