Anna Lukasch schaute zu...
Anna Lukasch schaute zu...
( 15. Grabpflege im Stift Tepl 5.- 8. Mai 2005)
Måla Richard

Wer ist Anna Lukasch?
Im unteren Teil des alten Klosterfriedhofes beim Stift Tepl bei Marienbad kann man auf einem der wenig erhaltenen Grabsteinen ein Bild einer jungen Frau finden. Sie ist hübsch und hat ein sympathisches Lächeln in ihrem Gesicht. Wer war dieser Frau? Man kann einiges aus dem Lebensweg dieser schönen Unbekannten auf dem Grabstein entziffern: Sie heißt Anna Lukasch. Geboren war sie am 15. Mai im Jahre 1901, also im ersten Jahr des 20. Jahrhundert, im wunderschönen Monat Mai. Als sie 27 war, brachte sie einen Sohn auf die Welt, der auf den Namen Anton in der Stiftskirche getauft wurde. Das Kloster erlebte damals eine richtige Blütezeit und ernäherte sehr viel Familien, die um die Klosterwirtschaft sorgten. Anna Lukasch war scheinbar verheiratet, aber über den Ehemann kann man an dieser Grabtafel nichts finden. Auch der Beruf dieser Frau, bzw. ihres Mannes wird uns scheinbar für ewig vorgehalten bleiben. Drei Jahre nach der Geburt ihres Sohnes verstarb die Anna am 30.Mai im Jahre 1931 und wurde am Klosterfriedhof beerdigt. Es dauerte nicht mal ein ganzes Jahr und ihr Sohn folgte sie am 4. Mai. Er verstarb in Prag, wo er scheinbar bei seinen Verwandten erzogen wurde. Das alles deutet auf die böhmische Herkunft dieser Frau hin, die in einem kleinen Ort Schafferhäuseln beim Kloster Tepl lebte. 
Der Schicksalsmonat...
Wenn man genau die Zahlen auf der Grabplatte anschaut, stellt man fest, dass der Monat Mai für diese Frau tatsächlich der Schicksalsmonat war. Der Monat Mai gehört auch in meinem Leben zu den ganz wichtigen Monaten. Im Monat Mai ist meine Tochter auf die Welt gekommen, am 1. Mai pilgern wir, so wie unsere Vorfahren nach Maria Stock zur Wallfahrt mit den Prämonstratensern gerade aus dem Stift Tepl, im Monat Mai werden regelmäßig in meinem Heimatort Deutsch- tschechische Maiandachten gemacht und was das allerwichtigste in Mai jedes Jahr kommt: Die Grabpflege am alten Klosterfriedhof des Stiftes Tepl mit der „Egerland- Jugend“!
Die Anna Lukasch schaute zu...
Und es war in den Tagen vom 5. bis zum 8. Mai des Jahres 2005, als uns die Anna wieder nach einem Jahr, aber schon zum fünfzehntenmal! sehen konnte: Die Nachkommen der vertriebenen Egerländer gemeinsam mit den verbliebenen Egerländern sind gekommen und haben nicht nur das Grab der Anna Lukasch sauber gemacht, sondern den ganzen Friedhof. Friedhofsmauer an der unteren linken Seite, deren Reparatur vor einem Jahr begonnen wurde, ist fertiggestellt worden. Anna Lukasch sah auch ganz interessante neue junge Leute auf dem Friedhof: einige Mitglieder der Volksgruppe „Marjánek“ aus Dermaul bei Marienbad kamen auch um zu helfen. Diese Gruppe fährt zum Bundesjugendtreffen im Juni nach Schlitz und das war der erste persönliche Kontakt zwischen den Jungen Tschechen und der Egerland- Jugend! Über diese Begegnung müsste sich Anna Lukasch sehr viel gefreut haben, denn sie wusste sehr wohl, was für eine gegenseitige Bereicherung es ist, wenn mehrere Nationalitäten zusammen friedlich leben. Auch über die Unterstützung seitens Klosters, die er den jungen Arbeitern a diesem Wochenende gab, freute sich die Anna: es war dasselbe Kloster, was sie mit Arbeit vor achtzig Jahren für ihr Lebensunterhalt besorgte. Die Anna würde sich auch über die Treue des „Visitators“ für die Sudetendeutsche, P. Norbert Schlegel freuen, die jedes Jahr kommt und in der Stiftskirche, neben dem Taufbecken, wo die Anna getauft wurde für diese junge Menschen hl. Messe zelebriert.
Liebe Anna, wir kommen wieder, auch wenn es noch mehr schneien wird, als heuer!
Was alles die Grabsteine erzählen können!
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