Arbeit der deutschen Minderheit in der CR
HEIMATKREIS PILSEN - MIES, E.V.
Vortrag am Schloß Schney am 13. April 2002:
"Arbeit der deutschen Minderheit in Böhmen"
Richard Šulko
Eigentlich müßte mein Referat heißen: "Arbeit der deutschen Minderheit in Böhmen, Mähren und Schlesien" , denn aus der Funktion des zweiten Vizepräsidenten der "Landesversammlung der Deutschen in Böhmen, Mähren und Schlesien" ( LV) bin ich eigentlich für die deutsche Minderheit in der ganzen CR zuständig.
An dieser Stelle muß ich aber eine Einlage einfügen. Sie wissen sicher, daß es in der Tschechischen Republik noch den "Kulturverband der Bürger deutscher Nationalität in der CR" ( KV) gibt.
Da aber allein die "LV" "von unten" und unter demokratischen Zuständen entstand, wird sie manchmal auch als der einzige, demokratisch gewählte Vertreter anerkannt. Die Einigung dieser beiden Verbände ist in der nähen Zukunft scheinbar nicht in Sicht, mein eigener Vorschlag bei der vorletzten Tagung der LV wurde von den Delegierten der LV nicht anerkannt ( Zusammenfügung der Verbände z. B. unter dem Namen "Bund der Deutschen in Böhmen).
Nun aber möchte ich zu meinem eigenen Referat kommen:
Die dt. Minderheit in der CR arbeitet in 21 selbständig registrierten Verbänden. Nicht Mitglied in der LV ist neben den schon erwähnten KV noch der Verband der Deutschen in Trautenau und ein Verband in Brünn, wo jetzt drei Verbände existieren. Über die unübersichtliche Lage in Brünn wurde schon mehrmals in der "Sudetendeutschen Zeitung" berichtet.
Wie sieht die Arbeit dieser Minderheit aus?
Die Aktivitäten können in folgende Bereiche aufgeteilt werden:
1) Pflege der dt.- tsch. Begegnungszentren ( wo die meisten Aktivitäten in allen folgenden Bereichen verwirklicht werden)
2) Kulturarbeit
3) Bildungsarbeit
4) Politische Aktivitäten
5) Soziale Tätigkeiten
6) Öffentlichkeitsarbeit
7) Wirtschaftliche Unterstützungen
Nun zu einzelnen Bereichen:
1. Dt.- tsch. Begegnungszentren ( BGZ´s)
Die 14 BGZ´s in der CR sind eine große Stütze nicht nur für die Erhaltung der dt. ( sudetendeutschen) Kultur in Böhmen, Mähren und Schlesien, sondern auch für die Annäherung unserer Völker. Die Arbeit in diesen "Insel der Hoffnungen", wie sie einmal benannt wurden deckt alle Arbeitsbereiche, die in meinem Vortrag erwähnt werden. Die einzelnen Aktivitäten unterscheiden sich nur in dem, wo die jeweiligen Geschäftsführer den Schwerpunkt ihrer Arbeit sehen. Es hängt auch von den Vertreter der Städte und Gemeinden, wie sie mit den BGZ´s , bzw. mit den Deutschen zusammenarbeiten wollen. Es gibt tapfere Bürgermeister, es gibt rein kommunistisch und nationalistisch orientierte, das Spektrum ist sehr breit. Mann kann auch sagen, daß man seitens der Tschechen wie anerkannt wird, so auch ignoriert bis diskriminiert wird. Wenn man "brav" ist und nichts will und wenn man nicht "zu viel" die sudetendeutsche Kultur "zeigt", bekommt man keine Probleme, aber dieses Thema würde für viele mehrere Vorträge ausreichen. Nur eine Bemerkung: Seit meinen letzten Vortrag hier hat sich die Lage in Tschechien nach meiner Meinung verschlechtert. Und das hat weniger mit den kommenden Wahlen in der CR zu tun. An dem Tag, als ich diesen Vortrag vorbereitete, wollen die tsch. Vertreter in Brüsel ein rechtliches Gutachten abgeben, daß die sgn. Benesch - Dekrete nicht mehr angewendet werden und daß sie eigentlich "ausgeloschen" seinen - diesen Begriff kennen wir schon. Hier sieht man, daß unsere! Politiker über unsere Köpfe hinweg Entscheidungen treffen und alles nur für ihre Wiederwahl machen. Ich glaube sagen zu dürfen, daß sich die Tschechen jetzt sogar in einer Art vom "Befreiungskampf" befinden. Das könnten sicher einige Beispiele zeigen, die in den letzten Wochen passierten.
Nun kommen wir zum Punkt
2. Kulturarbeit
Unter Kulturarbeit können z.B. folgende Tätigkeiten berechnet werden:
a) Konzerte
b) Ausstellungen
c) Erhaltung der Bräuche ( Osterbräuche, Faschingsbräuche, Winter Austreiben, Maibaumsetzen u.v.m.)
d) Deutsche Gottesdienste, Maiandachten und Wallfahrten
e) Pflege um dt. Friedhöfe
f) Herausgabe von Büchern, Tonträgern
g) Erhaltung z.B. der Volkstänze, Volkslieder und Mundart
h) Erhaltung der Trachten
i) Autorenlesungen
j) Veranstaltung der Muttertagsfeier, Adventsfeier
k) Organisatorische Hilfe bei Heimatreffen und Besuchen der Vertriebenen
3. Bildungsarbeit
Bildungsseminare sind unter unseren Mitgliedern sehr beliebt. Es werden Wochenendseminare organisiert, die sich einzelnen Themen widmen oder auch Seminare, die eine ganze Woche dauern. Das Programm ist sehr reich an Veranstaltungen und die meistens älteren Mitglieder können sich z.B. mit Deutschen treffen, die auf dem ganz anderen Ende der Republik leben. Für die Kinder und Jugendliche werden in den Ferien Sprachseminare organisiert. Im Rahmen der LV arbeitet auch "JUKON", die "Jugendkontaktorganisation" für jüngere Menschen. Es gilt aber allgemein, daß die Interesse der Jugendlichen größer sein könnte. Als ein schönes Beispiel könnte aber außer der Arbeit der "JUKON" z.B. die Arbeit der christlichen Jugend aus Mährisch Schönberg ( mit der "Ackermann - Gemeinde" aus Würzburg) sein oder die Zusammenarbeit einiger jüngeren Mitglieder vom "Bund der Deutschen - Landschaft Egerland" mit der "Egerland- Jugend".
4. Politische Aktivitäten
Das ist ein Thema, was bei der dt. Minderheit in der CR sehr kompliziert ist. Es dauerte 10! Jahre, bis wir imstande waren, unsere Forderungen gegenüber dem tsch. Staat zu formulieren. Schon bei der Wahl des Präsidenten der LV im Herbst 2001 wurde klar, daß wir es mit zwei "Ansichten" zu diesem Thema haben: Die einen wollen um Gottes Willen keine Probleme haben. Das ist scheinbar eine knappe Mehrheit. Ich zitiere: "Wir müssen ja unter den Tschechen leben" und "Wir dürfen uns politisch nicht äußern, sonst sind weg vom Fenster", … Ende der Zitate.
Hier spielt scheinbar noch die Angst nach den Lebenserfahrungen eine sehr große Rolle.
Es gibt aber auch die anderen, die zwar nicht provozieren, aber ihre Meinung offen sagen. Auf diese Menschen werden dann Artikel in den Kommunistischen und Nationalen Tageszeitungen geschrieben und werden als "Revanchisten" und "Provokateuere" eingestuft. Beispiele gibt es genug.
5. Soziale Tätigkeiten
Die "Landesversammlung der Deutschen in Böhmen, Mähren und Schlesien" war der Gründer des "Bildungs - und Sozialwerkes" ( BUSOW).
Die Aufgabe dieser "öffentlich nützlichen Gesellschaft" ist Hilfe zu leisten, vor allem bei älteren Mitgliedern. Es gibt z.B. ein Projekt beim "Deutsch - tschechischen Zukunftsfonds", womit in Kuraufenthalten die entstandenen Leiden z.B. durch innere Vertreibung oder Gewalttaten gemildert werden.
Mit Hilfe des "Sozialwerkes der Ackermann- Gemeinde" werden die Ärmsten von den dt. Minderheit durch eine einmalige Spende immer vor Weihnachten unterstützt.
Einer der wichtigsten Punkte ist die Errichtung der sogenannten "Sozialstationen". Mit der Hilfe aus Deutschland werden z.B. Pflegeheime eingerichtet. Die dt. Minderheit kann dann auch einige Plätze in diesen Einrichtungen ausnützen und bei der tschechischen Bevölkerung wird das ansehen der Deutschen verbessert.
6. Öffentlichkeitsarbeit
Das wichtigste, was jede Gruppierung von Menschen braucht, ist die Öffentlichkeitsarbeit. Die LV wird demnächst im Internet unter www.landesversammlung.cz zu sehen sein; der Erfolg der "Homepage" vom "Bund der Deutschen - Landschaft Egerland" zeigt, wie dieses "Medium" wichtig ist. Es sind vor allem junge Menschen, die sehr oft drin "surfen" und damit sehr viel Informationen über die Sudetendeutsche bekommen können. Das ist die Voraussetzung für die Verständigung zwischen unseren beiden Völkern. Die LV bringt seit einigen Jahren die "Landes - Zeitung" ( LZ) heraus. Es sind ganz interessante Artikel in dieser Zeitung der dt. Minderheit zu finden. Die LZ ist auch im Internet zu finden: www.landeszeitung.cz
Ab und zu kommt in der tschechischen Presse ein interessanter Artikel heraus. Dort werden auch Probleme dargestellt, die wir mit der Mehrheitsbevölkerung haben. Es ist manchmal sehr schwierig, wie viel man sich "zurückhalten" muß. Es stimmt aber auch, daß die "besten Söhne des Volkes- tsch. Politiker" meistens nur an ihre eigene Vorteile denken. Meistens ist es so, daß man lieber das "kleinere Übel" wählen muß.
Es sind auch Artikel, die uns keine große Freude, wie z.B. die kommunistische Tageszeitung "Halo Noviny", die die Antworten sogar auf persönliche Angriffe nicht veröffentlichen.
Die dt. Minderheit hat auch ihre Sendungen beim Tschechischen Rundfunk. Zweimal eine Viertelstunde in der Woche wird über Geburtstage und Aktivitäten der Minderheit berichtet.
Manchmal gelingt es auch, daß man z.B. bei eine "Live - Sendung" dabei.
Ansonsten läßt die Öffentlichkeitsarbeit noch viel zu Wünschen übrig, aber da hängt sehr viel an den Finanzmöglichkeiten der dt. Minderheit.
7. Wirtschaftliche Unterstützung
Die "Landesversammlung der Deutschen in Böhmen, Mähren und Schlesien" gründete vor einigen Jahren die Stiftung "Bohemia Troppau". Diese inzwischen auf v.p.s. ( öffentlich nützliche Gesellschaft) umgeänderte Einrichtung hilft den Kleinunternehmen mit Rat und mit Ausstattung ihrer Betriebe. Es wurden in den Jahren schon Hilfen in Höhe von Millionen von Kronen geleistet.
Es sollte auch gesagt werden, daß man in mehreren Betrieben in der CR Deutsche findet, die zweisprachig sind und dadurch eine gute Stelle haben. Es muß aber auch gesagt werden, daß es sehr viele diese "verbliebenen Deutschen" gibt, die nur ihr eigenen Nutzen daraus haben wollen und sich für die Arbeit z.B. im deutschen Verband nicht interessieren.
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Bilder aus dem Seminar: |
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