Mit einem Fuß im Egerland
Mit einem Fuß im Egerland
( Bundeskulturtagung 2003)
Moala Richard
Die Bundeskulturtagung findet alle Jahre statt
In den Tagen vom 24. zum 26. Oktober 2003 lud der "Bund der Eghalanda Gmoin" zur alljährlichen Bundeskulturtagung ein. Vom "Bund der Deutschen" waren außer mir noch vier Mitglieder anwesend.
Das Programm war wiederum sehr reichhaltig gestaltet. Schon am Freitag konnten die Anwesenden nach der Eröffnung einige Vorträge hören, sowie wurden zwei Ausstellungen eröffnet. Einen besonderen Reiz hatte für mich die "Werkstatt - Ausstellung" über das entstehen der Figuren für den "Egerland - Brunnen", vom Dr. Hatto Zeidler. Man konnte schon fertiggestellte Figuren aus Bronze sehen, sowie Gipsmodelle im Maß 1:1. Auch einige Formen konnten Besucher bewundern. Ich selber war ein Gießerei - Technologe, also war das für mich hoch interessant.
Der letzte Vortrag am Freitag abend war eine Sendung der Bayerischen Fernsehens über den Barockbaumeister Balthasar - Neumann.
Den Samstag startete ein Vortrag über den Dudelsackspieler Adolf Huska, vom Dr. Sebastian Schott aus dem Tachauer Heimatmuseum in Weiden. Es folgte der Dr. Ralf Haimrath, stellv. Bundeskulturwart mit seinem Vortrag über die Wandermusikanten. Dr. Egon Ziegler trug seine Gedanken über die Kulturarbeit in den Gmoin vor.
Ausflug in die Kälte…
Nach dem Mittagessen kam der schon lang ersehene Ausflug. Mit drei Bussen ging es zuerst nach Bärnau, wo wir das Knopfmuseum besichtigten. Ich glaube daß jeder Besucher nach dieser Besichtigung mit einem ganz anderen Gefühl seine Knöpfe zumacht, denn vor allem die Knöpfe aus der Perlmutt brauchen sehr viel Arbeitsvorgänge, bis sie fertig sind. Nach dem Museumsbesuch fuhren wir in die Steinbergkirche, wo wir mit P. Norbert Schlegel den Gottesdienst feierten. Es ist eine kleine, schön renovierte Kirche, wohin viele vertriebene Egerländer vor allem aus der Tachauer Gegend kommen. Als wir nach dem letzten Lied die Kirche verließen, waren wir ganz schön durchfroren. Nur zwanzig widerstandsfähigsten Teilnehmer machten sich auf den Weg um den Grenzlandturm zu sehen. Ich mußte auch hin, denn ich war schon vier Tage nicht in meiner Heimat und weil der Weg direkt neben der Grenze verlauft, bat sich für mich die Möglichkeit an, wenigstens für eine Weile meinen Fuß ins Egerland zu legen. Wir kamen also ganz blau von Kälte beim Turm an. Schnell noch ein "teueres" Bild mit dem Grenzschild zu machen und Hurra ins Gasthaus. Der "Pflichttritt" über die Grenzlinie schaffte ich auch noch. Der Bus kam uns schon entgegen und so sind wir vor der Erfrierung doch gerettet worden. Meine Füße samt Beinen waren eiskalt, denn ich war in Tracht und der kalte Wind pfiff ganz schön durch die "Löcher" in meinen "Batzerlstrümpfen". Heißer Grog und zwei Schnäpse retteten meine Gesundheit. Einen "Böhmischen Wind" habe ich durch den "Verkauf" vom Bild an der Grenze an den "Bundeslichtbildner" Erich Wetzka gewinnen können.
Der Höhepunkt: die "Hutzastu(b)m"
Der Höhepunkt dieser Tagung war die "Hutzastu(b)m". Sehr viele Anwesende wirkten auch ohne Vorbereitung mit und so wurde dieses einmalige Kulturereignis zum richtigen Erlebnis und zum Höhepunkt: Gesang, Gedichte oder Sketche in egerländer Mundart und in Deutsch bereiteten den Zuschauern viel Freunde. Das Programm mußte nach zwei und halb Stunden für beendet erklärt werden, ansonsten würden wir scheinbar noch heute dort sitzen. Ein schönes Gefühl, wenn man sieht, daß die Egerländer noch da sind! Selbstverständlich wurde im "Bayerischen Hof" weiter gemacht, nicht nur deswegen, weil alle eine Stunde länger schlafen konnten!
Podiumsdiskussion über EU - Beitritt der CR
Der Sonntag beinhaltete zwei Programmpunkte: Vortrag über die Archivarbeit und eine Podiumsdiskussion über den Beitritt der Tschechischen Republik zur EU. Außer mir, der die dt. Minderheit vertrat, waren Dr. Gratzl, ein Jurist aus Weiden und Richard Richter aus Bernartitz bei Haid dabei. Es moderierte Dr. Wolf - Dieter Hamperl. Für die meisten Zuhörer war sicher am interessantesten die Aussagen vom Richard Richter, der als "zurückgekommener" Sudetendeutscher wieder in seinem Heimatdorf wohnt. Er selber kann auf spannende Art so erzählen, so daß die versammelten nur so schauten. Um etwa halb eins erklärte der "Bundervüarstäiha" Günther Müller die Tagung als beendet und alle machten sich nach dem Mittagessen wieder auf die Heimreise.
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| Bilder: Moala Richard, Erich Wetzka |







