Ohne Pfarrer, aber mit Herz
Ohne Pfarrer, aber mit Herz
( Wallfahrt nach Maria Stock am 1. 5. 2003)
Moala Richard
Der erste Mai war gekommen. Für die Christen aus der Ortsgruppe Netschetin- Preitenstein vom “Bund der Deutschen –Landschaft Egerland” hieß es wieder: ab nach Maria Stock. Einen Tag zuvor ist meine Mutti mit der “Gowa – Paula” und noch mit anderen Pilgern aus Deutschland und der Pfarrei Luditz nach Maria Stock gefahren, um die Kirche für die Wallfahrt vorzubereiten. Ich mußte leider auf Dienstreise und so konnte ich nur beim Wallfahrtstag dabei sein können. Die Trachten frisch gebügelt, waren wir kurz vor drei viertel zehn da. Es war ziemlich kalt. Schon an dem Weg dorthin zweifelte ich schon, ob wir nicht allein dort sein werden. Kein Auto auf dem Feldweg war zu sehen, nur der kalte Wind pfiff zwischen der Feldern, als wir von Udritsch und Pohlem Richtung Maria Stock fuhren. Pünktlich zehn kamen die treuesten zum Kreuz. Nach zehn Minuten Warten rief ich Pfarrer Rezac aus Luditz an, wer die Prozession anführen wird. “Wir sind hier nur zwei Pfarrer und müssen beichten, macht ihr das selber” war seine Antwort. Wenn wir es gewußt hätten, würden wir uns vorbereiten, aber so? Wir warteten noch fünf Minuten, ob doch nicht der Pilsner Bischof Radkovský oder P. Frühmorgen aus Würzburg kämen. Leider war keine Staubwolke auch nach weiteren zehn Minuten zu sehen, also mußten wir mit dem, was wir im Kopf hatten und mit dem tschechischen Gesangbuch loslegen. Es war nicht nur wegen dem kalten Wind eine schnelle Prozession. Wir eilten über das Feld und waren pünktlich fünf vor elf in der Kirche. Meine Befürchtungen, wir werden nur ein kleiner Haufen, hat sich nicht erfüllt. Es waren etwa 120 Pilger nach Maria Stock gekommen. Die hl. Messe zelebrierte der Studienkollege vom P. Rezac, Pfarrer Simon Polívka aus Weipert, der mit einem Chor kam. Auf die mitgebrachte elektronische Orgel spielte Milos Bok. Die ursprüngliche Orgel wurde vor etwa zwei Jahren definitiv bei einem ( wievielten schon?) Einbruch zerstört. Es war doch eine schöne hl. Messe. Es geht ja vor allem um das Opfer für die Mutter Gottes. Man macht sich auf den Weg und läßt sich weder durch Gefühle der Ratlosigkeit noch Ärger von dem Weg abzuhalten. Aber die hl. Maria sieht es mit Sicherheit. Ich kenne es aus meiner Verbandsarbeit sehr wohl: man sollte aufgeben, damit einige Menschen ihre Ruhe haben. Aber kann man so etwas machen, wenn das Gewissen anders befehlt? Und im Glauben geht es ja um viel mehr: hier geht es um die Seele des Menschen! Mann sieht auch nach dreizehn Jahren, im welchen Zustand sich die tschechische Gesellschaft befindet. Nun zurück zu einem Wallfahrtsort, der in einer wunderschönen Landschaft liegt, und der mit Sicherheit voller Gnade ist: nach der hl. Messe ehrten wir das Gnadenbild. Ich dachte an die vor kurzem verstorbene Friede Pfannekuch und an eine mir nahegelegene Person. Ich bat die Mutter Gottes um Barmherzigkeit. Ich weiß, daß sie mich auch erhören wird. Nach einer kleinen Erfrischung, die der Pfarrer Rezac heuer organisierte, ging es wieder in alle Richtungen: Luditz, Plachtin, Netschetin, Weipert, Würzburg und viele andere Orte, die somit wenn auch über hunderte von Kilometern mit diesem Gnadenort verbunden sind.
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