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Heint scheint da Mau(n sua schäi(n
( 10 Jahre der OG Netschetin im "Bund der Deutschen - Landschaft Egerland")
von Mala Richard
Heint scheint da Mau(n sua schäi(n

Was hat wohl ein Mond mit einer Jahresversammlung zu tun? In folgenden Zeilen kann man es erfahren. Den "Bund der Deutschen - Landschaft Egerland" bilden zehn Ortsgruppen. Die östlichste besteht aus fünfzig Mitgliedern. Und da am 14. Februar 1992 diese Gruppe gegründet worden war, hat man heuer das zehnte Jubiläum feiern könen. Über den Jahresbericht möchte ich in meinem Kurzbericht nicht sprechen, viel mehr möchte ich einige Eindrücke beschreiben, die ich an diesem Feiertag sammelte.
Schon bei der Einladung drückte mich ein Problem. Die Lage in Netschetin ist in der letzten Zeit gespannt, vor allem nach dem letzten Wahlergebniss ( Die Kommunistische Partei der CR hat in Netschetin die meisten Stimmen bekommen). Sollen wir in unserer Tracht zu diesem Jubiläum gehen? Die Angst haben wie überwunden und wir waren so, wie sich´s gehört. Und es war wirklich eine würdige Feier. Nach der Begrüßung dachten wir an unsere Verstorbenen, vor allem an die "Schousta Frieda". Die Tagesordnung wurde einstimmig angenommen und so konnte ich mit meinem Bericht anfangen. In dem habe ich Rückblick auf die vergangenen zehn Jahre genommen. Nach meinem ausführlichen Bericht folgte der Kassenbericht und Vorschau für die nächste Zeit. Da sich in Diskussion keiner meldete, machten wir mit dem Programm gleich weiter. Wir haben wir für die versammelten eine Überraschung vorbereitet. Eine Woche zuvor hatten wir in Netschetin das Volkstanzseminar mit der "Egerland - Jugend". Und so konnten wir bei dieser Versammlung zwei Tänze mit den Kindern vorführen: "`S Stodltürl" und "Heint af d´Nacht". Die drei Kinder von meinem Bruder haben so etwas zum erstenmal miterlebt. Als letzter Punkt in der Tagesordnung stand der Vortrag "Unna Eghaland" von Gerald Deistler, der mit seiner Familie anreiste. Er ist stellv. Bundeskulturwart des "Bundes der Egahlanda Gmoin" und weiß bestens über unsere Heimat Bescheid. Nach dem "geistlichen Menu" bekamen wir auch etwas gutes zum Essen und den Abschluß machte die Ingrid Deistler mit der Gitarre, mit der wir alle mehrere Heimatlieder sangen. Es war schon spät geworden und die Sonne verschwand schon hinter dem Horizont der "Kaiserstraße" bei Trahona. Der Gerald wollte noch den Kindern die Burg Preitenstein zeigen und so sind wir losgezogen. Mitgefahren sind auch der Josef Woeschka mit seiner Schwester Ernestine Rada. Als wir langsam "dian Barch affi krakselten, woar es scho ganz Finsta". Ich habe noch allen den geheimen Gang und die Wirtschaftsgebäude gezeigt und habe dann meinen Traum ausgesprochen. Als im Jahre 1933! der "Tag des Egerlandes" in Netschetin durchgeführt wurde, wurde er von der Gendarmerie sorgfältig verfolgt. In einem Polizeibericht stand damals folgendes: "Am 9. September 1993, abends um 9.30 Uhr: Anzünden der Feuer auf der Burgruine Preitenstein und vortragen einiger unbedenklicher Lieder….". 69 Jahren und auf die Stunde genau nach diesen Ereignissen sind wir auf den höchsten Basalt - Felsen "gekrakselt". Wir warfen den Blick in die Tiefe, wo langsam das Schloß Preitenstein einschlief. Danach richteten sich unsere Blicke nach Oben, wo der Mond an fast wolkenlosen Himmel so schön ruhig schien. Ein ergreifender Augenblick… Ganz leise fangen wir alle langsam zu singen: "Heint scheint da Mau(n sua schäi(n….
Unna löiwas Eghaland: wir halten dir Treue, das versprechen wir!

 

Gute Beteiligung Heint af´d Nacht
Vor dem Loch in der zweiten Mauer


10 Jahre Arbeit fürs Eghaland in Netschetin
( Jahresbericht der OG Netschetin- Preitenstein im Bund der Deutschen - Landschaft Egerland - BdD-LE)
vorgetragen auf der Jahresversammlung in Netschetin " am Rathaus ", Samstag den 20.7.2002

vom Mala Richard ( Sulko), Vüarstäiha ( Vorsitzender)

Sehr verehrte Gäste, löiwa Mitglieder!

Wir sind heute zusammen gekommen, um ein kleines Jubiläum zu feiern. Ich möchte in meinem Bericht mit Euerem Erlaubnis nicht unsere Aktivitäten aufzählen, die unsere Ortsgruppe im letzten Jahr durchführte. Über die meisten Ereignisse wurde schon in unserem Mitteilungsblatt, dem "Eghaland - Bladl", der "Landes- Zeitung", der "Sudetendeutschen Zeitung" oder im "Heimatbrief" berichtet. Ich möchte mehr auf die Geschichte und die Entwicklung unserer kleinen Gemeinschaft eingehen, denn zehn Jahre sind doch eine lange Zeit, um ein wenig zu bilanzieren zu können.

Wie hat damals alles angefangen…

Am 14. Februar des Jahres 1992 konnte man in den Vorabendstunden im Manetiner Hotel, der heute nicht mehr existiert, eine interessante Versammlung finden. Zum erstenmal nach der Vertreibung der Deutschen aus dem Sudetenland im Jahre 1945 kamen einundvierzig "verbliebene" Egerländer zusammen, um nach so vielen Jahrzehnten wieder einen Verband zu gründen. Der sollte die Interessen der Egerländer aus dem östlichen Egerland vertreten.
Wie hat damals alles angefangen? Zehn Jahre sind eine lange Zeit, aber ich kann mich noch sehr gut erinnern. Ich denke, es müßte so im Herbst 1990 gewesen sein. Bei meinem Schwiegervater fand ich im Wohnzimmer ein interessantes Papier. "Beitrittserklärung zur ´Organisation der Deutschen in Westböhmen". Das wäre etwas für mich, dachte ich, und ging der Sache nach. Warum?, möge der eine oder andere fragen. Ich bin Jahrgang 1960 und habe unter der Woche in Pilsen nur die offizielle kommunistische, tschechische "Erziehung" bekommen. Wenn aber der Freitag kam, sind wir immer ins Egerland zu unserer Uroma, der "Mala Wawa" nach Plachtin gefahren. Die hat mich im christlichen und egerländer Sinn erzogen und so konnte ich wenigstens den christlichen Glauben, die Mundart und die Liebe zu meiner Heimat, dem Egerland auch unter der kommunistischen Gesellschaft behalten.
Und so sind wir an einem Tag nach Manetin gefahren, wo ich den Witopil Franz kennenlernte. Er war auch ein Deutscher und ist auf den schon erwähnten Deutschen Verband in Pilsen gestoßen.
Da ich in Pilsen wohnte, war das für mich kein Problem, zu dem Verband zu kommen, der damals Räume im "Svazácek" auf der Klatovská Straße" hatte. Der Vorsitzende hieß Paul Mattis. Ich habe mich gleich in die Arbeit hineingestoßen und wollte auch in meinem Heimatort so eine Ortsgruppe bilden. Und so fing ich an alles zu organisieren und am dem oben erwähnten Tag war es eben so weit.
Wir saßen da und wollten was tun, aber hatten keine Ahnung, wie man einen Verband gründet und wie man z.B. eine Wahl durchführt. Gott sei Dank kam damals der Horst Süßner aus Marktredwitz nach Manetin. Ich kann mich noch sehr gut erinnern, wie er selber mit seiner schönen Handschrift die Teilnehmerliste schrieb. Zum Vorsitzenden wurde damals Theodor Bayer gewählt, ich wurde zum Schriftführer. Ich fing gleich an, ein reichhaltiges Programm zu machen. Da ich seit November 1991 auch im Vorstand des Dachverbandes BdD-LE tätig war, habe ich die Arbeit der Ortsgruppe an die des ganzen "Egerländer Verbandes" verbunden. Nach etwa einem Jahr stellte sich fest, daß ich und der Vorsitzende eine andere Vorstellung über die Arbeit haben und wir gingen auseinander. Ich gründete die Ortsgruppe "Preitenstein" und machte mit der Arbeit weiter. Die folgenden Jahre waren für uns sehr erfolgreich. Am 5. April 1997 sind wir wieder, die "Preitensteiner" und "Netschetiner" zusammengekommen. Ab den Tag heißt die Ortsgruppe Netschetin - Preitenstein und feiert heuer ihr 10. Jubiläum.

Die zehn Jahre im Rückblick…

Liebe Mitglieder, liebe Freunde. Was ist in den zehn Jahren passiert?
Ich möchte einige Sachen "herausgraben" und sie ein wenig ins Gedächtnis bringen.
Wer kann sich noch erinnern, wie wir zu unseren Versammlungen mit einem Bus immer nach Rabenstein fuhren, da in Netschetin kein entsprechender Raum war? Wißt ihr noch, wie wir zu Gast dort z.B. die "Eghalanda Bauernmusik" mit dem Dudelsack - Spieler Gerhard Ehrlich mit seiner Frau hatten?
Wer kann sich noch erinnern, als für uns und die Netschetiner der "Musikverein Allendorf" in Netschetin spielte? Und wie waren unsere Reisen nach Marktredwitz, zum Christkindlmarkt, zu den Einkäufen und dem Besuch im Egerland - Musuem? Und unsere Ausflüge, wie z.B. nach Petschau und Karlsbad, oder zu den Konzerten "Musik kennt keine Grenzen? Zu diesen Konzerten fahren wir immer noch, sowie zu den Sudetendeutschen Tagen. Auch machen wir immer noch unsere Mai Andachten und gehen mit den "Osterratschn" am Karsamstag herum. Ich sehe noch heute vor mir die warme Stube im Pfarrhaus, in der wir unsere Adventsfeier machten. In den letzten Jahren gehen wir in das Gasthaus "am Rathaus", aber der "Niklas" kommt immer noch zu uns! Und die Grabpflege im Stift Tepl? Unsere Ortsgruppe war dort heuer schon zum zwölften mal vertreten! Was wäre unsere Arbeit wiederum ohne den Wallfahrten nach Maria Stock bei Luditz und zwar zweimal im Jahr! Unsere Vorfahren sind vor Jahrzehnten dorthin gepilgert und wir machen es heute auch und zwar in egerländer Trachten!
Und wie schön waren unsere "Hutzaaubnde" oder "Fedaschleißn". Der Abend bei "Malas" mit dem leider verstorbenen Seff Heil und der "Schousta Frieda" bleibt bis zu meinem Tod in meinem Gedächtnis als ein wunderbares Erlebnis.
Zum Bundes - Jugendtreffen der "Egerland - Jugend" fahren auch schon jahrelang meine Kinder mit mir und damit wird auch unsere Ortsgruppe vertreten. Wie viele Heimattreffen und hl. Messen hat unsere Ortsgruppen schon für die Netschetiner oder z.B. Gamlinger organisiert! Wer kann sich noch z.B. an die Leserreise hier in Netschetin erinnern, mit dem "Kraut - Tatscha"? Nicht vergessen möchte ich auch die Sozialhilfe, die wir vom "Sozialwerk der Ackermann - Gemeinde" für die ärmsten vermittelt haben. Auch Hilfe von der "Bohemia" für die Kleinunternehmer wurde mehrmals von unserer Ortsgruppe in Anspruch genommen.
Liebe Mitglieder, liebe Freunde,
man könnte lange und lange erzählen, aber das "Erinnern" ist nicht nur für unsere neuen Mitglieder, sondern für uns alle ganz wichtig.


Wo sind wir heute?

Nun was ist aus der kleinen Gruppe der Egerländer, die keinerlei Erfahrungen hatten und die Jahrzehntelang im Kommunismus lebten, geworden?
Die Ortsgruppe Netschetin - Preitenstein hat zur Zeit dreizehn Trachtenträger! Schade nur, daß unser Ansehen vor allem hier in Netschetin kompliziert ist. Und zwar nicht nur dann, wenn wir uns in unseren Trachten zeigen. Netschetin hat in meiner Person den zweiten Vizepräsidenten der "Landesversammlung der Deutschen in Böhmen, Mähren und Schlesien", was das größte Gremium der deutschen Minderheit im Lande ist.
Auf einem Tonträger, dem der BdD-LE herausbrachte, sind auch einige Sachen über Netschetin und Umgebung. Unsere Ortsgruppe hat als einzige! im jetzigen Egerland eine Volkstanzgruppe, die "Malas", die schon mehrere Erfolge verzeichnen konnte. Eine ganz große Sache gelang uns gemeinsam mit der Gemeinde in Netschertin: die Renovierung unserer St. Jakobus - Kirche. Es sind unsere Mitglieder, die das Gotteshaus mit Leben erfüllen und auch z.B. mit egerländer Trachten verschönern. Auch Öffentlichkeitsarbeit wird stark gemacht und zwar auch hier in Netschetin, was einige Artikel in den Zeitungen beweisen.
Wir versuchen mit allen unseren Kräften bekannte Persönlichkeiten nach Netschetin zu bekommen. Und alle fühlen sich wohl und kommen gerne wieder.
Wir sind zwar ein ganz kleiner "Haufen, aber wir sind mit dem Herz dabei!
Und weil alle Egerländer, auch die aus dem östlichen Egerland "dickköpfig" sind, werden wir auch weiterhin unsere Arbeit fortführen! Den das sind wir unseren Vorfahren und auch unseren Kindern bzw. Enkelkindern schuldig!
Zum Schluß möchte ich mich bei allen bedanken, die mir bei meiner ehrenamtlichen Arbeit behilflich waren: an erster Stelle bei meiner Frau und meinen Kindern, die es nicht immer leicht mit mir hatten. Weiter bei meiner Mama, bei der "Gowa Paula", bei meinem Stellv. Vorsitzenden, dem Siroky Franz und vielen anderen, die immer einsprangen, wenn sie gebeten wurden.

Ich bedanke mich für die Aufmerksamkeit, und schließe mit dem Aufruf

"Füar unnna Hoimat alls!"

Moala Richard bei der Begrüßung

Das war der Anfang...

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