Bundesjugendtreffen der Egerland- Jugend
Mitternachtspredigt
( Bundesjugendtreffen in Wendlingen am Neckar, 2.- 4. Juli 2004)
Richard Šulko

Seit Jahren dabei...
Schon einige Jahre fahren wir vom „Bund der Deutschen – Landschaft Egerland“ zu den alljährlichen Treffen der „Egerländer Jugend“. Auch heuer folgten wir der Einladung des „Bundesjugendführers“ Volker Jobst und fuhren mit einem Bus, mit dem die Volkstanzgruppe „Stázka“ aus Tepl mitfuhr nach Wendlingen am Neckar. Die Ankunft am Freitag folgte kurz vor Mitternacht, weil wir zweimal im Stau hängen geblieben sind. Der Samstag gehörte den Wettbewerben, in dem die Kinder in Mundart, Heimatkunde Tanz und Volkslied um Wanderpreise „kämpften“. Auch unsere Volkstanzgruppe „Die Målas“ konnte ihr Können binnen des Tages zeigen.
Ein besonderer Abend...
Der Abend an diesem Treffen war sicher für alle wieder ein großes kulturelles Erlebnis. Für mich ist er jedoch zum Erlebnis geworden, was man selten erleben kann. Den „Anfang“ machte ein dreistündiges Programm im „Egerländer Notenbüchl“. Alle Gruppen beteiligten sich an einem bunten und hochkarätigem Abend, in dem auch wichtige Gäste begrüßt werden konnten: neben dem Bürgermeister der Stadt Wendlingen am Neckar Frank Ziegler sprachen die Grußworte noch der „Bundesvüarstäiha“ des „Bundes der Eghalanda Gmoin“ Günther Müller, sowie Min.-Dirig. H. Hellstern aus dem Innenministerium des Landes Baden- Württemberg. Nach dem Ende folgte ein Fackelzug zu der „Uhland- Schule“. Fackelzüge sind für die Kinder immer etwas ganz besonderes. Auch für mich ist er ein großes Erlebnis. Durch die nächtliche Stadt schweigend zu gehen, Hunderte von Lichtern vor sich sehen und den Geruch der brennenden Fackel, der sich mit den Düften der sommerlichen Natur mischt, riechen... Als wir uns endlich müde auf die Bierbänke hinsetzten und mit Getränken stärkten, dachte ich wenigstens: „Es woar a schäina Åumbd“. Aber die Krönung sollte erst kommen. Es war schon lange nach Mitternacht, als zu unserem Tisch der Pater Norbert Schlegel kam. Wir sprachen vor einige Zeit über jungen Menschen, die nicht die Wahl und die Antwortung übernehmen wollen und ohne Schließung der Ehe nur so zusammenleben. Das Thema war sicher nicht nur für mich ganz wichtig. Ich selber bin ein „strenger“ Christ, der an den Verpflichtungen aber auch der Chancen aus dem Glauben festhält. Man versucht diese Verantwortung auch den Kindern zu übergeben, aber wenn man die Mehrheit der Gesellschaft, in der unsere Kinder leben anschaut, ist es scheinbar eine „sisyphische Arbeit“. Umso mehr dankte ich Gott, dass ich mit meinen Liebsten diese „Mitternachtspredigt“ erleben dürfte. Mit seinen Worten war P. Norbert mit Sicherheit mit allen Heiligen im Geiste verbunden, wie sich am nächsten Morgen bei der hl. Messe bewiesen hat: Ich stand bei der Predigt vom P. Norbert gerade an der rechten Seite des Kirchenschiffes und schwankte mit der Kamera hin und her, um ein schönes Bild zu bekommen, als ich ihn sah: an Seite vom P. Norbert stand eine dunkle Gestallt, die in der rechten Hand einen Stock hatte und in der linken die heilige Schrift. Sie beobachtete alle die, die an diesem Morgen in die Kirche kamen. Alle die Kinder und junge Menschen. Mir lief der kalte Schweiß den Rücken herunter und ich erinnerte mich an die Predigt: wahrhaftig wichtig waren die Worte bei der späten Stunde, die der P. Norbert den jungen Menschen predigte. Es kann sein, dass er durch seine unermüdliche Arbeit an diesem Abend ein junges Leben vor der Hölle rettete!
Alls wir dann am frühen Sonntagsnachmittag wieder den Weg nach Hause angetreten sind, fuhr ich mit reichlich gefüllte Seele wieder in unser gemeinsames Egerland zurück. Was für ein Erlebnis!




