Wie sich Goethe freute
Wie sich Goethe freute
( Bildungsseminar in Elbogen)
Mala Richard
Das Begegnungszentrum "Balthasar - Neumann - Haus" ( BNH) in Eger lud in den Tagen vom 25. zum 26. Mai 2002 nach Elbogen ein. In den Hotels "Weißes Roß" und "St. Florian" fand heuer das erste Bildungsseminar des "Bundes der Deutschen - Landschaft Egerland" statt. Genau 179! Jahren nach dem letzten Besuch Goethes in Elbogen kamen also die "verbliebenen" Egerländer, um interessante Vorträge zu hören und wieder gemeinsam schöne Stunden zu erleben. Ich denke, daß sich der große "Dichterfürst" freuen mußte, auch wenn er an diesen Ort sonnst keine guten Erinnerungen hatte. Nach der Begrüßung von der Geschäftsführerin des BNH, Frau Krista Hruba erlebten wir eine Überraschung: Unsere Gemeinschaft begrüßte auch die Bürgermeister von Elbogen ( Loket n.O.), Herr Jiří Kolářík. Nach meiner Begrüßung folgte der erste Vortrag: "Sudetendeutscher Heimwehtourismus aus tschechischer Sicht", vorgetragen vom PhDr. Stanislav Burachovič, dem Leiter des Karlsbader Museums. Es war ein ganz interessanter Vortrag. Bei der anschließenden Diskussion stellten wir fest, daß auch die "verbliebenen" Egerländer eine Art vom "Heimwehtourismus" erleben, denn auch sie wurden aus ihren Heimatorten vertrieben. Auch der zweite Vortrag: "Beziehungen zwischen Karlsbad und Elbogen" wurde vom Dr. Burachovič gehalten. Nach dem Mittagessen hörten wir einen Egerländer, der noch in Schönfeld im Egerland lebt: Herr Ruppert Hartwig erzählte uns über die Pflugs von Rabenstein und über die Geschichte des Schönfelder Aussichtsturmes. Und zu diesem Turm ging auch unser Busausflug. Es war für die mutigen, die die Strapazen des schwierigen Aufstieges auf sich nahmen, ein wunderbares Erlebnis. Der Blick von diesem interessanten Bau geht sehr weit ins Land. Auf dem Umgang oben auf dem Turm sind auf dem gemauerten Geländer Keramikplatten mit der Beschreibung der Landschaft eingebracht. Man kann hier wunderbar sehen, wie unser Egerland und der Kaiserwald schön is! Vom Turm führte unser Weg nach Schlaggenwald, ins Stadtmuseum. Nach der Besichtigung fuhren wir in die verschwundene Bergstadt Lauterbach. Es ist traurig zu sehen, daß anstatt einer Stadt nur Wildnis auf dem Ebene zu finden ist. Nur ein Kreuz und ein Denkmal erinnert an die reiche Geschichte dieser Stadt, die zu den drei größten Bergbau - Städten neben St. Joachimsthal und Schlaggenwald gehörte. Zurück in Elbogen: nach dem Abendessen fing unser "Hutzaaubnd" an. Mit der Bertl Růžička und ihrer Zither erlebten wir in der gemütlichen Stube vom Hotel St. Florian einen schönen Abend, den unsere unermüdliche Rosi Feiereisl auch lustig machte. Am Sonntag Vormittag gingen einige zur hl. Messe, oder besuchten die königliche Burg zu Elbogen. Ich und meine Frau haben wegen unseren jüngeren Sohn die Elbogener Burg gewählt. Dieser Besuch wurde für mich zu einem besonderen Erlebnis. Als wir das Palais auf dem Vorhof besuchen wollten, erschrak ich und meiner Frau auch: aus dem Inneren des Palais kam ein russischer Gesang! Alte unangenehme Gefühle wurden wach und wir wußten nicht, was mir machen sollten. Wir warteten, bis sich die Lage beruhigte und gingen vorsichtig hinein. Im Inneren gingen wir auseinander und jede hat sich etwas anderes angeschaut. Ich stand gerade an einer Wand, wo die Geschichte der St. Leonhard - Kirche beschrieben war. Ich drehte mich und fiel faßt um: gegenüber stand der tschechische Minister für die Industrie, Herr Miroslav Grégr. Ich habe mich vorgestellt und er hat mir dann seine Frau vorgestellt. Nach einem kurzen Wortwechsel bin ich wieder zurück zu meiner Frau gegangen. Es war kurz vor elf Uhr und uns erwartete noch ein Vortrag: "Bedeutung eines Kuraufenthaltes" vom Mudr. Jaroslav Dolina aus Karlsbad. Er selber war Chefarzt in der Badeanstalt Richmond und hat uns auf einer interessanten Art dargestellt, wie es wichtig ist, in die Badekur zu gehen. Nach dem Mittagessen haben wir noch die kommenden Maßnahmen vom "Bund der Deutschen" besprochen und sind dann am frühen Nachmittag wieder Richtung nach Hause gefahren.
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