Seminar im Erzgebirge

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Geschrieben von Richard Sulko

Seminar im Erzgebirge
Anna Unger

Der “Bund der Deutschen - Landschaft Egerland veranstaltete dank der finanziellen Unterstützung der Deutschen Botschaft in Prag am 8. und 9. 7. 2000 in Bernau bei Neudek ein Bildungsseminar. Der Geschäftsführer unseres Begegnungszentrums, Herr Petr Valda begrüßte am Samstag früh die Teilnehmer und machte uns mit dem Programm bekannt. Den ersten Vortrag an diesem Tag hielte unser Vorsitzender, Herr Richard Sulko: “Egerländer Familie heute”.
Wie er in seinem Referat erwähnte, sollte das Wort Familie eine besondere Bedeutung haben. Wörter wie Mama, Tata, Liebe, Heimat, Recht und Wahrheit sollten immer als Hauptwörter beachtet werden. Diesen interessanten Vortrag wieder zu geben wäre eine Akte für sich. Leider kann man nicht in jeden Menschen die oben genannten wichtigen Worte einprägen. Die Menschen müßten mehr Nächstenliebe, Verantwortungsgefühl und christlichen Gemeinschaftssinn haben. Jedoch die Devise “Egoismus” nimmt immer mehr zu. Eigentlich sollten wir doch alle eine große Familie werden. Diese Seminare, unsere Zusammenkünfte ob in den OG´s oder bei größeren Veranstaltungen helfen uns, der deutschen Minderheit, sich in der CR zu entfalten. Es müßte viel mehr gemacht werden für die älteren Bürger, die die tschechische Sprache nur teilweise beherrschen. Wir, die “verbliebenen” Egerländer brauchen wiederum die Jugend. Seien wir froh, daß wir in Deutschland die “Egerland- Jugend” haben. Auch die kann uns helfen unser Kulturgut wieder zu retten, vor allem in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. Auch die Familie sollte dabei nicht zu kurz zu kommen, denn wie unser Vorsitzender sagte: “Ohne Familie ist jeder ein Nichts”.
Das zweite Referat, was uns Richard Sulko vortrug, war über Thema: “Der Beitritt der CR in die EU”. Am Anfang erwähnte er, daß dieses Thema zu einem der heißen gehört. Ich denke, es ist wirklich ein Problem wie alle Aufgaben erfüllt werden sollen, obzwar einige von unseren Politikern meinen, es ist alles nicht so kritisch. Ich bin zwar nur eine Frau und verstehe diese Sache nicht viel, aber wie bei uns gewirtschaftet wird, sehe ich gut. Manche unsere Mitglieder sagen: “Ich bin froh, daß ich schon zu alt bin”; ich kann dem nur zustimmen. Ich zitiere aus dem Referat: “Zehn Jahre nach der ´ samtenen Revolution ´ zeigt sich immer brutaler, wie jetzt der Stand unserer Gesellschaft aussieht. Kein Tag vergeht, wo man mit Nachrichten konfrontiert wird, die ein Gefühl der Trostlosigkeit geben. Am hellichten Tagen werden Postämter, Geschäfte, Tankstellen oder Restaurants überfallen. Diebstahl, Belästigung und Mord sind auf der Tagesordnung. Die größten Betriebe zahlen über 50.000 Arbeitern im Lande keinen Lohn aus. Die Besucher, die ins Land kommen, werden wiederum mit einem freundlichen Lächeln bestohlen. Dies geschieht auf den Straßen / Taschendiebe /, in Taxis oder in Restaurants. Autos werden beschädigt oder gestohlen, die Lage ist katastrophal. Man lebt in ewiger Angst. Eine bessere Zukunft kann man scheinbar nicht erwarten”- Ende des Zitats.
Da wir diesen Samstag doch nicht all zu deprimierend verbringen wollten, nahmen wir gerne das Angebot des inzwischen nach Bernau kommenden Gerald Deistler an, und machten wir uns auf den Weg nach Neudek. Dort besuchten wir eine gerade eröffnete Ausstellung, die alte Bilder von Neudek zeigte. Nach dem Abendessen ging es mit Volkstum weiter. Unser Bertl Ruzicka packte ihre Zither, Frau Ingrid Deistler ihre Gitarre aus, und los gingen unsere Lieder aus dem Egerland und dem Erzgebirge.
Am Sonntag morgen übernahm die Leitung des Tages die Bertl Ruzicka, da Richard Sulko zur Wasserweihe nach Bad Brambach mußte. Sie begrüßte auf ihre charmante Art unseren weiteren Gast, den Journalist Felix Seebauer. Sein Thema war die Medienarbeit. Medienarbeit ist ein langer Begriff: Mancher Mensch weiß über die Vergangenheit recht gut Bescheid, behält es aber für sich, weil er Angst hat, er könnte auf Widerstand stoßen. Es ist aber richtig seine Meinung zu sagen, auch wenn es nicht immer in dem Augenblick die richtige ist. Meiner Meinung nach müßte man bei einer Diskussion auf die Wahrheit kommen. Aber wenn man diskutieren will, sollte man die Wahrheit wissen. Aber wer kennt sie? Man müßte ein Hellseher sein. Also man verläßt sich auf die Medien, die den einen am meisten ansprechen. Man liest Zeitungen, man verfolgt Nachrichten im Rundfunk oder Fernsehen und man erfährt Dinge, bei denen man nicht weiß, ob man sie glauben soll. Man hat ja schon einiges geglaubt und zum Schluß war sowieso alles anders. Man hört an einem Tag eine Nachricht und am anderen Tag wird alles wieder widersprochen. Politiker enttäuschen uns auch alltäglich, es ist alles sehr schwierig. Nach dem Thema “Medienarbeit” erzählte uns Herr Seebauer auch etwas über die überall im Lande verbreitete Meinung, die Sudetendeutschen sind an der Teilung der CSR schuldig. Wer auch von uns wußte es ganz genau, wir waren es nicht? Nach dem Vortrag kam eine lebhafte Diskussion, wo alle zwei Themen noch zum Ausdruck kamen. Zum Schluß sagte Herr Seebauer zwei Sätze, die sicher jeder gut in der Erinnerung behalten soll: “Wenn du dich duckst - wirst du bespuckt” und: “Wenn du dich wehrst - wirst du geehrt.”
Das ganze Wochenende war für uns alle sicher sehr lehrreich. Man sieht, auch wenn man schon 78 ist, daß Optimismus sicher seine Früchte bringt. Sich auf die Jugend orientieren und sie auch unterstützen, soll für uns alle eine Aufgabe für die Zukunft sein.
Wir, die GO Chodau sind Mitglieder der “Kulturverbandes”, dem wir ja viel verdanken, was unser Deutschtum angeht, auch wenn einige darüber anders denken. Wir sind auch Mitglieder vom “Bund der Deutschen- Landschaft Egerland”. Das ist unsere Herkunft und dazu stehen wir. Auch darüber kann jeder denken wie er will.


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