Gemeinsam vertrieben...
Gemeinsam vertrieben...
( Letzte Wallfahrt nach Maria Stock am 1. Mai 2005)
von Richard Sulko

Nach mehr als dreihundert Jahren der Wallfahrten nach Maria Stock sollte also der heutige Tag kommen. Einbrüche fasst jede Woche und sogar vom Dach verschwinden Kupferbleche... Die Prämonstratenser aus dem Stift in Tepl bei Marienbad sind schon ratlos: Immer aufs neue sich auf den langen Weg machen, wenn der Anruf von der Polizei kam und immer aufs neue versuchen, die Kirche sicherzustellen. Die Entscheidung war schwierig. Ob man eine andere Lösung finden könnte, das weißt scheinbar nur unser Herrgott. Uns, die immer so wie unsere Vorfahren hinkommen, tut das Herz weh, aber wir tragen nicht die Verantwortung. Mutter Gottes möge dem Land helfen, das solche Menschen hat. Die einen, eine ganz kleine Minderheit versuchen mit Gebeten für alle, auch für die Verbrecher zu beten, damit sie nicht im ewigen Feuer landen. Die anderen, (fasst fünfundzwanzig Prozent) die den Kommunismus anbeten freuen sich, dass das endlich zu Ende geht, mit dieser Wallfahrt und mit dem „provozieren“: endlich haben wir unser schlechtes Gewissen mit der Verfolgung der Kirche und mit der Vertreibung der Deutschen nicht vor den Augen!
Es ist noch eine Gruppe und das ist die Mehrheit: denen ist allen egal, Egoismus und Geldgewinnung um jeden Preis spielen bei ihnen die Hauptrolle.
Liebe Mitbrüder und Mitschwester: mit der Tatsache, dass wir alle, Deutsche und Tschechen Christen aus dieser Kirche sechzig Jahre nach dem Krieg und Vertreibung der Deutschen und fünfzehn Jahre nach der Wende „vertrieben“ worden sind, wir das Mehrheitsvolk sehr stark vor dem Vater im Himmel belastet. Es reicht schon aus, wenn man sieht, wie sich unsere Politiker heute verhalten und welche Moral in unserer Gesellschaft herrscht. Fast keiner findet den Mut, sich dem Bösen zu stellen. Mit dieser „Feigheit“ oder besser gesagt mit der Philosophie nur für mich alleine etwas zu haben bewegt sich die Gesellschaft in einem Schnellzug Richtung Hölle. „Frauen von Jerusalem, weint für euere Kinder“, sagt die hl. Schrift. Menschen aus Böhmen: weint für Euer Schicksal! Nicht die Kirche, nicht die Habsburger oder die Sudetendeutsche haben Euer Land vernichtet: Ihr habt es selber mit ihrer Habgier, mit Egoismus, Hass und der Abkehr von Gottes Liebe zerstört!

Nun können wir nicht mehr in das Tal der Schnella kommen und in der Wallfahrtskirche unserer Vorfahren und in der Kirche der Begegnung die Mutter Gottes anbeten. Das Gna denbild aber, was schon viele Wunder und Hilfe verursachte, wir woanders geehrt! Wir Christen, die die letzten in unserem Land Böhmen noch für die guten, alten Werke der Nächstenliebe leben, werden aber weiter machen! Wir werden andere Kirche finden und wir werden noch viel mehr für alle Kinder Gottes beten. Wir werden unseren Kindern und Enkelkindern erzählen, über Maria Stock und über die Begegnung. Wir werden erzählen über die Versöhnung zwischen unseren Völkern. Wir werden unseren Enkelkindern über die Tränen der alten Männer erzählen, die zum letzten Mal nach Maria Stock kamen und haben ihre vertraute Kirche nicht mehr erkannt. Wir werden über die tiefe Wunde in den Herzen erzählen, wie ein Gottes Haus geschändet werden kann. Wir werden es allen sagen! Wir werden unsere weinendes Herz auf das Altar der Liebe Gottes hinlegen und sagen: unser himmlischer Vater: vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun....


