Die Panzer am 21. August und Kühe auf der Stra_e
Die Panzer am 21. August und Kühe auf der Straße
( 13. Konzert Musik kennt keine Grenzen 2004 in Falkenau)
Moala Richard
Was für ein Datum......
Der 21. August spielt in der Geschichte unseres Landes eine besondere Rolle. An diesem Tag im Jahre 1968 rollten Panzer des Warschauer Paktes in unser Land und haben die Hoffnungen des „Prager Frühlings“ erstickt. Ich war damals ein achtjähriger Junge, kann mich aber an einiges erinnern: nicht nur auf dem Lande, wo auch dort die „Befreie“ gelagert haben, aber vor allem in der Großstadt, in dem ich lebte. Die Nachwirkungen dieser, man kann sagen „Kriegsereignisse“ mit anschließender „Normalisierung“ hat meinen Lebensweg grundsätzlich beeinflusst. 
Nun kam der 21. August des Jahres 2004: Zum dreizehntenmal! lud der „Bund der Deutschen- Landschaft Egerland“ zum Konzert „Musik kennt keine Grenzen“ ein, diesmal nach Falkenau. Die dortige Ortsgruppe des „Bundes“ unter der Leitung von Marie Schreiner ist sehr aktiv und hat deswegen nach paar Jahren „Pause“ schon verdient, dass man mit unserer größten kulturellen Maßnahme in ihrem „Wirkungsgebiet“ wieder „auftauchen“. Außerdem hat das „Bergarbeiterheim“ den größten mir bekannten Saal, wo über dreihundert Zuschauer hineinpassen und dazu noch genug Platz zum tanzen haben. Weil ich ein wenig später die Zuwendung vom tschechischen Kulturministerium bekam und deswegen ziemlich zu spät die zu auftretenden Gruppen suchen musste die auch in der Ferienzeit einen freien Termin hatten, musste ich den Termin vom 7. 8. gerade auf den 21. August 04 verschieben. Ich war schon gespannt, ob überhaupt jemand kommt und dazu noch dieser riesige Saal! Bei der Programmvorbereitung wollte ich, dass ich weniger „Nerven“ am eigenen Konzert haben werde ( obzwar jeder der mich kennt weiß, dass ich immer sowieso „halb tot“ bin) und habe deswegen alles sehr detailliert vorbereitet. Alle Gruppen, die sich am Programm beteiligten haben rechtzeitig ihr Repertoire zugeschickt und ich konnte nicht nur den „Autorenschutzverband“ in Ruhe erledigen, vor allem aber das Begleitwort in Ruhe vorbereiten.

Nun kam der große Tag....
Weil wir, die Tanzgruppe Målas auch auftreten sollten und die Mitglieder aufgrund der Entfernungen, wo sie leben, sehr schwer zu den Proben kommen können, mussten wir noch eine größere Probe an diesem Vormittag machen. Der Bus fuhr also von Pilsen aus nach Netschetin, wo wir noch ein und halb Stunde probten. Dann ging es schon nach Falkenau. Etwa zwei Stunden vor Beginn waren wir schon im Saal und hatten mit den Mitgliedern der Ortsgruppe alles vorbereitet. Nur schnell eine Probe auch mit unserer neuen Tänzerin Vilma, die an diesem Tag ihre Prämiere hatte und Gäste können kommen.
Große Gästereihe....
Noch um halb zwei war der Saal halb lehr und alle befürchteten das schlimmste. Aber binnen zwanzig Minute war der Saal voll. Den Anfang machte die aus Waidhaus kommende Blaskapelle „Woihauser Straßenmusikanten“ mit dem „Egerländer Liedermarsch“. In meiner folgenden Begrüßung konnte ich nicht nur das Datum erwähnen, sondern auch folgende Gäste Begrüßen:
Die Leiterin des Bürgermeisteramtes der Stadt Falkenau, Frau Vera Hofrichterová, den stellv. Vorsitzenden vom „Bund der Eghalånda Gmoin“ ( BdEG) Helmuth Kindl aus Ingolstad mit Vater und Tochter und die „Kassenwartin“ Sabine Müller, sowie den Schriftführer Toni Graf und den „Bundeslichtbildner“ Erich Wetzka mit Frau aus Ingolstadt. Aus Wasseralfingen bei Aalen kam der Organisationsleiter des BdEG und unser alter Freund Karl – Heinz Seufferle. Aus Bamberg kam der „Vüarstäiha“ der dortigen „Gmoin“ und ein gebürtiger Graslitzer Peter Schmidt. Auch die egerländer Mundartautorin Herta Huber mit ihrem Mann war anwesend. Aus Schweinfurt kamen aus der dortigen „Gmoin“ 15 Besucher mit dem Vorsitzenden Ferdinand Kugler und von der Kreisgruppe der SL aus Labertal in Niederbayern 55 Personen mit dem Vorsitzenden Willi Blaschko. Dabei war auch der „Altbürgermeister“ Hans Daffuer.
Vorstellung der Gruppen...
An der ersten Stelle begrüßte ich unsere lieben Freunde auch Waidhaus, die „Woihauser Straßenmusikanten“, unter der Leitung von Dieter Hanauer. Zu dieser Gruppe bin ich auf eine ganz besondere Art gekommen: beim diesjährigen „Nordgautag“ in Vohenstrauß sah und hörte ich sie zum erstenmal. Als ich die wunderschönen „eghalånda Liedla“ hörte, hab ich sie soft engagiert. Auch die zweite Blaskapelle ist mir wohl bekannt. Nicht weit weg von meinem Heimatdorf Netschetin liegt Weseritz, aus der die Jugendblaskapelle „Juvenka“ kommt. Sie wird vom Jiri Palát geleitet.

Was wäre unser Konzert ohne den Künstlern aus den Reihen der Egerländer, die im Egerland noch leben. Ich begrüßte den „Graslitzer Heimatchor, unter der Leitung von Edeltraud Rojik und unsere Zitherspielerin Bertl Ruzicka aus Neudek Die Graslitzer Sängerinen lud ich gezielt ein. Sie gehören zu dem „Kulturverband der Deutschen“ und meine Einladung sollte zeigen, dass wir, vom „Bund der Deutschen- Landschaft Egerland“ keinerlei Probleme mit der Verständigung zu diesem Verbad der dt. Minderheit haben.
Aus unserer Ortsgruppe Netschetin – Preitenstein, die der Träger des „Förderpreises zum Egerländer Kulturpreis ´Johannes von Tepl“ aus dem Jahre 2002 ist, kammen „Die Målas“, die einzige Volkstanzgruppe aus dem jetzigen Egerland.
Abwechslungreiches Programm ....
Nach den Grußworten der Frau Hofrichterová und Helmut Kindl sowie Vorstellung der Gruppen ging das Konzert richtig los. Musikstücke der beiden Blaskapellen, die zum Tanz einluden wechselte ab mit Liedern aus dem Erzgebirge, vorgetragen von der Bertl Ruzicka und dem Chor aus Graslitz und so konnte sich jeder das richtige aussuchen. Durchs Programm wurde zweisprachig geführt und zwar wurde wirklich alles übersetzt, unsere tschechischen Besucher konnten also auch alles mitbekommen.
Wir hatten zwar bei Anfang 10 Minuten Verspätung aber nach fünfzig Minuten waren wir pünktlich in der Zeit. Nun kamen die ersten Wünsche und die Tänzer wollten auch nicht die Tanzfläche verlassen, also nahmen wir noch extra vier „Musikstückla“ ins Programm auf.
Zum Schluss von diesem sehr schönen Nachmittag sangen wir alle gemeinsam stehend „Kein schöner Land“, was bei dieser Veranstaltung nicht fehlen darf.
Eine abenteuerliche Fahrt nach Hause… 
Die Fahrt nach Hause wurde zwar schon ohne Stress, aber nicht weniger abenteuerlich. Unsere Magen knurrten aus Hunger und wir eilten, damit wir endlich in Ruhe etwas essen können. Bei Krasch, direkt beim Fernsehersender bremste der Busfahrer zum erstenmal. Mitten auf der Straße lief ein Kalb hin und her und wusste nicht wohin. Die Inhaber dieses armen Viehes trieben ihn dann endlich in eine Zaunlücke und wir konnten weiter fahren. Binnen des Wartens schaute ich den Sendeturm an und die Gedanken waren im Jahre 1968, als am 21. August die Arbeiter des Senders von den Russen in Nachthemden in den nähegelegenen Wald getrieben wurden. Schade, dass sich dann keiner mehr daran erinnert hat, als er sein Job weiter machen wollte…
In Netschetin stiegen einige aus und der „Rest“, der in Pilsen wohnt, fuhr weiter. Kurz vor Anischau (Unesov) bremste der Busfahrer zum zweitenmal. Diesmal war es viel schlimmer: ein ganze Herde von Kühen stand auf der Straße. Ein schwarzer Bulle schaute mich ganz ernst an, als ich ihm überredete, er soll uns doch passieren lassen, ansonsten verhungern wir. Dann hat auch er verstanden, was das ist mit hungrigem Magen sich den ganzen Tag herumzuschlagen und befiel seiner Herde die Straße zu verlassen.
Zwanzig Minuten später gelangen wir in die Dorfkneipe in Prisov, wo wie unsere Resl überfielen, denn sie hatte den Dienst und konnte nicht mitfahren. Nach kräftigem Abendessen sind wir dann endlich um neun Uhr nach Hause gekommen und vielen halb tot ins Bett.

