Erster Spaziergang

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Geschrieben von Richard Sulko

Mein erster Spaziergang
Feuilleton

Richard Sulko

Der Januar 2009 überraschte mit frostigen Tagen und Nächten, die mehrere Wochen anhielten. Wir sind schon voll im Arbeitseinsatz und gewöhnen uns langsam auf unser neues Zuhause. Langsam wird unser „Häusl am Waldesrande“ zum wohnen fertig; es sind jedoch noch Tausend Sachen, die gemacht werden müssen. Nach drei Wochen kochen auf der Kochplatte haben wir heute zum erstemal den Dampfgarer ausprobiert: beim erwärmen der Knödel. Keine Kunst, aber wieder ein ganz kleiner Schritt Richtung „normales wohnen“. Dieses Wochenende war in der neuen Geschichte des „Målas II“ - Haues aber ganz besonders: nach dem der kleine Richard, mein erstes Enkelkind sechs Wochen alt geworden ist, konnte er „auf Reisen gehen“. Seine erste Reise ging also an diesem Wochenende zu der „Wawa“ und dem „Nuana(r“, die am Plachtin ihr neues Zuhause haben. Der Samstag war also der Tag, in dem ich nach sechzehn Jahren wieder einen Kinderwagen fahren dürfte. Welches Gefühl  hat ein „frischer Opa“? Ich kann mich nicht mehr an die Zeiten 1992 erinnern, aber als Vater hatte ich, das glaube ich wenigstens mehr Freude dran. Heute, sehr stark durch die Verschuldung und der gerade ungünstig kommenden Wirtschafskrise wird jede Freude verdorben. Man spielt gerne mit dem Kleinen herum, man hält das kleine Wesen sehr gerne in den Armen, aber im Kopf fliegen trübe Gedanken hin und her. Da freut man sich, dass man mit dem Kinderwagen durchs Dorf fahren kann um das Kind mit Stolz zu zeigen.  Nun also warm anziehen und raus in das Gestöber! Nach zehn Meter rutschte ich auf dem Eis aus und landete auf der mit Schnee bedeckten Straße. „Na siahst du ålta Låckl, du moust hålt a weng langsåmma måchn, bis doch scho(n a ålta Nuana(r!´ ho(b i(ch sua füar mi(ch denkt“ und bin  lieber zu meinem Mama, der Urgroßmutter gegangen. Den Kinderwagen gab ich meiner Frau, den sie fährt auch ganz neu ein Auto und kann schön vorsichtig mit ihm „herum kutchieren“.  Ich werde mich also gewöhnen können, dass nicht mehr alles schnell zu machen ist und dass zur Weisheit auch ein wenig „langsam sein“ gehört.

 

 

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