Egerlandtag 2005
Gestohlene Scheibenwischer, Sohn in Bronze und Egerländer Schnitzel
( Egerlandtag 2005)
Måla Richard
Gestohlene Scheibenwischer
Ein sonniger Morgen in einer Großstadt. In einem Plattenhaus aus Beton bereitet sich eine kleine Volkstanzgruppe zum Ausflug vor. Die Abfahrt gelingt aber nicht so, wie man sie sich vorstellte: trotz dem kurzen Schlaf ( bis halb drei in der Arbeit) kommt auch Resl rechtzeitig. Aber bis alle Trachten und Sachen zum schlafen und dem Auftritt in den zwei Autos „eingepresst“ sind, ist eine halbe Stunde weg. Wir wollten schon losfahren, als man auf einmal feststellte: „jemand hat uns die Scheibenwischer geklaut!“ Der erste Weg ging also zu der Tankstelle, wo nicht nur Benzin, sonder auch die wichtigen „Gummidinge“ gekauft und montiert sind. Mit einer dreiviertelstündigen Verspätung verlassen wir endlich die unheile Welt und fahren los Richtung eine heile Welt der Egerländer, die in Marktredwitz ihren Egerlandtag feiern.
Johannes von Tepl- Preis an die Egerländer Nachtigall
Im Zelt holten wir die Schlüssel von der Turnhalle ab, wo die Kinder und unsere Jugendliche untergebracht waren. Wir fuhren alle hin, denn die Zeit eilt und wir müssen alle in Tracht „auftauchen“.
Samstag, der 3 September 2005, 11 Uhr: die feierliche Eröffnung. „Bundesvüarstäiha“ Günther Müller begrüßt die Anwesenden Gäste im vol besetzten Saal des „Egerland- Kulturhauses“. Nach Grußworten kommt einer der Höhepunkte dieses Egerland- Tages: Die Verleihung des „Egerländer Kulturpreises ´Johannes von Tepl“ 2005: Günther Kahabka, der Stadtbetreuer von Theusing kommt zum Rednerpult und auf seiner lustigen Art stellt er die Preisträgerin vor: Mimi Herold! Sie feierte nur einen Tag früher ihren achtzigsten Geburtstag und jetzt bekommt sie noch diesen Preis. Ich erinnere mich noch sehr gut, als ich mit den Kindern im Jahre 1993 nach Theusing fuhr, um die Mimi zum erstenmal „live“ zu erleben. Es war ein Erlebnis, an was ich mich noch heute erinnere! Damals gaben die noch kleinen Kinder der Mimi rote Rosen und sie schrieb mir einen Dankbrief, der bis heute in unserem Wohnzimmer hängt. Kahabka lies das ganze Leben der Preisträgerin sehr detailliert vor. Was für ein reichhaltiges Leben! Der Preis ging mit Sicherheit an die richtige Person! Den Förderpreis zu diesem Preis ging an die Jugendgruppe der Egerländer aus Stuttgart, die den versammelten Gästen ein Volkslied vortrugen. Angeführt wurde diese Gruppe durch Volker Jobst, dem „Bundesjugendführer“ der „Egerland- Jugend“.
Mein Sohn in Bronze!
Nach der Eröffnung waren die Gäste endlich entlassen und alle stürmten ins Bierzelt, was auch unsere Mitglieder aufbauen geholfen haben: Schnitzel oder sonstige gute Speisen, die die Egerland- Jugend vorbereiteten stillten die hungrigen Egerländer. Und das gute „Böia!“ Man kommt aus der „Bierhauptstadt“ von Tschechien aber das Bier schmeckt hier halt doch anders. Oder macht das die freudige Gemeinde der Egerländer, die aus allen Ecken von Deutschland, Österreich und Tschechien kamen. Wir, die als einzige aus dem Egerland kamen, und 40 Jahre Kommunismus erlebten, sind immer noch an die freudige Hilfe unserer Stammesbrüder angewiesen. Es ist ein Zeichen der Freundschaft, wenn man umsonnst Abzeichen bekommt, oder die Kinder das Essen. Ich weiß, das es in Deutschland nicht mehr so gut geht, wie einst, aber das Lebensniveau ist immer noch etwa 1:4. Wenn ich also dem Kind ein Schnitzel mit Pommes kaufen will, der etwa 7 Euro kostet, zahle ich real auf Löhne in Tschechien umgerechnet etwa 28 Euro! Ich will mich also für die Unterstützung bedanken!
Ich sitze gemütlich im Zelt und auf einmal stehen alle auf: es ist vierzehn Uhr und der „Egerland- Brunnen“ wird eingeweht!
Nach der „Einweihungsrede“ und den Grußworten fährt der rote Kran hoch über den mit schwarzen und grünen Stoff zugedeckten Brunnen und die Enthüllung geht los. Langsam fallen die Stoffbalken herunter und die grünen Figuren aus Bronze steigen aus der Dunkelheit hinaus! Endlich ist der ganze Brunnen enthüllt und das Großartige Werk erblickte die Welt: Jeder, mich nicht rausgenommen bringt nur ein großes „Ach, wie schön!“ aus sich heraus. Das das „Egerländer Jahrhundert Werk“ so groß und so schön wird, hat scheinbar keiner erwartet. Ich als Gießereitechnologe bewunderte die schönen Figuren, die in filigraner Arbeit der Künstler Dr. Hatto Zeidler mit seinem Sohn Christoph schuf. Ein Überraschung hatte der Hatto wie immer: als ich mit ihm über die einzelnen Figuren sprach, zeigte er mir auf einmal den „dürren Schützen“ und sagte: „Woist woos, Richard, dear dürre Schütze, dös is eigentlich da groußa Bou, waal i ihm åls Modell g´numma ho(b!“ Und damit ist in diesem Werk auch ein „Måla“ verewigt. „Wöi lustigh!“
Kulturabend
Um siebzehn Uhr eilten alle, so wie jeden Egerlandtag in die Städtische Turnhalle, wo uns der große Kulturabend erwartete. Auch unsere Tanzgruppe „Die Målas“ wollte ihr Können zeigen und meldete sich ins Programm. Schade, dass wir keinen Musikanten haben, der uns begleitet aber der Martin Wetzka mit dem Roland Hammerschmied, der das Programm zusammenstellte und auch mit seiner Frau Ingrid durchs Programm führte, halfen uns. Und so konnte auch die kleine Gruppe aus dem Egerland mit zwar einfachen, aber doch zwei Tänzen ihrem Beitrag leisten, auch als ein Dankeschön für die Einladung.
Um sieben Abend waren alle wieder im Zelt und genossen das gute Bier mit den „Oberpfälzer Musikanten“.
Ein weiterer Höhepunkt am Sonntag
Der weitere Höhepunkt ( an diesem Wochenende waren es sehr viele) war die hl. Messe im Bierzelt mit P. Norbert Schlegel, OPraem am Sonntag früh. Ein volles Zelt, Einmarsch der Fahnen und die Predigt! wurde für alle zum Erlebnis, was schwer zu übertreffen ist. Wenn man noch aktiv dabei sein kann und zwar als Lektor, oder Ministrant ( wie meine beiden Söhne), ist das Erlebnis umso mehr tiefer.
Nach dem Gottesdienst stellten wir uns zum Festzug auf. Ein „Kaiserwetter“ begleitete den großen Egerländer Trachtenfestzug durch die Straßen von Marktredwitz bis wir alle wieder im Zelt landeten. Der „Bund der Deutschen – Landschaft Egerland“ war mit fünfzehn! Trachtenträgern dabei.
Egerländer Schnitzel
Nach dem Umzug folgte noch die Kundgebung, die diesmal sehr kurz war. Danach strömten alle ins Zelt, wo sie dann mit Freunden und Bekannten einen schönen Nachmittag mit der Blasmusik erlebten. Die „Målas“ machten sich aber auch den Weg. Kurz vor Tirschenreuth wurden die verschwitzen Trachten auf einem Waldparkplatz ausgezogen und „Zivil“ angezogen. Gleich im ersten Dorf hinter der Grenze machten wir Stop: „Egerländer Schnitzel“ stand auf einem Gasthaus in Braunau. Das muss ich ausprobieren und tatsächlich: Er schmeckte wunderbar und war der letzte Höhepunkt an diesem „Egerländer Wochenende!“
|
|
|
|
|
|
|
|
![]() |







