"Eiskalte russische Realitdt"

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Geschrieben von Richard Sulko

Eiskalte russische Realität
( Musik kennt keine Grenzen 2003)
Moala Richard


Tropische Hitze auf dem Chodauer Marktplatz…

Zum zwölften mal lud der "Bund der Deutschen - Landschaft Egerland" zu seiner größten kulturellen Maßnahme ein, dem Konzert "Musik kennt keine Grenzen". Weil im Jahre 2002 dieses Konzert im Kulturzentrum der Stadt Chodau ein großer Erfolg war, nahmen wir gerne das Angebot der Stadt Chodau an, es wieder dort zu veranstalten. Weil wir neben dem Kulturministerium der Tschechischen Republik auch von dieser Stadt finanzielle Mittel zur Verfügung bekamen, war die Entscheidung schnell getroffen. Einen großen Dank möchte ich gleich vorhinein der Frau Sarkanyová ausprechen, die die Leiterin der Abteilung fürs Schulwesen, Jugendarbeit, Kultur und Sport der Stadt Chodau ist. Ein Dank geht auch an den Direktor des Kulturzentrums, Herrn Mario Hanácek, der die Verantwortung über das ganze "Laurentius -Fest" hatte, dessen Teil unser Konzert war. Es war nur eine Sache, was mich ein wenig unglücklich machte. Wir wollten unser Konzert um vierzehn Uhr anfangen, aber als ich zwei Wochen vor dieser Maßnahme die Plakate abholte, stellte ich mit dem Schrecken fest, daß wir schon um zehn Uhr anfangen sollen! Gott sei Dank waren alle die schon für 14. 00 Uhr bestellten Gruppen flexibel und deswegen war unser Programm gerettet! Ich glaube, daß es nur Mißverständnis war, aber wir alle merkten, daß es scheinbar doch besser war, Vormittag anzufangen. Das Wetter war nämlich für die Zuschauer einfach tödlich! Wer war also dabei, als Mitwirkender? Die führende Kapelle war die Blaskapelle "Horalka" aus Graslitz, unter der Leitung vom Josef Novotný. Aus Marktredwitz in Deutschland kam die "Egerland - Jugend", unter der Leitung von der Hilde Zrenner. Als einen besonderen Gast konnten wir die Kindervolkstanzgruppe "Stázka" aus der Stadt Tepl begrüßen, unter der Leitung von der Frau Vlasta Kubousková. Was wäre diese Maßnahme der "verbliebenen" Egerländer ohne der Volkstanzgruppe "Die Malas", aus Netschetin, unter meiner Leitung. Das ganze Programm wurde zwar von mir vorbereitet, geleitet wurde es aber sehr gut zweisprachig von den Frauen Andrea Ferklová und Romana Poláková.
Bei meiner Begrüßung nach dem ersten Musikstück konnte ich auch ganz besondere Ehrengäste begrüßen: den Bundesvüarstäiha ( Bundesvorsitzenden) des "Bundes der Eghalanda Gmoin" Herrn Günther Müller mit Frau aus Iserlohn und seinen Stellvertreter Helmut Kindl aus Ingolstadt. Zum erstenmal folgte unsere Einladung der Stellv. Bundesvorsitzende der "Ackermann - Gemeinde", Herr Adolf Ullmann mit Gattin aus Würzburg.
Es waren ebenso viele unsere Mitglieder anwesend und nicht nur direkt aus Chodau. Aus Eger kam die Geschäftsführerin des BGZ´s Frau Krista Hruba mit ihrem vierbeinigen Freund "Schorschi" und mein Stellv. Jürgen Rak, der auch der Vorsitzende in der dortigen Ortsgruppe ist.
Nun konnte das Programm beginnen. Nach fünf Musikstücken der "Horalka" waren wir dran. Es war etwa halb elf, aber er waren schon etwa dreißig Grad auf der Sonne, vor der wir uns nicht verstecken konnten, sowie die Zuschauer, die auf den Bänken vor dem Podium saßen. Die meisten suchten ein wenig Schatten, der nur unter den wenigen Bäumen zu finden war. Wir schwitzten ganz ordentlich in unseren egerländer Trachten und dazu war die "Tanzfläche", nämlich Pflastersteine auch noch gefährlich. Als wir unsere vier Tänze hinter uns hatten, waren wir alle froh und ein eiskaltes "Limo" oder Bier rettete uns vor dem Zusammenbruch.
Nach uns kamen die "Rawetzer", wie die Marktredwitzer genannt werden. Sie tanzten und sangen, begleitet auf dem egerländer Dudelsack. Nach dieser Vorstellung wurde eine fünfundzwanzig Minuten lange Pause gemacht und dann ging es gleich weiter.


Wer hat nicht Abscheu vor den Sudetendeutschen?

Den zweiten Teil übernahm unsere altbekannte Gruppe Stázka. Ihr Programm dauerte etwa zwanzig Minuten und dann kam die Horalka wieder. Ich machte an dem Tag eine ganz besondere Erfahrung. Es ist bei einer Polka passiert: Ich wurde auf einmal aufmerksam: wer tanzt da mit meiner Frau? Es mußte ein Roma kommen, um mit meiner Frau in ihrer egerländer Tracht aus Luditz zu tanzen. Es war ein sehr gutes Gefühl: wenigstens jemand scheut sich nicht sich mit einem "Sudetak" zu zeigen. Scheinbar ist die Gesellschaft in unserer Heimat doch ein wenig besser geworden, oder? Um halb zwei war das Programm aus. Ich bedankte mich bei den Mitwirkenden und wünschte dem Laurentius - Fest noch einen guten Verlauf. Wie froh waren wir, als wir uns umgezogen haben! Total naß waren unsere Hemden, und hungrig waren wir auch schon. Weil sich unsere ganze Gruppe sehr fleißig für diesen Aufritt vorbereitete und der Erfolg blieb auch nicht aus, lud ich die Kinder zum Mittagessen ein. In Chodau selber ist keine Möglichkeit und deswegen hatte ich eine tolle Idee: wie fahren in den St. Leonhard hinter Karlsbad: dort kann man sich im Schatten schön erholen und auch etwas gutes essen.


Eiskalte russische Realität….

Im St. Leonhard waren nicht viele Gäste. Wir mußten trotzdem über eine Stunde aufs Essen warten. Das Bier war aber kalt, sowie der Raum, wo wir saßen. Es wurde schon spät und ich wollte, daß die Kinder auch noch etwas erleben. Da hatte ich eine Idee: etwa fünf hundert Meter vom St. Leonhard ist der Aussichtsturm Aberg. "Wißt ihr was Kinder, wir fahren hinauf!" war mein Vorschlag. Bei den Kinder fand ich ein totale Begeisterung. Zu was für einem Erlebnis meine Idee aber führen wird, das konnten wir nicht ahnen…………
Ich zahlte und befiehl zur Abfahrt. Oben angekommen ( es war etwa sechs Uhr abend), parkten wir unsere PKW auf dem unteren Parkplatz. Voller Freunde und angeheizt von der glühenden Sonne machten wir uns auf den Weg zu dem Turm, der sehr hoch wirkte. Ich schnauzte etwa zwanzig Meter und da passierte es: ein eiskalter Schweiß lief mir den Rücken herunter: vor mir stand eine neu gebaute russische Kirche!
Die schlimmsten Erinnerungen wurden wach und es wurde noch schlimmer! In der Kirche merkte man, daß sie auch wirklich lebt! Mein kleinster Sohn stieg gleich in das kleine Kirchlein hinein und schaute sich herum. Ich hatte in dem Augenblick nur zwei Gedanken im Kopf: auf uns gezielte "Kalaschnikows", weil wir die Ruhe der Mafia stören und die Art, wie man neben einem deutschen historischen Bau in unserem? schönen Karlsbad für so etwas eine Baugenehmigung bekommen kann. Es war aber noch nicht das Letzte, was uns an dem Abend begegnen sollte! Ich raffte mich zusammen und gab den Befehl: "Liebe Kinder! Wenn wir schon hier sind, gehen wir auch hinauf!" Die zweite kalte Dusche erwartete mich in der Rezeption: "Pro Kopf hundert Kronen!", sprach mich die Frau mit starkem russischen Akzent an. "Oder sie trinken was in unserer Bar". Ich "checkte" schnell die Uhr, ob wir schon nicht in die Zeit hineinkamen, wo die "Neureichen" hierher kommen. Es war aber für die scheinbar doch zu früh und deswegen sitzen wir uns nieder. Die Bedienung war auch eine Russin, aber sehr nett. Die letzte kalte Dusche an diesem heißen Tag waren die Preise. Aber was will man? Wir tranken die kleinsten Mengen Limo oder Bier und konnten endlich hinauf!
Als wir ganz unter dem Dach ankamen, waren die Plage und die Nerven vergessen: Wir waren in einem wunderschönen Doppelzimmer, mit Toilette und Dusche, sogar der Fernseher fehlte nicht! Hier möchte ich eine Nacht mit meiner lieben Frau verbringen, kam mir auf den Sinn, als ich mich herum sah und mein liebes Egerland unter mir sah. Dreitausend Kronen würde ich einmal in zwanzig Jahren für so ein Erlebnis ausgeben, aber das russische Milieu?
Meine richtige Ruhe fand ich wieder in Netschetin, im Gasthaus "am Rathaus" wo wir ziemlich spät ankamen: "Ach bin ich froh, daß ich gesund in meinem Heimatdorf wieder angekommen bin!"

Begrüßung

trotz der Hitze kamen genug Zuschauer

"Die Moalas"

EJ aus Marktrewitz

Kindervolkstanzgruppe Stázka Blaskapelle Horalka

Chodauer Roma und "Egerländer first Lady aus dem Egerland" beim Tanz!

Aberg

 

 

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