Mütterliches Wochenende
Mütterliches Wochenende
Richard Sulko
Alles fing am Freitag an…
Es ist Montagabend. Ein schöner Frühlingstag geht langsam zu Ende. Ich sitze am Stausee im Nordwesten von Brünn und genieße die Atmosphäre. Der erste Arbeitstag dieser Woche ist endlich vorbei. Die Sonne sinkt langsam hinter den Hügeln und die letzten Sonnenstrahlen spiegeln sich auf der Wasseroberfläche. Das letzte Schiff nähert sich dem Hafen… Ich möchte ein wenig Ruhe finden. In dem Augenblick schreit zwanzig Meter von mir sehr laut ein Fasan. Ich schau Richtung Geschrei und verfolge, wie ein Luftballon Richtung Himmel abhebt. In dem Augeblick erinnerte ich mich an das vergangene Wochenende, als ich öfter zum Himmel hoch schaute… Aber alles schön vom Anfang an…Es fing am Freitag an. Ich besuchte beim schönsten Sonnenschein eine Maschinenbaummesse bei Prag. Ich kam zu Mittag an. Wollte alle Hallen bis zur Schließung besuchen. Die Hallen waren zwar neu, aber auf die Klimaanlagen verzichtete der sparsame Investor. Nach vier Stunden war ich reif für eine Dusche und für einen Kuraufenthalt. Dazu kam noch die Verkehrssituation in Prag und ich musste den Weg über Kralupy wählen. Als ich am Abend ankam, hatte meine Frau und mein jüngere Sohn nichts von ihren Vater. Ich fiel ins Bett und schlief sofort ein.
Es ging am Samstag weiter…
Samstag kletterte ich langsam wie ein Rentner schon um sechs Uhr aus dem Bett. Schnell noch ein paar Sachen erledigen und nach Prag, wo mich die Präsidiumssitzung erwartete. Es musste alles schnell gehen, denn mich erwartete noch eine andere Aufgabe: drei deutsch- tschechische Maiandachten um meinen Heimatort. Ich raste aus Prag Richtung meine Heimat und Pünktlich eine Minute vor dreizehn Uhr wollte ich aus der Hauptstraße in Preitenstein zur Gruft abbiegen: Ein Bus mit Touristen blieb aber direkt in der Kreuzung stehen und ich musste fünf Minuten warten, bis alle Insassen ausstiegen. In dem Augenblick musste ich wieder feststellen: Du kannst Dich bemühen und rasen wie Du willst aber Deine Wege führt unser Herrgott. Demütig kam ich zu der Gruft, wo uns schon der Pfarrer Liska erwartete. Für die diesjährigen Maiandachten bereitete ich etwas Besonderes vor: die Bayerische Muttergottes Litanei. Den deutschen Text hatte ich schon aber an den tschechischen zu kommen war in keinem Fall einfach: bis in Neudek konnte ich das Gebetbuch auf mein Handy aufsprechen und zuhause dann umschreiben. Das Ergebnis war aber hervorragend: Der Gesang schallte in der Gruftkapelle sehr lang und alle anwesenden erlebten eine schöne Andacht. Die zweite Station war Kapelle am Plachtin. Dort schauten wir sehr oft zum Himmel, denn es zogen schwarze Wolken auf uns zu. Wir fangen an zu beten und in dem Augenblick fing es an zu regen. Was heißt regen, es hat aus den Kannen gegossen! Bevor unser Sohn die Regenschirme brachte, waren wir schon alle schön nass. Wir flüchteten dann nach Netschetin, wo wir uns für die letzte Andacht bei der „ZOO- Kapelle“ im Tiergarten in trockene Kleider umzogen. Diese letzte Maiandacht verlief dann ohne Herrn Pfarrer. Wir sangen laut an dem Waldweg und trugen unsere Bitten der Muttergottes vor. Den Abschluss machte dann ein heißer Kaffee in dem Wirtshaus am Sportplatz in Netschetin.
Sonntag auch im Zeichen der Mütter…
Sonntagvormittag gehörte unseren regelmäßigen Tanzproben im Saal des Wirtshauses „am Rathaus“. Nach dem Mittagessen gingen wir dann in die Kirche. Es war der Muttertag und der polnische Pfarrer Christophorus predigte wunderschön über unsere Mütter. Es passte wunderbar, denn wir veranstalteten an dem Tag unsere Muttertagsfeier. Mit Musik und Gedichten feierten wir also unseren Muttertag. Die zwei Stunden verflogen wie im Pfluge und wir mussten nach Hause fahren. An dem Abend spielte die tschechische Eishockey – Mannschaft ihr Spiel mit Kanada. Die Rosen, die ich meiner Frau und dreifacher Mutter kaufte, waren ein wenig im Wege, als wir voll Spannung das Spiel verfolgten. Unsere Mannschaft gewann und krönte damit das anspruchsvolle Wochenende, was den Müttern gewidmet wurde: unseren Müttern und der Gottesmutter im Himmel.
Brünn, Mai 2006
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