700 hundert Kilometer und ohne hl. Kommunion

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Geschrieben von Richard Sulko

700 Kilometer und ohne hl. Kommunion geblieben
( Wallfahrt Maria Stock 6. Juli 2003)
Mala Richard


Es ist Mittwoch, der 9. Juli des Jahres 2003. Ich sitze in Austerlitz bei Brünn in einer Pension auf der Außenterrasse und tue meine Arbeitspflichten. Es ist schon ziemlich dunkel geworden. Von meinem letzen Termin in Troppau bin ich ziemlich spät weggekommen und bin heute deswegen spät dran. Die Arbeit ist endlich getan worden und mein zweites "Ich" fängt an zu schaffen. Es ist schon der dritte Tag nach der alljährlichen Wallfahrt nach Maria Stock, aber in mir "hängen" immer noch sehr stark viele Ereignisse aus diesem Sonntag. Ich möchte sie gleich auf der Festplatte meiner Notebooks festhalten, aber kann wegen der Dunkelheit auf der Tastatur keine Buchstaben mehr entziffern. "Herr Ober", wand ich mich auf die Bedienung: "könnten sie bitte das Licht auf meinem Tisch anmachen?" "Selbstverständlich, lieber Herr" war seine Antwort. Es dauerte nicht lange, und es wurde wirklich Licht. Von den sieben Leuchtern gingen sechs an. Nur ein Licht blieb aus: gerade das an meinem Tisch. Die Gastfreundschaft dieser Stadt, in der der Kaiser Napolenon Bonaparte weilte, zeigte sich als vorbildlich: es dauerte wiederum nicht lange und der Herr Ober brachte eine neue Glühbirne. Er entschuldigte sich, daß es nur eine vierzig - Watt starke Glühbirne auftreiben konnte, aber ich war zufrieden: ich kann wieder die Buchstaben auf meiner schwarzen Tastatur erkennen!
Nun konnte ich endlich anfangen zu schreiben. Schon beim suchen des Titels für den Artikel mußte ich lange nachdenken. Soll ich es so schreiben, wie sich es fülle, oder soll ich eine "sanftere" Art wählen? Mit der Hinsicht, daß man sowieso als "Provokateur" oder "ewig gestrige" bei manchen eingestuft ist, kann ich mir leisten so zu schreiben, wie es mein Gewissen erlaubt. Ich denke, daß jeder in diesem Land einen "Feedback" braucht, damit er sich doch Richtung Europa bewegt, denn in einem Jahr sind wir schon dabei und ich meine, daß man noch sehr viel braucht, um "Europareif" zu sein. Mein Beispiel aus dieser Wallfahrt hat zwar mit der "EU - Reife" weniger was zu tun, kann aber als ein Beispiel dienen, wie groß die Unterschiede zwischen den Deutschen und den Tschechen sind. Die einen lebten Jahrzehnte in Demokratie und wissen, daß jeder für seine Taten allein verantwortlich ist. Die anderen lernen erst dreizehn Jahre, was Selbstverantwortung ist. Die Wallfahrt nach Maria Stock wurde in der Demokratie zu einem Prüfstein des starken Willens geworden. Nach vielen turbulenten Jahren hat sich alles doch ein wenig "eingependelt". Der Pfarrer Rezác von Luditz kümmert sich, so weit er kann um die geistliche Fürsorge und wir, das "Volk" helfen ihm, soweit wir es hinbekommen. Überraschungen jeder Art bleiben wir aber nicht verschont. Schon bei der ersten heurigen Wallfahrt am ersten Mai wurde ich "ins Wasser geschmissen" und mußte ohne jeder Vorbereitung und ohne Unterlagen die Prozession führen. An diesem Juli- Sonntag dachte ich, daß der P. Frühmorgen aus Würzburg kommt, der immer Prozession anführt, aber ich erfuhr, daß sein Kommen diesmal nicht möglich ist. Ich wollte mit dem stellv. Bundesvorsitzenden der "Ackermann - Gemeinde", Adolf Ulmann gemeinsam die Prozession durchführen aber zum Schluß blieb es sowieso wieder bei mir. Wie ich sehe, bei der nächsten Wallfahrt muß ich mich wie ein Pfarrer vorbereiten, ich als Geschäftsmann! Nun genug mit dem "herum reden": als "Hauptzelebrant" kam P. Cyprian O.P. aus Pilsen. Dank der modernen Technik konnte ich seine Predigt ins Deutsche übersetzen, die per e- Mail ankam. Ich bin fest überzeugt, daß mir für die Übersetzung sehr viele Sünden vergeben worden sind, denn die Übersetzung einer Predigt ist immer eine sehr anstrengende Angelegenheit. Wenn man noch dazu nur zwei Stunden am frühen Samstag - Morgen zur Verfügung hat, wird das unser Herrgott sicher anerkennen oder?
Die Prozession war heuer doch ein wenig anders: aus einem Fest aus Luck kam heuer eine Blaskapelle dazu. Und so konnten wir wechselnd die Mutter Gottes ehren: einmal durch Blasmusik und einmal mit unserem Gesang. Die heilige Messe wurde in Lateinisch gehalten und wurde zum Erlebnis für sehr viele Pilgere, die nach Maria Stock kamen. Für einige andere wurde die Wallfahrt wiederum zu einem nicht gerade schönem Erlebnis: bei der Austeilung der hl. Kommunion "prüfte" P. Rezac die Kommenden, ob sie überhaupt zu der hl. Kommunion gehen können: dabei zeigte sich ganz stark, wie unterschiedlich unsere Welten sind: in Deutschland kommt es eben nicht oft vor, daß Leute zum Abendmale kommen, die eigentlich nicht hingehen sollen, in unserer Heimat aber ist es bei solchen Gelegenheiten sehr oft der Fall. Deswegen "prüft" P. Rezac bei der Austeilung der hl. Kommunion, ob die Kommenden überhaupt das Leib Christi empfangen können. Wer nicht rechtzeitig sein "Amen" sagt, wird vom Abendmale ausgeschlossen. Es waren peinlichen Augenblicke, die bei manchen zu starker Enttäuschung führte. In meiner Seele ist heute noch sehr stark die Äußerung einer alten Frau geblieben, die sieben Hundert Kilometer fuhr um bei der Wallfahrt dabei zu sein, aber bekam aus oben genannten Gründen die hl. Kommunion nicht. Ich denke, daß unsere Muttergottes ihr Opfer doch annahm und daß sie bei ihrem Sohn sicher für unsere beiden Völker betet, damit die riesigen Unterschiede bald verschwinden werden!

Prozession diesmal mit Musik

Litaneien vor dem Gnadenbild

P. Cyprian predigte aus der Kanzel

Die Kirche war so voll schon lange nicht mehr

 

 

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