Herbstgedanken

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Geschrieben von Richard Sulko

Herbstgedanken
Feuilleton
Mala Richard

Herbststimmung beim Stift Tepl Der Herbst war heuer ganz schnell da. Ich war in meinen Gedanken noch bei der sommerlichen Hitze, als ich an einem Morgen Ende September in die Arbeit eilte.
Nur in der Jacke wie gewohnt sprang ich in den Fahrstuhl und in einer Minute war ich außer Haus. Das Wachwerden war brutal. So eine Kälte war draußen! Zurückzugehen war ich faul und so lief ich in die Garage so, wie ich war. Es sind so drei Hundert Meter, aber in der Kälte dauerte mein Lauf eine Ewigkeit. Schnell Motor anlassen und den Schalter für die Temperatur auf rot stellen. Nach etwa fünf Minuten war es in dem Wagen ganz angenehm. Wenn man dazu noch das Radio einschaltet und gute alte Lieder erklingen, ist der "Straßenstreß" doch ein wenig besser zu bewältigen. Heute führt mich mein Alltag in das nördliche Egerland. In Komotau habe ich einen wichtigen Termin und muß rechtzeitig dort sein. Der Weg geht von Pilsen aus Richtung Norden. Ich mag diese Gegend sehr. Keine Autobahn, nur Landstraßen, die sich durch die schöne Landschaft so hinziehen. Berg auf und wieder runter, und die viele Kurven! Es war irgendwo bei Saaz, als ich einen kurzen Aufenthalt machen mußte. Ich hielte bei einer Dorfausfahrt an, denn dort sah ich auf einem Hügel einen alten Dorffriedhof. Nach dem ich aus dem klimatisierten Wagen ausstieg, nahm meine Nase einen wunderbaren Geruch des brennenden Holzes auf. Ich warf meine verträumte Augen Richtung Friedhof. Eine alte, halb umgestürzte Mauer behütete die letzte Ruhestätte der Deutschen, die bis Mai 1945 hier starben und begraben waren. Von den Grabkreuzen konnte ich aus der Ferne nicht viel sehen, aber die vielen Bäume, die schon längst die Herrschaft über die Toten gewannen, waren unübersehbar. Es war aber ein schönes, ruhiges Bild. Der zauberhafte Schleier, den der Nebel bildete, war durch die aufgehende Sonne ganz rot. In der Höhe meldeten sich etwa sechs Krähe zu Wort. Die habe ich scheinbar in ihrer Ruhe gestört. Langsam ging ich einen alten Weg zu dem Loch, was einmal das Friedhofstor war. Das Gras war ganz schön naß und die vielen Spinnennetze verklebten meine frisch geputzten Schuhen. Endlich war ich drin. Ein trostloser Blick verstärkte noch meine trüben Herbstgedanken. Ich suchte vergebens nach einem Lebenszeichen. Meine Blick ging nach links, ging nach rechts aber konnte einfach nichts finden, was an dem Morgen einem, der auf dem Weg war, Freude vorbereiten konnte. Ich drehte mich um. In dem Augenblick kam ein Sonnenstrahl aus dem Osten und meine Augen sahen auf einmal nichts mehr. Nach einer Weile machte ich meine Augenglieder wieder auf und ich sah es! Ein schön hergerichtetes Grab, direkt neben dem Eingangstor. Die schwarze Grabsteinplatte war schön sauber und die Inschrift konnte man auch lesen: "Vater, wenn die Mutter fragt, wo ist unser Liebling hin, wenn sie weinend um mich klag! Sag, daß ich im Himmel bin."
Auf dem kleinen Grab konnte man frische Blumen sehen. Ob das die Schwester oder Bruder von dem Kind war, werde ich scheinbar nie erfahren. Aber eine wunderbare Wärme hat das meiner Seele an diesem kühlen Morgen doch gebracht.



 

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