"Brombeer und Schwarzbeer"

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Geschrieben von Richard Sulko

Brombeer und Schwarzbeer
( Trachtenseminar in Netschetin, Juni 2002)
Mala Richard


Man trägt unsere liebe Egerländer Tracht sehr gerne. Zu den Festen, bei Auftritten, oder wen man jemanden huldigen will. Auch ich ziehe meine Tracht gerne und mit sehr viel Liebe an. Es gibt aber auch Menschen, die diese Tracht nicht gerade mit Freude ansehen. Scheinbar spüren sie ein Schuldgefühl, der durch die Vertreibung der Sudetendeutschen durch ihre Vorfahren entstand und der sich von einer Generation zu anderen erbt. Aber das ist nicht mein Problem, sondern derer, die sich nicht aussöhnen wollen. Ich will mit meiner Tracht nicht provozieren, aber man kann doch nicht seine Abstammung verleugnen. Das ist aber ein anderes Thema, dem ich mich in diesem Artikel nicht widmen will.
Zu einer Egerländer Tracht gehören mit der Ausnahme der Chotischauer Frauentracht auch wunderschöne weiße Strümpfe, die "Batzerlstrümpfe" genannt werden. Und diese Stümpfe werden beim häufigen tragen sehr schnell kaputt. Man kann sie nirgendwo in einem Geschäft kaufen, man kann sie nur stricken. Immer, wenn ich Tschechen sehe, die nicht nur unser Eigentum sondern auch unsere Trachten und Volkstänze, sogar unser Liedgut! klauen, war ich noch vor kurzem beinah ratlos. Nach dem letzten Wochenende bin ich aber wieder voller Hoffnung. Denn "Batzerlstrümpfe" so einfach kopieren geht nicht. Die muß man stricken lernen und zwar sehr lange und noch dazu mit sehr viel Ausdauer! Diese Strümpfe, von vielen als das Zeichen des Revanchismus angesehen, bleiben nur uns, nur den Egerländern! ( Wenn uns nicht einer von uns verrät, was leider auch passieren kann). Und diese Strümpfe wollten wir, die "verbliebenen" Egerländer stricken lernen. Das Projekt zu diesem Seminar wurde vom Kulturministerium der Tschechischen Republik bewilligt und so konnte es losgehen! Aus Deutschland kam nach Netschetin die Hermine Bender, die "Trachtenwartin" des "Bundes der Eghalanda Gmoin", mit ihrem Mann. Von uns waren einige Mitglieder dabei, die nicht nur stricken können, sondern auch die schon erwähnte Ausdauer haben. Nach der Begrüßung am Freitag abend dachte ich, daß wir in Ruhe unser Programm besprechen werden, aber da habe ich mich gewaltig geirrt! Es war etwa halb zehn abend, als die Hermine mit ihrer bekannten "Power" den Befehl gab: "Na schauts, daß Ihr Enka Woll assi zöihts, u da ma scho a weng uafanga u Poar Maschn z´sammbringa!". Und so ging das stricken gleich los. Um Mitternacht wurden wir aus der Kneipe rausgeschmissen, denn ansonsten würden wir noch heute dort stricken! In der Pension "U kapru" haben wir uns dann so richtig erholt. Ich nach der anstrengenden Woche und die "Benders" nach 600 Kilometer Anfahrt. Die Bertl Ruzicka, die auch dabei war, packte ihre Zither raus und wir sangen noch bis etwa halb zwei. Dann war das Bier im Kühlschrank aus und wir mußten "in die Feder gehen." Am frühen morgen ging es dann weiter. Ich war in der Runde überflüssig und bin lieber nach Pilsen gefahren, um meinen "Verbandskram" zu erledigen. Als ich am späten Nachmittag ankam, war es sehr ruhig in der Runde. Die "Batzerlstrümpfe" zu stricken ist eine schwere geistige Arbeit und fordert jeden sehr viel auf. Auch hier hat sich wieder bestätigt, daß die Egerländer "gscheita Lait woarn" ( und immer noch sind). Damit die Hermine mit dem Günther auch etwas von meiner Heimat sehen können, bot ich ihnen eine kleine Führung an. Wir sind dann zu dem "Wawateich", zu dem Schloß Preitenstein, zu der Gruft und zuletzt zu meinem Geburtshaus am Plachtin gefahren. Den Schluß machte die Besichtigung meines Grundstückes, wo ich, wenn Gott will, mein Haus bauen will. Als wir oben am Plachtin, beim Weg zu der "Hütten" ankamen, stürzte sich die Hermine in den Wald: "Schau Günther, da Richard braucht nuar van da Tür assi gäihn u kua scho döi schäina Schwarzbeia zupfn!" Ganz begeistert flog sie hin und her, bis in einen Augenblick jede diese runde, gut schmeckende "Kugel" im Umkreis von 100 Metern in ihrem Mund verschwand. Mit blauen Händen und dem Mund kamen wir ins Gasthaus "Am Rathaus" zurück. Schnell die Hände waschen und es ging weiter. An dem Samstag wurde es wieder spät. Als wir so gegen neun aufhörten zu stricken, haben die meisten von uns nur ein paar Reihen fertigt gehabt. Sei diesem Abend ziehe meine "Batzerlstrümpfe" viel vorsichtiger an, den das stricken ist wirklich wahnsinnig! Auch an dem Abend erklang die Zither und als wir ins Bett kamen, waren wir alle "halb tot". Der Sonntag: bis zu Mittag wurde wieder fleißig gestrickt, dann stärkten wir uns mit einem guten Mittagessen und gingen zu der hl. Messe in die Netschetiner Kirche. Danach hieß es nur "auf Wiedersehen!" und alle fuhren wieder Richtung alte und neue Heimat. Und wie soll man den Titel dieses Artikels erklären? Die Schwarzbeeren sind klar und Was haben die Brombeeren damit zu tun? "Brombeermuster" wird ein vereinfachtes Muster für die "Batzerlstrümpfe" genannt. Aber so einfach wollen wir uns das doch nicht machen oder?

Schön alles aufschreiben!

Was für eine Plage!

Seminarteilnehmer

Die Zither kann man immer hören

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