Florianfest in Weseritz
Florianfest in Weseritz
Mala Richard
Vor etwa einem halben Jahr rief mich Herr Cerny aus Weseritz ( Bezdruzice) an, ob wir nicht mit unserer Tanzgruppe bei diesjährigem Florianfest am dritten Mai auftreten könnten. Zwei Wochen vor der Aktion rief ich die Gemeinde an und klärte die Details ab. Ich freute mich, daß ich wenigstens in der Nähe von meinem Heimatort Netschetin ( Nectiny) mit unserer Tanzgruppe auftreten kann, denn Weseritz liegt etwa nur neunzehn Kilometer entfernt. Auftritte mitten im Sudetenland, vor allem in ländlichen Gebieten, haben einen besonderen “Reiz”. Man fährt hin, will mit einer ausgestreckten Hand die Freundschaft und das kennenlernen einer faßt vernichteten Kultur anbieten, aber die komischen Gefühle rund um den Magen wird man einfach nicht los. Man kann diese sehr komplizierte Zustände nicht erklären. Das kann nur der verstehen, der schon erlebte, wie man die Existenz eines unschuldigen Menschen nur deswegen vernichten kann, weil er anders denkt und seine Meinung auch offen sagt, oder präsentiert.
Wir fuhren mit einer starken Zusammensetzung hin. Es waren drei PKW´s, voll besetzt. Als wir am Marktplatz ankamen, sind wir faßt erfroren: ein kalter Wind pfiff zwischen den Häusern auf dem Marktplatz so heftig, daß die “Moidla” in ihren Trachten ganz schön leiden mußten. Schnell in die Kirche, wo wir wenigstens ein wenig Menschenwärme erwarteten. Die hl. Messe zelebrierte der Pilsner Bischof Frantisek Radkovský. Die kleine Kirche war voll. Nach der Kirche sollten wir auf dem Marktplatz unseren Auftritt haben. Als wir mit unserer Kiste mit unserer Ausstattung zum “Tatort” kamen, war kein Mensch da; nur leere Bänke. Gott sei Dank kam die Frau Langmaierová von der Gemeinde Weseritz auf uns zu und sagte, daß das Programm in das Kulturhaus verlegt wurde. Als wir mit unserem “Team” in den Weseritzer “Kulturtempel” kamen, waren wir doch angenehm überrascht. Trotz der Mittagszeit und trotz der Tatsache, daß die früheren deutschen Bewohner vom Bürgermeister nach der hl. Messe zum Mittagessen eingeladen wurden (eine tapfere Tat), war des Saal gut besetzt.
Nach anfänglichen Problemen mit unserer neuen Anlage konnten wir den tschechischen und deutschen Zuschauern nicht nur sechs egerländer Volkstänze präsentieren, sondern auch etwas über die Trachten sagen. Wir hatten Erfolg und konnten dann mit Gelassenheit den gespendeten Gulasch und Bier genießen.
Den Kindern zahlten wir dann eine Fahrt auf dem großen Karussell, den die haben sich das am meisten verdient. Weil es trotz der inzwischen kommenden Sonne immer noch zu kalt war, haben wir uns auf den Weg nach Hause gemacht. Dort, in unserer Netschetiner “Stammkneipe” bekamen alle noch einen Eisbecher und damit war der Programm am Samstag für uns vorbei. Ein schöne Begegnung schenkte uns “unna Eghalanda Herrgott” doch noch. Als wir uns mit unseren Trachten zum Tisch hinsetzen, hörten wir vom Nebentisch Deutsche Stimmen. Wir kamen ins Gespräch und stellten fest, daß wir die Herrschaft sehr gut kennen. Die Kieswetters haben nämlich Ihre Heimat besucht und es war die Katty und der Walter, die mit dem Siroky Franz lange arbeiteten. Eine freundliche Begegnung und eine Krönung dieses schönen Tages!
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