Seine Kaiserliche Hoheit und ein Ehering fürs tschechische Volk

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Geschrieben von Richard Sulko

Seine Kaiserliche Hoheit und ein Ehering fürs tschechische Volk
( Sudetendeutscher Tag 2003)
Mala Richard


Wir badeten im Schweiß…
Es sind etwa drei Wochen vergangen, als unsere kleine Gruppe der verbliebenen Egerländer beim Sudetendeutschen Tag in Augsburg weilte. Jedes Jahr bekommen wir die Möglichkeit dabei zu sein und können deswegen auch unsere Verbandsaktivitäten präsentieren. Das Pfingstreffen der Deutschen aus Böhmen, Mähren uns Schlesien ist immer ein Wochenende voller Begegnungen und Erlebnisse. Jedes Jahr ist es aber auch ein Wochenende, was sehr anstrengend und durch sehr viel Streß gekennzeichnet ist. Heuer nahm ich mir vor, das Pfingstfest doch ein wenig anders zu erleben. Die wichtigste Voraussetzung ist genug Zeit zu haben. Zwei Tage Urlaub lösten das Rätsel mit der Zeit, weil ich mit meiner Frau am Freitag rechtzeitig wegen dem Standbau von Pilsen abfahren mußte und weil am Montag bei uns kein Feiertag ist. Schon der Freitag zeigte, daß wir ein heißes Wochenende erleben werden. Als wir in der Halle 7 am Vorabend mit dem Standbau fertig waren, badeten wir schon im eigenen Schweiß. Wie das ganze Wochenende später zeigte, nicht zum letzten mal. Wir fuhren nach Dasing, wo wir in einem schönen Hotel untergebracht waren. Die ersten Schritte gingen ins Bad, wo wir eine kalte Dusche nahmen. Schön erfrischt suchten wir nach einem Wirtshaus, wo vor allem mein ausgetrocknete "Pilsner Körper" seinen kalten "Pilsener" bekäme. Wir waren in der Hotelnähe findig, wo wir auch noch die Deutschen aus Pilsen begegneten.
Es war ein gute Erholung nach den Strapazen an diesem Tag.

Gemeinsam mit meinem Kaiser…
Pfingstsamstag: fesch in Egerländer Tracht, die aus dickem Stoff aus Baumwolle gefertigt ist, absolvierte ich noch mit anderen Deutschen aus unserer Heimat eine lange Suche nach den Abzeichen. Als wir in die Halle 7 zurückkamen, waren wir alle schon am frühen Morgen wieder "Duschreif". Um zehn Uhr jedoch wurde die Plage mit der Hitze durch ein unvergeßliches Erlebnis ersetzt: beim Empfang des Sprechers der Sudetendeutschen, Johann Böhm, MdL war auch seine Kaiserliche Hoheit, Otto von Habsburg anwesend. Eigentlich ist er auch heute noch mein Kaiser, wenn man es moralisch nimmt. Als ich ihm um ein gemeinsames Bild bat, war es für mich wirklich ein starkes Erlebnis. Und so entstand eins von meinen wichtigsten Bildern.
Der zweite Höhepunkt an diesem Samstag war der Auftritt unserer kleinen Volkstanzgruppe beim "Böhmischen Dorffest". Es war unser erster Auftritt am Sudetendeutschen Tag und er war erfolgreich. Als wir das Podium verlassen haben, haben wir alle wieder in unserem eigenen Schweiß gebadet. Eine wichtige Begebenheit erlebte ich aber auch noch: ein Interview mit einem deutschen Rundfunksender, der sich über die Beitritt Tschechiens und die dortige dt. Minderheit interessierte. Mit den letzten Kräften bewegten wir uns abend schleppend in die Schwabenhalle, zum großen Kulturabend. Nach dem Auftritt der Tanzgruppe aus Mährisch Trübau, die mit uns die einzigen sind, die in der Tschechischen Republik Volkstanz ausüben, mußte ich zum Abmarsch befehlen. Die kleinen Kinder waren todmüde und man wollte sie ja nicht auf dem Gewissen haben. Die Hoteldusche und ein "Burgerkind" mit kühlen Coca - Cola war für die kleinsten unter uns ein kleiner Lohn für die Anstrengung. Die Kinder haben zum erstenmal so viel Leute gesehen und wenn man noch bedenkt, daß sie nicht Deutsch können…. "Hut ab" vor den kleinen Egerländern!

Fürs tschechische Volk…
Pfingstsonntag: Römisch- Katholischer Gottesdienst mit P. Norbert Schlegel, OPraem., dem "Visitator für die Sudetendeutschen". Ich erlebte meinen Freund P. Norbert eine Woche zuvor im Stift Tepl, wo er mit uns, die den alten Klosterfriedhof mit der "Egerland - Jugend" pflegten, einen Gottesdienst in der Stiftskirche feierte. Abend saß er mit uns im Campingplatz und freute sich mit uns. Er freute sich so, wie nur er kann. Freudig und lustig, wie unter den jungen Menschen so ist. Am nächsten Morgen war er wieder voll im Einsatz, als er mit seinen Ordensbrüdern die hl. Messe feierte. Ich machte damals wunderschöne Bilder: P. Norbert, mitten in der jahrhundertealten Kirche, in der der Geist des seligen Hroznata weilt. Etwa vierzig Gläubigen waren beim Gottesdienst versammelt.
Welches Bild konnte ich an diesem Pfingstsonntag machen? Zehntausende von Menschen, Fahnen und Persönlichkeiten, Lärm und der Gesang: Tausende Munde singen die "Schubert - Messe". Ein Erlebnis, was man nur an diesem Tag erfahren kann. Die Tränen drängen in die Augen und man muß sich ganz stark beherrschen, damit man nicht weinen anfängt.
Aber das richtige weinen kam trotzdem. Es ist bei der Predigt passiert: P. Norbert erzählte die Geschichte über den "Speckpater", der für die deutschen Flüchtlinge in einem gegenüber Deutsche feindlich eingestellten Land Speck sammelte. Er rettete sicher mehreren Menschen das Leben und mußte mit viel Mißverständnisse kämpfen, sogar mit Haß.
Nach Jahren bekam er einen Brief. Als er ihm öffnete, viel ein Ehering heraus. Dieser Brief war von einer vertriebenen Sudetendeutschen Frau, die als Flüchtling zu denen gehörte, die der "Speckpater" rettete. Sie schrieb im in ihrem Brief: "Lieber Pater, Sie haben uns, trotz des Hasses und der schwierigsten Lage geholfen. Ich habe nichts, nur diesen Ring. Bitte nehmen Sie ihn an und helfen Sie auch dem tschechischen Volk!"

Ich kann mich nach der langen Zeit und Aufgrunde der Aufregung nicht mehr an den konkreten Wortlaut erinnern, aber der Sinn von dieser Predigt bleibt sicher sehr lange in meinem Kopf hängen. Es sind Predigten, die man nach dem verlassen der Kirche schon vergessen hat, aber diese wird als eine "Schicksalpredigt" für mich immer in meiner Erinnerung bleiben.

Mein Kaiser

Bernd Posselt

Die "Moalas" beim Auftritt

Unser Stand mit Manschaft

P. Norbert Schlegel OPraem. bei der Predig

Die Egerländer aus dem Egerland

 

 

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