Ein neues trauriges Geheimnis?
Ein neues trauriges Geheimnis?
( 16. Jugendbegegnung in Tepl)
Richard Šulko
Ein nasses verlängertes Wochenende...
An der Christi Himmelfahrt 2006 führten die Wege einiger jungen Egerländer nach Tepl bei Marienbad. Dank der Unterstützung seitens BMI und dem „Bund der Deutschen – Landschaft Egerland“ konnte der „Bundesjugendführer“ der „Egerland- Jugend“ Volker Jobst auch zum sechzehntenmal zu dieser beliebten Maßnahme einladen. „Dös wiard haier a schäins Wetta“, hat gleich am Donnerstagabend der Peter Schmidt aus Regensburg das Wetter für das ganze Wochenende vorgesagt. Und leider hatte er auch recht. Weil die Wettervorhersage aber schon die ganze Woche mit dem Schlimmsten rechnete, kamen nach Tepl nur die „härtesten“: Fünfundzwanzig junge Egerländer mit ihren Kindern reisten an.
Jugend aus drei Gruppierungen dabei...
Wie es schon jahrelang üblich ist, beteiligen sich an dieser Begegnung, wo nicht nur Gräber gemäht werden, mehrere Gruppen der Jugendlichen: Aus Deutschland kommen Mitglieder der „Egerland- Jugend“, was die Nachkommen der vertriebenen Egerländer sind. Aus Böhmen, dem Egerland kamen schon zum fünfzehntenmal junge Mitglieder vom „Bund der Deutschen- Landschaft Egerland“, vor allem aus der Ortsgruppe „Netschetin- Preitenstein“. Am Samstag kommen zur Hilfe die jungen Mitglieder der tschechischen Folklorengruppe „Marjánek“ aus Marienbad.
Begegnung mit dem Denkmalschutz...
In diesem Jahr mussten wir uns bei unserer Arbeit nach den Richtlinien des Denkmalschutzes richten. Der alte Klosterfriedhof wurde im Jahre 2005 zum Denkmal erklärt. Wir hoffen, dass es auch aufgrund unserer langjährigen Pflege passierte. Bevor wir mit der Reparatur der Mauer beginnen konnten, mussten wir nicht nur auf die Genehmigung warten, sondern auch auf die Vorschrift, wie wir z.B. das Mörtel vorbereiten sollen. Die Zusammenarbeit seitens Kloster war wie alle die Jahre sehr gut und so konnten wir nach der Anreise von unserem Maurer Franz Siroky anfangen. 
Mit Gesang und deutscher Sprache....
Das Schönste an der Aktion sind immer die Abende, wenn man sich todmüde duschen und nach dem Abendessen in dem Gesellschaftsraum des Campingplatzes treffen kann. Immer hat jemand ein Musikinstrument dabei und so kann gesungen werden. Es werden neue Freundschaften geschlossen und nicht nur deutsche Sprache geübt, sondern auch die egerländer Mundart.
Ein seltener Besuch...
Nach Tepl kommen auch wichtige Persönlichkeiten, die unsere Arbeit schätzen wissen. Die letzten Jahre kommt immer zu uns der Visitator für die Sudetendeutschen, P. Norbert Schlegel, OPraem. Der kam auch heuer und feierte mit uns am Freitag die hl. Messe in der Stiftskirche in Deutsch. Ein weiterer Gast kam bis aus Wendlingen am Neckar und zwar direkt der Bürgermeister Frank Ziegler mit einigen Leuten von der Stadtverwaltung. Er überreichte dem Bundesjugendführer Volker Jobst ein Spende- Check im Wert von 150,- Euro. Eine großzügige Spende, die uns sehr viel geholfen hatte! Herzliches Dankeschön!
Ein neues Geheimnis?
Auch heuer fand ich bei meinem Rundgang mit der Kamera ein Grab, was sich meiner Frau mit ihren Helfern aussuchte. Es liegt nicht weit weg von der Gruft und trägt folgende Inschrift:
Grabstätte d. Familie
Karl Helmer, Stiersmühle
Unten diesem Namen kann man dann im Granit eine leidensvolle Geschichte nachlesen:
Als erster ist der Vater der Familie angeführt:
Karl Helmer, Müllermeister Ù 1.5. 1871, + 30.3.1925.
Nicht ganze 54 Jahre lebte also der Müller aus der „Stiersmühle“. Ich weiß nicht, wo diese Mühle stand und ob sie noch existiert, aber das Leben dieses armen Mannes war mit Sicherheit nicht leicht. Unten seinem Namen findet man weitere ausgeschlagene Eintragungen:
Franz Helmer Ù 14. 11. 1900 + 14.11.1900
Alois Helmer Ù 13. 6. 1911 + 29. 6. 1911
Otto Helmer Ù 13. 12. 1912 + 2. 2. 1913
Wilh. Helmer Ù 30. 8. 1916 + 29.11. 1916
Willibald Helmer Ù 11. 6. 1906 + 31. 1. 1913
Es war ein hartes Schicksal, was diese Familie erlebte. Ich stand an diesem traurigen Grab und dachte über diese Familie Helmer nach. Auf einmal kommt mir ein Gedanke auf den Sinn: „Du denkst an diese Familie, aber eine Familie bilden nicht nur der Vater und Kinder, sondern auch die Mutter!“ Jetzt ist mir klar geworden: Auf dem Grabstein fehlt die Mutter! Deswegen der lehre Platz auf dem Grabstein links neben dem Müllermeister! Was ist den geschehen mit der Mutter? Hat sie denn alle ihre lieben Kinder begraben müssen, zuletzt noch ihren Ehemann? Warum ist sie nicht im Grab? Hat sie wohl ihren Man überlebt und bis zum Jahre 1946 in Tepl gelebt, wo sie dann aus ihrer Heimat vertrieben worden ist? Aus der Heimat vertrieben worden und das Grab, was so viel für sie bedeutete verlassen musste?
Wer weiß, ob man einmal das Schicksal erfahren werden?
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