Dudelsook in Bethlehem

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Geschrieben von Richard Sulko

Dudelsoock in Bethlehem
( 12. Grabpflege im Stift Tepl 2002)
Mala Richard


Der Leser erschrecke nicht: wir befinden uns nicht in Palestina, mitten in den Kämpfen zwischen den Palästinensern und den Juden, nein: dieser Bericht beschreibt eine Frieden stiftende Tätigkeit, die die Nachkommen der vertriebenen Egerländer aus Böhmen gemeinsam mit den "verbliebenen" Deutschen auf einem alten Klosterfriedhof seit zwölf! Jahren ausüben. Und wie kommt der Dudelsack ( in egerländer Mundart: "Dudelsoock") und die Stadt Bethlehem dazu? Schon zum vierten mal haben nämlich die Teilnehmer der "Grabpflegeaktion Stif Tepl" im Campingplatz "Betlém" übernachtet. Und Betlém heißt in deutscher Sprache eben Bethlehem. Und der "Dudelsoock"? Bei diesjähriger Grabpflege - Aktion war ein besonderer Gast eingetroffen: Peter Schmidt aus Regensburg, der dortige "Gmoivüarstäiha". Seine Vorfahren stammen aus Altzedlitsch und er selber gehört zu der wenigsten, die das alte egerländer Musikinstrument noch beherrschen: einen Dudelsack.
Am Donnerstag, den 9. Mai 2002 ( Christi Himmelfahrt) sind die meisten Teilnehmer eingetroffen, die der Einladung der "Egerland - Jugend" folgten. Der "Bundesjugendführer" Volker Jobst bemühte sich und lud sehr viele ein. Das Ergebnis war hervorragend: dreißig Teilnehmer waren es, die heuer dabei waren. Vom "Bund der Deutschen - Landschaft Egerland" kamen außer dem "Sulko- Clan" und einiger Mitglieder der Ortsgruppe "Netschetin-Preitenstein" noch sechs Kinder von der Ortsgruppe Neudek, sowie einige Kinder von der tschechischen Tanzgruppe "Stázka" aus der Stadt Tepl. Heuer ging die Arbeit sehr schnell voran: es waren vier Motorsensen im Einsatz: außer der vom Volker Jobst und meiner Mutti noch zwei, die von der Firma Setzer aus Essingen und von der Firma Haas aus Pommertsweiler gespendet wurden. Für den notwendigen Strom sorgte ein Stromaggregat der Fa. Aalener - Baumaschinen aus Aalen. Auch die Zusammenarbeit mit dem Kloster war dieses Jahr sehr gut. Ich habe eine Woche vor der Grabpflege die nötigsten Details besprochen und es hat alles tatsächlich funktioniert! Wir haben uns diesmal wieder einer besonderen Aufgabe angenommen: die Renovierung des Friedhofskreuzes. Für den Peter Schmidt war das die richtige Aufgabe: mit sehr viel Liebe hat er mit seinen jungen Freunden das Kreuz und den Körper Christi entrostet und mit einer schwarzen bzw. goldenen Farbe angestrichen. Schade, daß man aus Geldmangel nicht eine richtige Vergoldung machen konnte. Es kamen auch besondere Gäste zu uns: von der "Landes - Zeitung", der Zeitung der dt. Minderheit in Böhmen, Mähren und Schlesien kam der Redakteur Alfons Adam. Aus der "Gmoi Rawetz" waren angereist: "Vetta" Egon Zrenner und Horst Süßner, Pressewart des "Bundes der Eghalanda Gmoin". Auch die stellv. "Bundesjugendführerin" Christina Diederichs mit ihrem Mann Lutz und ihrem Vater fanden den Weg nach Tepl. Das Programm der diesjährigen Grabpflege war wie die vorigen Jahre: den Friedhof mähen und die Grabsteine aufrichten. Auch an der Gruft wurde weiter gearbeitet. Da ein wenig Entroster - Farbe übrig blieb, haben wir auch das Friedhofstor ein wenig sauber gemacht. Die Abende sind immer die schönsten. Mit Musik und Gesang erhalten wir, die "Verbliebenen" und die "Vertriebenen" unser egerländer Kulturgut für die nächsten Generationen. Ein Abend von den drei war heuer aber doch anders: die Slowakei spielte das Finale um den Weltmeisterschaftstitel im Eishockey. Alle Teilnehmer, die aus Tschechien kamen, versammelten sich beim alten Fernseher in dem Gemeinschaftsraum. Und als die Slowaken gewannen, hatten auch sie die Tränen in den Augen. Es war ein interessantes Gefühl: die tschechische Mannschaft viel aus und die meisten Tschechen drückten an dem Abend die Daumen den Slowaken. Ein besonderes tschechoslowakisches Zusammenhalten! Am Samstag Nachmittag sind die Teilnehmer vom P. Augustin in das Kloster eingeladen worden. Nach einem kurzen Gespräch, wo wir einen ausgezeichneten "Klosterkuchen" probierten, wurden wir durchs Kloster geführt. Wir haben Räume gesehen, die die normalen Besucher nicht sehen können. Zum Abschluß erlebte die Klosterkirche eine Überraschung. Ich und der Peter hatten eine tolle Idee: wir singen der Mutter Gottes in der Kirche ein Marienlied, mit einer Dudelsack - Begleitung! Es war zum erstenmal, wo in dieser alten Kirche ein Dudelsack erklang. Und dazu noch der Gesang der Egerländer! Es ist halt so: wenn die Egerländer was machen, wird eben die Geschichte geschrieben! Der letzte Tag war Sonntag: der letzte Besuch am Friedhof mit dem stolzen Blick auf die getane Arbeit, das letzte Gemeinschaftsbild und dann hieß es nur: "gute Heimfahrt!"
Nitra, Mittelslowakei, 28. Mai 2002

Blick von der Gruft

Friedhofskreuz wird angestrichen

Karl - Heinz
Dudelsook in Bethlehem

Abschlußbild diesmal woanders

 

Wieda in Tiapl
( Grabpflege im Stift Tepl )
Mala Richard

Na siahst, sogh i za meinan Bou(b)m,
dau san ma scho tau:
Da alta Friedhuaf begröißt uns wieda
arwan kuast du dau genau!

As Graß mahn, u sich sua(r richti plaugn,
dös is dös, woos döi gunga Leitn kinna.
Döi Eghalanda san fein(n fleißig,
ob ma alt is, uwa gung, wöi döi Kinna.

Am Aubnd wiard dann g´sunga,
Böimisch uwa Daitsch.
Lustig gäihts halt dau zou,
International san alla un´ra Lieda.

 


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