Ein sehr kaltes Opfer f|r die Heimat
Ein sehr kaltes Opfer für die Heimat...
( 14. Grabpflege 2004 mit der Egerland- Jugend)
Richard Šulko
Es war wieder im „schönen“ Mai...
Ich sitze in meinem Arbeitszimmer zu Hause und versuche meine „frischen“ Erlebnisse „aufs Papier“ niederzuschreiben. Es sind nur paar Stunden vergangen, als ich mit meinen liebsten von der vierzehnten „Friedhofspflegeaktion“ in Tepl zurückkam. In diesem Augenblick geht’s meinem Leib schon gut, aber hoffentlich bekomme ich keinen Herzinfarkt, wenn die Rechnung fürs warme Wasser kommt! Was ist geschehen? Die heurige „Grabpflege“, die schon die vierzehnte! war, prüfte sehr hart, wie Heimatliebe und wahre Freundschaft aussehen soll. Tepler Hochland ist durch harte Winter bekannt und unsere Maßnahme auf dem Friedhof, eine Woche vor Pfingsten ist wiederum durch sehr schönes Wetter bekannt, das manchmal schon zum Baden einlädt. Ich möchte die Leser gleich am Anfang warnen: übers Baden werden sie in diesem Artikel wirklich nichts finden! Aber alles vom Anfang: Am Donnerstag, den 20. Mai kamen auf den alten Klosterfriedhof aus allen Ecken Deutschlands und Egerlandes, sogar aus Kladno bei Prag mehr als dreißig junge Menschen um nicht nur zu arbeiten, sondern einiges zu erleben und neue Freundschaften zu gewinnen. Es waren einige neue Gesichte dabei, vor allem aus den reihen vom „Bund der Deutschen – Landschaft Egerland“, was mich mit sehr große Freude füllte. Schon der Donnerstag zeigte, dass es an Erlebnissen nicht fehlen wird. Das Wetter war an diesem „Christi Himmelfahrt – Tag“ freundlich und jeder Teilnehmer freute sich wieder auf ein schönes Wochenende.
Rettung mit dem Hubschrauber...
Als die fleißigen Mitarbeiter vom Friedhof in den Campingplatz kamen, erlebten sie eine Rettungsaktion: von einer Karlsbader Schule, die Ausflug nach Tepl machte, fiel ein Kind so unglücklich ins Wasser, dass es mit einem Rettungshubschrauber nach Karlsbad ins Krankenhaus gebracht werden musste. Für die Kinder ein interessantes Erlebnis, für die anderen etwas zum Nachdenken, denn es kann jedem etwas passieren. Die erste Nacht war ruhig. Heuer belegten wir im Campingplatz „Betlém“ nicht das Hauptgebäude, sondern die kleinen Bungalows, weil für Freitag dieses Haus eine Karlsbader Firma mietete. Auch das arbeiten am Freitag ging zügig voraus: das Graß verschwand von diesem großen Friedhof sehr schnell, weil alle toll anpackten.
Backsteine aus Waldsassen im Einsatz...
Jedes Jahr wird bei dieser Aktion ein neues Thema ausgerufen. Im vergangenen Jahr reparierten wir die Treppe zur Gruft. Heuer wählte die „Bundesjugendführung´ der ´Egerland – Jugend ( EJ)“ das Thema „Friedhofsmauer“. In zwei Stellen dieses Friedhofes ist nämlich die Mauer zerstört und wilde Tiere können beliebig diese Heilstädte betreten. Der „Bundesjugendführer“ der „EJ“, Volker Jobst schrieb dem bekannten Egerländer aus Altkinsberg bei Eger Anton Hart an. Und tatsächlich: als wir am Donnerstag ankamen, standen schon sechs Paletten mit gespendeten Ziegelsteinen der Firma „Hart“ aus Waldsassen auf dem Klostergelände. Ein herzliches „Vagalt´s Gott!“ Und so konnte sich unser „Maurer- Team“: Franz, Karl – Heinz und Rudi ans Werk machen. Bei der Vorbereitung des Grundes stellte man fest, dass an dieser Stelle ein Leichenhaus stand! Wieder eine neue Information und das nach vierzehn Jahren! Das „Mauerbauen“ ging zügig voran, nur der Regen am Freitag Nachmittag störte ein wenig den Einsatz.
Als der Winter einbrach...
Samstag früh: schon ein wenig „durchgefroren“ eilten wir durch die raue Landschaft des „Tepler Hochlandes“ zum Frühstück. Mehrere Tassen Kaffee erwärmten die durchgekühlten Körper. „Wir werden uns schon bei der Arbeit erwärmen,“ hieß es bei den Optimisten, zu denen mit Sicherheit alle Teilnehmer gehören müssen.
Schon der Vormittag zeigte aber, dass es für alle, die am Friedhof heuer arbeiteten, eine harte Probe für die Heimatliebe sein wird. Gut war es jedoch für die Geschäfte in der Stadt Tepl, den es wurde alles abgekauft, was nur ein wenig Wärme in den Körpern retten konnte. Und es war immer kälter und kälter.... Nach dem Mittagessen ( die Verpflegung seitens dem Kloster war gut, scheinbar hat der Hospiz einen neuen Koch) wurde das Lagerfeuer am Eingang des Friedhofes angezündet: eine einzige kleine Warmquelle für etwa fünfunddreißig Leute! Und es wurde noch schlimmer... Obzwar wir in „Obhut“ des „Visitators für die Sudetendeutschen,“ P. Norbert Schlegel waren, der mit dem „Bundesvüarstäiha“ des „Bundes der Eghalanda Gmoin“ Günther Müller und seiner Frau Sabine zu uns kam, wollte scheinbar das Wetter zeigen, was es im Egerland kann. Für manche war dann die letzte Rettung der Innenraum der Wagen, wo es hinter der Glasscheibe auszuhalten war. Nicht nur deswegen machten wir uns schon um siebzehn Uhr auf dem Weg in den Campingplatz.
Wie ein Vogel...
So schnell, wie ich geduscht aus den Duschräumen in meinen Bungalow eilte, war nur der „Schummi“ in Monte Carlo an diesem Wochenende. Es wurden saubere Sachen angezogen und in der Campingplatzkneipe ein Grog in den durchgefrorenen Körper eingegossen. Es erwartete uns nach dem Abendessen der Gottesdienst mit P. Norbert. Ministranten waren meine Söhne Richard und Berti. Nach dem Gottesdienst erlebte ich mit meinen Söhnen und dem Jakub, Sohn von meinem Bruder etwas, was ich in Tepl noch nie erlebte. Ich konnte wie ein Vogel das Stift von oben sehen. Der Weg in die Spitze von einem der Kirchentürme war abenteuerlich: mit einer Taschenlampe kletterten wir, kniezitternd immer Richtung nach Oben. Ich hatte Angst, aber die Landschaft in Abendsonne von so einer Höhe zu sehen erfüllte nicht nur meine künstlerische Seele mit Freunde, sondern auch mein Christliche Glaube wurde gestärkt, den so eine Schönheit kann nur Herrgott schaffen.
Der frostige Abschluss...
Der Abend war lustig und erholsam. Karl. - Heinz Seufferle machte Feuer im Kamin und nach dem ersten „Becherbitter“ war das Gleichgewicht im Körper wieder hergestellt. Die letzte Nacht stellte alle Teilnehmer auf die Probe: Eine frostige Nacht, mit Schneefall am frühen Morgen. Die Bungalows hatten keine Heizung und sind nur aus Holz gebaut. Die meisten zitterten aus Kälte die ganze Nacht hindurch, nur die, die mit einem Partner untergebracht waren konnten sich gegenseitig unter der dünnen Decke erwärmen. Zuletzt hat also die Grabpflege auch zur Liebe zueinander etwas beigetragen. Der Abschied war frostig: Sturm mit Schnee zwang die Teilnehmer am Sonntag morgen aus dem Friedhof, wo wir Abschied nahmen in die geheizten Wagen, die uns dann wieder nach hause brachten.
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