Da "Vadraahta"
Da "Vadraahta" und die tschechische "Bierkultur"
( Volkstanzseminar mit der Egerland - Jugend)
Mala Richard
Das Leben eines Geschäftsmannes ist überall auf der Erde anstrengend und ein großes Theater, wie z. B. der Ärger mit den Mitarbeitern, die "kapitalistisch" verdienen und "sozialistisch" arbeiten wollen kommt ja in den Postkommunistischen Ländern noch dazu. Dazu kommt noch die schlechte Lage der Firmen, nämlich unserer Kunden, die ausschließlich nach Deutschland orientiert sind und heute keine Aufträge mehr bekommen können. Aufgrunde der Tatsache, daß mein Heimatland zu den Ländern gehört, die am schlimmsten mit der Korruption belastet sind und man will selber das Spiel nicht mitmachen, ist das alltägliche Geschäftsleben eben hart. Manchmal dreht sich in meinem Kopf die ganze Welt. Da ist einer doch sehr froh, daß er sich an einem Wochenende mit guten Freunden aus der "Egerland - Jugend" treffen kann und dabei etwas ganz anderes machen darf. Heuer war das das Wochenende vom 11. Zum 13. Juli, als ich in Netschetin unsere alten Freunde begrüßen konnte: Martin Wetzka, der einen Tag vor seiner Abreise nach Tenerifa nach Netschetin kam um uns beim lernen auf der Ziehharmonika zu begleiten und die Geschwister Trübswetter: Stefan und die Silke, unsere "Hexe aus dem Wawataich", die sich in den zwei Jahren, als sie bei uns war, aus der Hexe in ein noch schöneres "Egerländer Model" verwandelt hat. Eine Überraschung bereitete uns der Vater vom Martin, Erich Wetzka vor. Er, der "Bundeslichtbildner" kam, um von mir die "besungene" Heimat kennenzulernen. Heuer waren die Ingolstädter am Freitag pünktlich um acht Uhr da. Wir aßen unser bestelltes Abendessen und besprachen das ganze Programm dieses Seminares, daß vom tsch. Kulturministerium finanziell unterstützt wurde. Der Mond schien auch so schön dazu und so konnten wir nicht einfach ins Bett gehen. Die Pflege unseres egerländer Liedergutes gehört zu den wichtigsten Aufgaben unserer Vereine und deswegen blieben wir in der Pension "U kapru" ein wenig länger sitzen. Um die Getränke wurde gesorgt: "PET- Flaschen", vollgefüllt mit dem Pilsner Bier sorgten um die richtige Stimmung. Diese Erfindung können sich mit Stolz die tschechischen Biertrinker zuschreiben: Wiederverwendung der Flaschen, wo z. B. Mineralwasser drin war ist nicht nur umweltfreundlich, nein, man muß nicht der schweren Bierkrug mitschleppen und kaputt gehen kann die Flasche auch nicht so einfach. Und so hörte man an diesem Abend die schönsten egerländer Volkslieder, wie "Heint scheint da Mond sua schäi(n", oder "Ötza spann i mein Rösla word Kutschn": Die Kehlen wurde mit dem "Gambrinus" schön eingeschmiert und der Mond schaute "üwarm Barch af uns oini" und freute sich.
Samstag morgen: der Saal im Gasthaus "Am Rathaus" gehörte dann uns: "Die Malas" waren in ihrer vollen Besetzung gekommen. Wir machten zwei Tänze aus, die wir lernen möchten: "Ich woiß woos", einen Kindertanz und "Dan Vadraahtan". Wir dachten, daß es zu wenig wäre, aber schon nach der ersten Vorführung wurde es klar: es wird wieder ein hartes Wochenende. Den Kindertanz haben die Kinder gut hingekriegt, aber den anderen Tanz!
Um vier Uhr waren wir alle "aus dem Gefecht". Am schlimmsten war ich drauf: nach vier Übungen die acht Drehungen über der Kopf zu machen wurde mir schwindlig wie einem alten Opa und ich mußte eine Pause einsetzen. Man wird eben nicht jünger und man sieht, daß man sich nach den Nachfolgern langsam umsehen soll. Eine kurze Pause und ein starker Kaffee halfen mir wieder "ins Rennen zu kommen".
Die Tanzseminare sind nicht nur die "Plage" mit den Tänzen, nein, sie sollen auch dem "kennenlernen" unseres Landes gehören. Deswegen bestellte ich im Manetiner Schloß eine Führung, bei der unsere Gäste auch dieses schön renovierte Schloß sehen konnten. Nach der Führung fuhren wir nach Rabenstein an der Schnella, was das kleinste Städtchen Europas ist.
Nach dem Abendessen trafen wir uns wieder am Saal. Wir haben unseren Gästen alle die Volkstänze gezeigt, die wir schon konnten und dazu noch einige Lieder gesungen. Die waren aber auch aus einem anderen "Topf": Queen, Beatels und viele andere Lieder zeigten, daß die Egerländer ein "aufgeschlossenes Völkchen sind", was schon der J. W. v. Goethe sagte. Und sie gehen auch mit der Zeit. Um die Mitternacht herum sind wir alle endlich im Bett verschwunden, damit wir am Sonntag noch fleißig arbeiten konnten. Und das haben wir auch getan. Als wir uns am Sonntag nach dem Mittagessen verabschiedeten, hatten wir alle ein gutes Gefühl: wir können wieder zwei Tänze, wir haben wieder einen Beitrag zum Erhalt unseres Kulturgutes getan und die Gemeinschaft aller Egerländer wieder gestärkt!
Lanskron, Juli 2003
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