Maiandachten und Muttertag
Samstag wie aus einem Bilderbuch
( ein Maisamstag im Egerland)
Mala Richard
Es gibt im normalen Leben eines Menschen ganz wenig Tage, die mit Stolz in Erinnerung bleiben. Zu diesen Tagen wird bei mir mit Sicherheit der 10. Mai des Jahres 2003 gehören! Im östlichen Egerland war nämlich an diesem Tag sehr viel los! Die Ortsgruppe Netschetin – Preitenstein im “Bund der Deutschen – Landschaft Egerland” organisierte einen ganz besonderen Tag. Wie sich bei den richtigen Egerländern gehört, war er voll im Zeichen des christlichen Glaubens und des Egerländer Kulturgutes. Was war den los?Den Anfang machten die Maiandachten, mit denen wir die Muttergottes ehrten und für unsere Nächsten um die Fürsprachen baten. Weil unserer Herr Pfarrer Liska nicht kommen konnte, sprang ich ein. Die heurigen Andachten waren schon etwas besonderes: Anstatt des Pfarrers war der “egerländer Häuptling” “zur Stelle” und als Hilfe kam aus Neudek im Erzgebirge seine Stellvertreterin, Mouhm Bertl Ruzicka. Und sie war es auch, die mit den Lesungen und zuletzt auch mit den Litaneien half. Die erste Andacht hielten wir am Dt. Neustadl, wo etwa zwölf Leute kamen. Die Kapelle ist zwar so wie die meisten in unserer Heimat ausgeraubt, aber einen besonderen Reiz hat sie schon: außer den Treuersten, die meistens zu den Deutschen gehören und immer dabei sind, ist es die Wasserquelle, die hinter der Kapelle entspringt. Sogar mein kleiner Sohn weißt schon, daß man sich dort sehr gut erfrischen kann. Der nächste Weg ging nach Plachtin, wo etwa fünfzehn Leute kamen! Es ist sehr interessant, wie einem Anbeter die Mutter Maria behilflich sein kann. Am Plachtin kann man bei der Kapelle die Meßbücher nicht ablegen. Deswegen schickte Mutter Gottes eine “Automobilist”, der seinen Wagen nur ein und halb Meter neben der Kapelle hinstellte. Das war das teuerste Pult, auf dem wir die Meßbücher hinlegten! Nach der Maiandacht in meinem Heimatdorf erholten wir uns ein wenig bei “Moalas”. Die letzte Station wurde in der Netschetiner st. Jakob – Kirche gemacht. Die Bertl sang die Lauretanische Litaneien und zum Schluß sangen wir “Leise sinkt der Abend nieder”, so, wie es unsere Vorfahren machten. Auch eine Strophe aus der “Schubert – Messe” konnten wir hören und mitsingen. Ein schöner Abschluß des christlichen Teiles!Es sollte aber noch interessanter werden! Um sieben Uhr fing unser Muttertag an. Sehr viele Mitglieder kamen in den Egerländer Trachten und erwarteten ein interessantes Programm. Pünktlich um sieben Uhr fing die Bertl mit dem Eröffnungslied. Nach einem Gedicht von der Margaretha Pschorn über die Mutter ging ich zu der Tür in unserem Wirtshaus “am Rathaus”. Mit den ersten Tönen der “Egerländer Polka” machte ich die Tür auf und unsere Volkstanzgruppe “Die Malas” marschierte ein. Es war für die versammelten tschechischen Gäste im Wirtshaus sicher ein starkes Gefühl, was auch die aufgerissenen Augen zeigten: Die Egerländer sind wieder da!Unsere Tanzgruppe zeigte fünf Volkstänze. Danach wurde auch etwas über die Egerländer Trachten erzählt und noch die “Sternpolka” als “Zugabe” getanzt. Die Gruppe der jungen Egerländer bekam einen großen Beifall und verabschiedete sich. Wir machten dann weiter. Nach einigen Liedern und Gedichten, die zum Muttertag paßten, kamen die “Evergreens”: “Heint scheint da Mound sua schäi(n”, “Öitza spann i mein Rösla vor ´d Kutschn” und viele mehr.
Es war die Krönung des Abends und ein wunderschöner Abschluß dieses herrlichen Tages!
Mosnov, Hotel Boucek, etwa 50 Kilometer östlich von Prag, 14. Mai 2003
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