Der Knödelkönig

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Geschrieben von Richard Sulko

 

Der Knödelkönig
(Tanzseminar in Netschetin)

Mala Richard


Am Wochenende vom 12. zum 14. Juli 2002 lud der "Bund der Deutschen - Landschaft Egerland" zum alljährlichen Volkstanzseminar nach Netschetin ein. Dank der finanziellen Unterstützung vom Kulturministerium der Tschechischen Republik und Großzügigkeit der Gemeinde Nectiny, wo wir keine Miete für den Saal zahlen mußten, hat also wieder eine Maßnahme stattfinden können, die das egerländer Kultur zu erhalten versucht. Seit Jahren kommen die Vertreter der "Egerland - Jugend" und lernen uns Volkstänze, die sich nur bei den Vertriebenen erhalten haben. Heuer wurden wir von Baden Württemberg betreut. Und so konnten wir am Freitag höchstpersönlich den "Bundesjugendführer" der "Egerland - Jugend" begrüßen, Volker Jobst mit seiner Frau Elke. Als Dritte kam in die Runde der Hans Schmutzer. 

Wir freuten uns schon auf viel Spaß, aber es sollte wieder ein anstrengendes Wochenende sein. Schon die Ankunft der Stuttgarter war schwierig. Sie kamen zwei Stunden später. Dank unserer Wirtin haben unsere Gäste aber doch noch das warme Abendessen bekommen und brauchten nicht hungrig ins Bett gehen. Wir begleiteten sie noch in die Pension "U Kapru", wo wir mit dem Gesang der Heimatlieder noch ziemlich lange aushielten. Der Samstag früh: Beine frisch "eingeschmiert" waren wir pünktlich um neun Uhr am Saal. Die Anita Schreiber war in Bad Kissingen und so mußte dem Siroky Franz als Tanzpartnerin meine zehnjährige Nichte "dienen". Ich war sehr froh, daß alle drei Kinder meines Bruders mitmachten und suchten uns drei Tänze aus, die wir dann mit ihnen auch tanzen können. Ich habe noch kurz den Tagesprogramm erklärt und es ging gleich los. Einen großen Fehler machte ich aber doch: Ich erzählte, was ich zu Mittagessen bestellte. Es war noch nicht halb Zehn als sich der Volker meldete: "Du Richard, ich habe Hunger. Ich möchte sofort ein Paar Knödel haben, sonnst halte ich nicht bis Mittag durch!" Ich tröstete ihm, aber diese Meldung hörten wir mindestens zehnmal an dem Vormittag. Das tanzen ist immer anstrengend, und so waren auch wir bald hungrig. Um drei Viertel zwölf stürzten wir uns in die Gaststädte. Unser Wirt brachte zuerst die Getränke und dann kamen endlich die Schweinebraten mit Kraut und Knödeln. Einer nach dem anderen bekam seine Portion. Der Wirt wünschte einen guten Appetit und verschwand. Auf einmal hörten wir ein lautes Gejammer: "Richard schau, mich haben sie vergessen!" Wir alle konnten das Lachen nicht mehr halten. Gerade Volker saß da vor dem leeren Tisch und rundherum stopften sich Leute mit dem guten Essen. Gerade Volker! Das muß doch wirklich absichtlich gewesen sein, dachten sich die meisten. Ich habe aber die Erklärung viel simpler gesehen. Scheinbar hat die Wirtin bis runter sein jammern gehört, und wollte ihn "bestrafen". Bevor es aber zu einem internationalem Konflikt kam, ging die Tür auf und alle haben ihren Maul aufgerissen: Der Wirt lief in die Stube ein, in der Hand hatte ein Teller, der groß wie ein Wagenrad war, und auf dem Teller war sie tatsächlich: die Portion für den "Knödelkönig": siebzehn! Böhmische Knödl, viel Kraut und ein großer Stück vom Schweinebraten. Eine halbe Stunde später konnten wir alle einen historischen Augenblick erleben. Der Volker zwang das letzte Knödel ( dabei hat er schon eins von Elke ihrem Teller gegessen) und sagte: "Ich bin satt!" Dieser Satz kommt in das goldene Buch der Egerländer, denn das war scheinbar zum erstenmal, als so etwas passierte!
Nach dem Mittagessen machten wir einen kurzen Rundgang durch Netschetin und machten auf dem Saal weiter. An dem Tag meisterten wir vier Tänze!: "S´ Stodltürl", Heint af d´Nacht", "Da Dreifouß" und den "Böhmerwaldlandler". Als Wiederholung tanzten wir noch die "Klodrauer Roja". Vor dem Abendessen zeigte ich noch unseren Gästen meine Heimat. Wir besichtigten die Burg und das Schloß Preitenstein und haben auch meine Mama am Plachtin besucht. Für den Abend haben wir eine Überraschung vorbereitet. Schon mehrere Jahre werde ich von der Frau Kujovskova zu ihrem Geburtstag eingeladen. Sie ist eine einundachtzige Ungarin, ist verwitwet und lebt alleine in ganz einfachen Bedingungen in einem alten Haus "im Dörfl" am Plachtin. Da ich aber im Sommer jedes Wochenende beschäftigt bin, konnte ich nie ihrer Einladung folgen. Auch heuer wäre es wieder passiert, aber da hatte ich eine Idee: wir gehen alle hin. Und so haben wir es auch getan. Es war für alle ein Erlebnis. Meine Mutti holte noch die Ziehharmonika aus und so war dieser Abend nicht nur durch eine guten Tat gekennzeichnet, sondern auch mit einigen deutschen und tschechischen Liedern.
Der Sonntag früh gehörte der Wiederholung. Mit einundvierzig spürt man schon alle Gelenke, aber wie es schön heißt: "Füar unna Hoimat alls!". Als wir nach dem Mittagessen auseinander gingen konnten wir wiederum bestätigen: Wir haben wieder für den Erhalt des egerländer Kulturgutes was getan und gleichzeitig die Zusammenarbeit zwischen den "Vertriebenen" und den "Verbliebenen" Egerländern gestärkt. Vielen Dank und auf Wiedersehen im nächsten Jahr!

Schon müde?

Mamma Mia!

Pflichtbild mit Schloß

BJF mit Frau und Rosen ( auch mit Hans)

Am Einundachtzigsten

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