Egerländer Hausweihe
Egerländer Hausweihe 2009
Måla Richard
Es gibt Sachen, die in der heutigen Zeit in unserem Land in Vergessenheit geraten sind. Zu den gehört auch eine Hausweihe. Als der Bau von meinem Egerländer „Häusel am Waldesrande“ beendet wurde, zweifelte ich nicht: eine echte egerländer Hausweihe muss durchgeführt werden! Schön gesagt, aber wie soll sie denn aussehen? Die Anfrage an meine Oma, die in meinem Dorf bis Anfang sechziger Jahre wohnte, brachte keine Antwort. Nun holte ich zur Hilfe die „Stammeszeitschrift“ der Egerländer, „Den Egerländer“, Folge 8 aus dem Jahre 2002 und wenigstens ein paar „Richtlinien“ habe ich dort gefunden: Die erste Regel, „als erstes ein lebendiges Tier durch die Tür hineinzulassen“ musste ich leider auslassen. Laut Aberglaube war „das erste Wesen, das das Haus betrat, dem Tod geweiht“. Meine Idee sich mit Krista Hriba´s Hund Schorchi zu bedienen, habe ich lieber aus Tierfreundschaft fallen lassen. Aber ansonsten konnte man an dem 14. März 2009 so allerlei erleben. Die Hauptperson bei einer Weihe ist immer der Pfarrer. Für alle Egerländer ist die höchste natürliche Autorität der Prämonstratenser P. Norbert Schlegel, OPraem. Weil er neben seinen „Domizil“ im Haus St. Johann in Brannenburg noch das Amt des Vorsitzenden des „Sudetendeutschen Priesterwerkes“ auszuüben hat und auch andere Verpflichtungen z.B. in Indien wahrnehmen muss, war für mich und meine ganze Familie eine große Ehre, als er mir mitteilte, er komme. Eine egerländer Hausweihe ist beim Vorsitzenden der Egerländer keine Privatsache und man will ja die Freude auch mit anderen teilen. Deswegen habe ich neben meiner Familie ein wenig größeren Freundeskreis eingeladen: Karl-Heinz Seufferle aus Wasseralfingen, die schon erwähnte Krista Hruba, Familie Klyeisen auch aus Eger und nicht zu letzt Bertl Ruzicka, die den ganzen Nachmittag mit dem Zitherspiel verschönern sollte. Als zweiten Pfarrer holte mein Sohn unseren alten Dechant Frantisek Liska, der in Pilsen in einem Altersheim lebt. Kurz nach vierzehn Uhr sprachen die beiden Priester die Segensgebete, ich sprach die Lesung. Danach folgten vom dem Hausherr vorgetragene Bausprüche. Aus Bruck bei Plan: „Wir Menschen bauen Häuser fest und sind darin nur fremde Gäst´; und wo wir wollen ewig sein, da bauen wir gar wenig ´nein.“ „Dieses Haus gehört mein und auch nicht mein; der vor mir war, dacht´ auch, es wär´ sein. Er zog aus und ich zog ein- nach meinem Tod wird´s auch so sein.“ Der zweite Spruch kommt aus Glashütten: „Herr bleib´bei uns, denn es will Abend werden und der Tag hat sich geneigt.“ Beim betreten des Hauses konnte man im Flur eine Kommode sehen, auf der Kreuz, Rosenkranz, kirchliches und egerländer Gesangbuch, sowie Geldstücke (Kronen und Euro) und ein Laib Brot lag. Neben der Haustür war ein Weihwasserkesselchen aufgehängt, sowie im Herrgottswinkel ein großes Wandkreuz. Die beiden Priester gingen dann von einem Raum in den anderen und jeder wurde selbständig geweiht. Nach der Weihe versammelten wir uns alle in der „egerländer Stubn“ und nach dem Trinkspruch mit echtem Champagner erklangen die ersten Zithertöne. Mit Wein, Bier, Schnaps wurde der Bau so richtig begossen und den Höhenpunkt machte das einheizen im Kachelofen. Erst dann spürte man si richtig die Atmosphäre unserer egerländer Vorfahren und auch Demut kam mit dem singen der Marienlieder auf den Sinn: „Herr segne dieses Haus und alle die da gehen ein und aus“. Herr, wir danken Dir für alle die Gaben, die Du uns gibst!







