"Ratsche" in der Schnauze

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Geschrieben von Richard Sulko

"Ratsche“ in der Schnauze
( Ostern 2004 in der Heimat)
Måla Richard

Die Pflege des Egerländer Kulturgutes in der Heimat ist eine spannende Angelegenheit, was sich wiederum beim diesjährigen „Ratschgång“ zeigte. Aber alles schön vom Anfang: Osterzeit, die größten Festtage der Christen werden auch groß in unserer kleinen Ortsgruppe gefeiert. Der Karfreitag ist bei uns kein Feiertag und wenn man noch in der Arbeit sehr viel Sorgen hat, ist es in keinem Fall ein nachdenklicher Tag, in dem man sich an den Tod Christi für uns alle erinnert. Für uns Egerländer im Egerland beginnt die Osterzeit am Karsamstag. Schon seit Jahren packen wir unsere „Ratschn“ und begeben uns auf einen anstrengenden Weg, der von Netschetin über Preitenstein und Dt.- Neustadl bis auf den Plachtin führt. Es sind zwar nur etwa vier Kilometer, aber wenn man die schweren „Krachmacher“ und eine komplette Kameraausrüstung mitschleppt, ist es schon ein gewisses Opfer, mit dem man nicht nur den alten Brauch erhält, sondern auch etwas christliches zeigen will. Der Weg verläuft jedes Jahr ähnlich: wenn man zum „grünen Kreuz“ kommt, ist man schon ziemlich müde. Beim Gebet beruhigt man sich und man kann sich auf den weiteren Weg machen. Der nächste Halt wurde am „Schluaßteich“ gemacht, wo sich das Preitensteiner Schloss so schön im Wasser spiegelt. Dan kam es: wir alle haben unsere schwere Last auf die Baumstumpfe hingelegt und genossen den schönen Blick auf die Insel mit dem Schloss. Auf einmal kam ein riesiger Hund aus dem Haus an dem Teich gesprungen. Als ein richtiger Jäger suchte er nach seiner Beute. Und was sah er in seinen „Lichtern“ als erstes? Die kleine „Ratsche“ vom Berti. Es dauerte nur zwei bis drei Sekunden und wir waren ohne ein Instrument. Es begann eine gefährliche Jagd: Der Hund war selbstverständlich viel schneller als wir und so dachte ich schon, dass ich mir langsam nach einer anderen „Ratschn“ umschauen muss. Dann gelang es dem Michal den Hund hinter den Zaun zu bringen und ein gefährlicher Augenblick sollte die „Rettung“ bringen: mit einer langsamer Bewegung, wie ein Indianer schlich sich der Michal an den Hund heran. Mit einer ruhigen Stimme uns langsamen Handbewegungen kam er immer näher und näher, bis er mit einem schnellen Handgriff die „Ratsche“ aus der Schnauze befreite. Eine gefährliche Situation aber mit einem guten Ende. Der Rest des heurigen „Ratschnganges“ verlief ruhig. Wir besuchten unsere Mitglieder in Preitenstein und Plachtin und in den Nachmittagstunden kamen wir alle dann wieder in Netschetin an. Der Ostersonntag war dann wie jedes Jahr im Zeichen der hl. Festmesse. In Egerländer Trachten und mit viel Weihrauch feierte diese kleine Gruppe der Egerländer aus Netschetin die Auferstehung Christi. Nach dem Gottesdienst lud ich noch die ganze Familie zu einem kleinem Imbiss in das Wirtshaus „am Rathaus“ ein und der Sonntag war aus. Montag gehörte dem „Nestesuchen“ und dem Gang mit der Osterrute. Meine habe ich am Sonntagvormittag selber geflochten und konnte deswegen mit Stolz unsere drei Nachbarinnen in Pilsen am Abend „auspeitschen“. Es war ein spannendes verlängertes Wochenende, aber wie immer schön!

Der gefährlichste Augenblick: dem riesigen Hund die „Ratsche“ wegzunehmen

Die „Ratschnboum“ auf dem Netschetiner Marktplatz

Bilder: Moala Richard
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