Egerldnder im Caffee Egerldnder

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Geschrieben von Richard Sulko


Egerländer im Café Egerländer

( Folklorefestival in Marienbad)

Richard Šulko

 

Für das Wochenende vom 2. zum 3. Oktober 2004 bekam unsere Volkstanzgruppe „Die Målas“ zwar eine kurzfristige, aber hoch interessante Einladung: Wir sollen an einem Folklorefestival in Marienbad teilnehmen! Marienbad spielt in meinem Leben eine große Rolle: schon als ein kleiner Junge besuchte ich meinen slowakischen Opa in diesem Kurort und als ich in der Stahlgießerei als Technologe arbeitete, wurde ich nach Marienbad zum „Einsatz“ geschickt: mitten in Februar musste ich den alten Putz vom Kurhaus „Antonín Zápotocký“ abschlagen. Als das Haus fertig gestellt wurde, konnte ich dann mit meiner jungen Familie zu einer ROH  ( kommunistische Gewerkschaft) Erholung fahren. Es war eine wunderschöne Erholung, in einer schönen Kurstadt, von der ich aber damals nicht viel wusste ( vor allem aber über ihre deutsche Vergangenheit). Mit dem „Bund der Deutschen – Landschaft Egerland“ wurde das Verhältnis zur Marienbad noch viel enger. Nicht nur Seminare sondern auch eine unangenehme Geschichte mit meinem etwa 15 Jahre alten Sohn, der bei einer der ersten „Grabpflegeaktion“ im Stift Tepl mitten in der Nacht ins Marienbader Krankenhaus gebracht wurde, mit dem Verdacht auf Blinddarmentzündung. Es folgte eine „Autorenlesung“ mit dem AEK ( „Arbeitskreis Egerländer Kulturschaffender“), und „Notentransport“ für die Marienbad Symphoniker. Meine vorletzte Erfahrung mit dieser egerländer Kurstadt machte ich bei einem Kulturprogramm mit der „Landesversammlung“, bei dem auch die Vertreter der „Sudetendeutschen Landsmannschaft“ waren. Das Konzert fand im Kulturhaus Casino statt, vor etwa drei Jahren. Die letzte Begegnung mit Marienbad machte ich vor etwa einem halben Jahr, als ich geschäftlich in Sache Zahlungsunfähigkeit eines Kunden unterwegs war.

 

 

            Dieses Wochenende sollte aber zu dem Höhepunkt unserer Kulturarbeit werden, was wirklich keiner von uns ahnen konnte. Eingeladen worden sind wir von der Folkloregruppe „Marjánek“. Schon bei der Ankunft am Samstagmittag zeigte sich, dass alles wunderbar organisiert ist: unsere Gruppe bekam einen „Delegierten“, der sich um uns das ganze Wochenende kümmerte. Das interessanteste war, dass alles junge Menschen, im Alter zwischen 14 und 24 organisierten und durchführten! Nach dem Mittagessen in der „Kantine“ der Zweigstelle der Karlsuniversität bereiteten wir uns auf den ersten Auftritt: im Hotel „Butterfly“ war für die Kurgäste ein reichhaltiges Programm zusammengestellt.

Bevor wir zu diesem architektonisch interessanten Bau fuhren, wollte ich den Kindern „Café Egerländer“ zeigen. Und mein Traum erfüllte sich: alle fünf Tanzpaare fanden in diesem unter den Egerländern viel bekannten Café Platz. Ein „Pflichtgetränk“ in diesem herrlichen Raum war die Vorfreude für das ganze „Folklorefest“. Schade nur, das beim Bezahlen meine Brieftasche nicht so erfreut war, wie ich, aber die Lektüre war es sicher wert.

Als wir dann in unseren egerländer Trachten im „Butterfly“ auftauchten, meldeten sich gleich mehrere Deutsche zu uns: die einen kannten Ernst Mosch, die anderen hatten sogar Vorfahren in Marienbad. Deswegen leitete ich durchs Programm dreisprachig: Tschechisch, Deutsch und „Eghalåndrisch“. Ein großer Erfolg schon am frühen Nachmittag! Danach ging der Weg ins Casino, wo wir die Technik- und Tonprobe machten. Der letzte Weg vor dem Abendprogramm führte zum Abendessen und weil wir ein gutes, aber doch ein wenig  „Diätmenu“ bekam, lud ich noch meine

 

das Finale im Casino

im Caffee Egerländer

 
Frau zum Kaffeetrinken in das Kaffeehaus „Goethe“ ein. An dieser Stelle soll gesagt werden, dass wir in unseren Trachten ein großes Aufsehen verursachten. Viele Leute lachten und sprachen uns an, und als ich die „Sachertorte“ speiste, hörte ich sogar von Nebentisch: „Eghålanda hålts enk z´såmm“.

Der große Folklorenabend im Casino: unter der Beteiligung vom Bürgermeister der Stadt Marienbad, PhDr. Ludek Nosek stellten sich mit uns weitere sechs Gruppen vor: Kinder - und Erwachsenensemble „Marjánek“ aus Marienbad, „Rozmarýnek“ auch aus Marienbad, Kindergruppe „Stázka“ aus Tepl, „Úslavácek“ aus Pilsen, sowie die Gruppe „Skejusan“ aus Komotau. Die letzt genannte gehört zu der ruthenischen Minderheit in der Tschechischen Republik. Es war ein wunderschöner Abend, in den herrlichen Räumen des Gesellschaftshauses Casino. Es war etwa halb elf, als wir alle gemeinsam das Abschlusslied über eine „hungrige Magd“ sangen.

 

"Pflichtbild" vor der Fontäne und Kolonnade

Die Kinder gingen ins Bett und ich genoss noch die Gastfreundschaft dieses Kurbades. Als ich dann im Bett lag, hörte ich noch ganz genau, was mir eine älter Frau aus Komotau sag: „Wissen Sie, wir, die Minderheiten müssen zusammenhalten, denn nur so werden wir akzeptiert und können etwas erreichen“. So eine freudige Geste gegenüber einer deutschen Volksgruppe hört man selten! Mit solchen freundlichen Gesten schläft man wirklich ausgezeichnet, und nicht nur in einer Kurstadt!

            Für den Sonntag erlebten wir einen weiteren Höhepunkt: direkt auf der Kolonnade präsentierten sich alle Gruppen noch einmal. Es waren sehr viele Zuschauer gekommen und ein großer Applaus belohnte jeden Auftritt. Ein würdiger Abschluss von diesem schönen Wochenende. Vor dem Mittagessen tranken wir noch direkt auf der Kolonnade einen Kaffee und genossen die Freundschaft und Anerkennung.  Nach dem Mittagessen ging der Weg wieder nach Netschetin, wo wir alle noch an der hl. Messe Teilnahmen.

            Lieber „Marjánek“: herzlichen Dank für die Einladung und für die Gastfreundschaft!

 

 

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