Tradition und die modernste Technik
Tradition und die neueste Technik
( Volkstanzseminar in Netschetin, 9.- 11. Juli 2004)
Måla Richard

Die „närrische“ Vorurlaubszeit ist eingetroffen. Zwei Wochen vor den Betriebsferien muss noch viel in der Firma gemacht werden: neben den „normalen“ Tätigkeiten, die jeder Unternehmer vor seinem Urlaub erledigen muss, ist bei mir noch vieles mehr dazugekommen. Wir stehen eine Woche vor der Zertifizierung nach EN ISO 9001: 2000, das Team hat sich auch geändert und die wichtigsten Kunden sollen ja auch noch besucht werden! Man spürt zwar schon die Meeresluft in der Nase, aber bevor alle die Sorgen in dem Sand auf den Meeresstränden „einsickern“, wird es noch interessant. Ich sitze gerade in einem Hotel inmitten im Waldgebiet nicht weit weg von der slowakischen Grenze und „zaubere“ an meinem „Laptop“. E-Mails sind erledigt worden, der Körper bekam nach zwölf Stunden „Nervenfahrt“ auf den tschechischen Straßen seine Dusche und eine „Wallachische Stärkung“ und die die „Kunstseele“ kann anfangen zu arbeiten. Es ist die neueste Technik, mit der man mit seinem Vorgesetzten oder mit seinen Liebsten, trotz der großen Entfernung, verbunden ist. Und es war auch die moderne Technik, die wir bei unserem traditionellen Volkstanzseminar einsetzten. Wir hatten in den vergangenen Jahren immer die Hilfe der „Egerland- Jugend“ gerne angenommen und haben neue egerländer Volkstänze einstudiert. Heuer waren wir zum ersten mal in der Lage, alte Tänze den neuen Mittänzern beizubringen. Der „Bund der Deutschen“ hat zwar vom tschechischen Kulturministerium eine Zuwendung bekommen, aber die Mittel waren sehr bescheiden. Wir mussten also alleine zurechtkommen. Wie viel Möglichkeiten man aber mit der modernsten Technik hat, haben wir selber noch nicht geahnt. Für das zweite Wochenende im Juli hatten wir uns vorgenommen nicht nur alte Tänze zu wiederholen, sondern auch zwei unsere „alten“ Tänze den „neuen“ Tänzern beizubringen: die „Klodrauer Roja“ und „Schäi(n lustigh u kerngout“. Man staune: das Ergebnis ist noch viel „reicher“ geworden! Der Samstag verlief in einer normalen Stimmung und „Körperteror“: mit vierzig Jahren tun doch schon nach sechs Stunden Übung die Knien und das Gelenk weh. Man will sich aber ja vor der Jugend nicht „blamieren“ und holt seine letzten Kräfte heraus. Wir saßen gerade beim Abendessen, als wir einen besondern Besuch bekamen: die „Bundesvüarstäiha“ des „Bundes der Eghalanda Gmoin“ Günther Müller kam zu Besuch! Nicht nur aus diesem Anlass bereitete ich eine Überraschung vor: beim „Bundesjugendtreffen der Egerland – Jugend“, was vor einer Woche in Wendligen am Neckar stattfand, machte ich Videoaufnahmen mit meiner Digitalkamera. Und diese Aufnahme schauten wir uns an diesem Abend an. Einstündiges Dokument, was man in dem wunderschönen Saal des Gasthauses „Am Rathaus“ in Netschetin an die Wand „projektierten“. An diesem Abend wurde uns klar: wir können dank der Technik viel mehr machen, als wir denken: Wir haben zwar keine Vorfahren, die uns alle die Tänze beibringen; wir haben aber neben der „Egerland- Jugend“ auch die Technik, die uns helfen kann, unsere egerländer Tänze lernen zu können! Wir legten an diesem Abend fest, dass wir den Kindertanz „Kikeriki“ den Kindern beibringen wollen. Und es hat wirklich funktioniert: Als der „Bundesvüarstäiha“ auf den Saal am Sonntagvormittag kam, konnten wir ihm schon den kompletten Tanz zeigen! Ein Zeichen nicht nur der Produktivität der neuen Technik, sondern vor allem ein Zeichen der Heimatliebe und der Liebe zum Egerländer Kulturgut!Es war etwa Zehn Uhr, als wir überlegten, was wir noch machen konnten, denn die „Produktivität“ an diesem Wochenende war „virtuos“.Ich widmete mich dem besonderem Gast aus Iserlohn und zeigte ihm meine Fotoausstellung „Dåu bin i daham“, die in den Räumlichkeiten des Wirtshauses „Am Rathaus“ gezeigt wird. Als wir kurz vor dem Mittagessen in den Saal schauten, glaubte ich meinen Augen nicht: dank der Videoaufnahme haben die Anita & Co. den „Egerländer Walzer“ gelernt. Man muss zwar noch viel Üben, aber der Anfang ist gemacht worden…..
„Liebe Gäste, es ist Mittwochabend und wie es bei uns üblich ist, fangen wir den heutigen Abend mit der alten, guten Musik an: ´Sun of Jamaika“, höre ich auf einmal aus den Lautsprechern. Ich bin wieder in der realen Zeit in der „Wallachei“, sitze im Eck der Gaststube und höre die Musik meiner Jugend: Lieder wie „Daddy Cool“ von „Boney M“, „In my Heart, in my Soul“ von „Modern Talking“ und vieles mehr „streicheln“ meine Seele. Ob mir der Herrgott schon vor dem Urlaub vor der morgigen Reklamationsverhandlung eine „Streicheleinheit“ schenkt? Ich höre die schönen Lieder; ich schließe die Augen und „versetze“ mich fünfundzwanzig Jahre zurück. Damals hatte ich nur Disko und Rockmusik im Kopf. Und heute? Man stellt selbst etwas auf die Beine und ehrlich gesagt: es macht viel mehr Spaß! Die Vergangenheit, die Gegenwart, die Tradition und die neue Technik: das Leben gibt einem, der sucht viel Möglichkeiten: es hängt nur von jedem ab, wie er diese Chancen ausnützt!
„Eghalanda Tånz“
Måla Richard
Dåu schwing ma mit dian Beinan,
håuch u g´schwind, wöi´s hålt sua gäiht.
Ma(n is gung u g´sund
Håuch unna Hoimatlöi(b stäiht.
Ma(n wiard nimma gunga,
dös is gwis.
Uwa dea(r eghalånda Tånz,
dear bleibt uns dahåltn, dös is fei(n aa gwis!
Dös schäinsta an dian Tånz,
san döi Kidl, wöi si flöign
U schäina Untahuasn schauan assi.
Dåu denkt sich a månchara Bou(b:
Dös Moidl, dös mou i fai(n kröign!
|
|
|
|



