AKTUELL
Netschetin,
15 Jahre Vorposten der Egerländer im Osten
( Jahresbericht der OG Netschetin- Preitenstein im Bund der Deutschen -
Landschaft Egerland – BdD-LE)
vorgetragen auf der Jahresversammlung in Netschetin " am Rathaus ",
Samstag den 9. Juni 2007
vom
Måla Richard ( Sulko), Vüarstäiha ( Vorsitzender)
Sehr
verehrte Gäste, liebe Mitglieder!
Heute trage ich
mit einem stolzen Gefühl meinen Jahresbericht vor. Am 14. Februar 1992, also
vor 15 Jahren konnte man in Manetin im Hotel Manetin, was heute nicht mehr
existiert, eine besondere Gruppe der Menschen begegnen: Siebenundvierzig Jahre
nach dem Ende des zweiten Weltkrieges kamen Menschen zusammen, die als Deutsche
in der damaligen Tschechoslowakei nach dem Kriegsende zu Menschen zweiter
Kategorie wurden.
Im Rahmen der
„Organisation der Deutschen in Westböhmen“ haben wir also zwei Jahre nach
der Wende wieder mit einem Verbandsleben begonnen. Das Ziel war das Deutschtum
und die Würde zu retten. Bei der Besichtigung der Anwesenheitsliste von damals,
die vom Horst Süßner aus Marktredwitz gefertigt wurde, kann man sehen, dass für
viele dieser Tag zu spät kam. Ich hoffe, dass man wenigstens einige Jahre den
ältesten Mitliedern Freude machen könnte. Ich habe die Liste vor meinen Augen.
Ich sehe viele Namen, dessen Träger nicht mehr unter uns sind. Unter jedem Namen sehe ich noch deutlich jeden
einzelnen Menschen und ich werde sie auch zu meinem Lebensende mit Sicherheit
nicht vergessen. Wer konnte damals wissen, wie sich die Egerländer aus
Netschetin in 15 Jahren entwickeln werden? Heute weißt man es also. Wie stehen
wir also da?
In der damaligen
Liste stehen 36 Namen. Zum heutigen Tag hat die Ortsgruppe Netschetin –
Preitenstein 33 zahlende Mitglieder. Mit der Hinsicht, dass sehr viele starben
ist das in 15 Jahren ein gutes Ergebnis. Wir leben im östlichen Egerland an der
Sprachgrenze und sind die einzige Ortsgruppe, die auf dem Land arbeitet, und
nicht in einer Stadt. Umso mehr muss ich die Ausdauer aller schätzen, die auch
noch heute dabei sind.
Ich möchte noch
einige Informationen in meinem Bericht erwähnen: Die damals anwesenden
Deutschen wurden Mitglieder der
„Organisation der Deutschen in Westböhmen“, unter der Leitung vom Paul
Matys. Nach einer gewissen Zeit traten wir dem „Bund der Deutschen –
Landschaft Egerland“ bei, der
dank dem Seff Heil für alle Egerländer entstand. Die damalige „Ortsgruppe“
Netschetin führte der Vorsitzende Theodor Bayer. Nach einem Jahr zeigten sich
die Unterschiede zu unserer Arbeitvorstellung zwischen ihm und mir und unserer
Verein teilte sich auf in Netschetin und Preitenstein. Ich wurde damals zum
Vorsitzenden der Preitensteiner gewählt und habe mit unserer Arbeit weiter
gemacht. Ich möchte in diesem Zusammenhang auf unser kleines Begegnungszentrum
erinnern, das wir im Netschetiner Pfarrhaus hatten. Wer kann sich noch an unsere
Adventsfeier in der Kälte erinnern, als wir Glühwein tranken und auf
verschneites Netschetin herunterschauten?
Nach vier Jahren
Trennung genau am 5. April 1997 vereinigten sich die beiden Gruppen wieder und
mit der Arbeit konnte wieder verstärkt bis zu heutigem Tag fortgesetzt werden.
Aus unserem
Mitteilungsblatt, dem „Eghalånd Bladl“ kann man einiges über unsere
Arbeit entnehmen. Deswegen möchte ich nur die wichtigsten Maßnahmen erwähnen,
die von unserem „Bund“ in Netschetin gemacht worden sind:
Der christliche
Glaube ist das wichtigste in unserem Leben. Deswegen gehört aktives
Kirchenleben mit dem „deutschen Akzent“ zu unseren Hauptaufgaben. Ich bin
ganz stolz, dass wir als Partner bei der Renovierung unserer Kirche in
Netschetin dabei sein konnten. Etwa 10 Jahre erklingt auch deutsche Sprache bei
den Gottesdiensten: Lesungen,
Vaterunser und ein Kirchenlied verschönern die hl. Messen. Was wäre die
Wallfahrt nach Maria Stock ohne den Egerländern aus Netschetin? Wo kann
man in Böhmen egerländer Trachten beim Gottesdienst sehen? Nur in
Netschetin. Heuer zu Ostern bekamen wir Verstärkung sogar aus Aussig an der
Elbe! Mit dem Frantisek bekamen wir nicht nur einen Christen in unsere Reihen,
aber auch einen Tänzer für unsere egerländer Volkstanzgruppe.
Und es ist
gerade die Tanzgruppe „Die Målas“, die mit den Kindern die egerländer
Volkstänze für die Zukunft retten. Ein herzliches „Vagelt´s
Gott“ an alle, die mitmachen. Die Leitung diese Gruppe habe ich dem
jungen Ehepaar Richard und Terezie übergeben, ich wünsche auch weiterhin, dass
diese Gruppe lange besteht.
Erhaltung der
egerländer Trachten gehört ebenfalls zu den wichtigen Prioritäten der
Netschetiner. Im Rahmen der Trachtenlehrgängen, die in den letzten Jahre in
Netschetin stattfanden, haben wir einige neue Trachtenteile genäht, oder alte
Trachtenstücke ausgebessert.
Die alljährlichen
Maßnahmen wie Muttertag oder Adventsfeier pflegen wir in Netschetin auch regelmäßig.
Als Gast kommt immer ein Zitherspieler zu uns und damit können auch Egerländer
Volkslieder gesungen und erhalten bleiben. Es freut mich ganz besonders, dass
auch mein Sohn Berti mit einigen „Musikstücken“ mit seiner Zither schon
dabei ist.
Kinder – und
Jugendarbeit ist in jedem Verband ganz wichtig. Es freut mich, dass wir trotz
der Tänzerausfälle immer einen Ersatz finden können. Hier möchte ich einen
Lob an meine Schwiegertochter aussprechen, die in ihrer Verwandtschaft um
Nachwuchs sorgt.
Eine wichtige Maßnahme
wäre ohne der Netschetiner nicht denkbar: die alljährliche Jugendbegegnung in
Tepl mit der Egerland- Jugend. Heuer zum siebzehntenmal fand sie statt und die
Netschetiner Egerländer waren zum sechzehntenmal dabei! Hier gehört ein großer
Dank meiner Frau Irene, die immer alles leitet.
Ein Meilenstein
zum Erhalt unserer Arbeit in Netschetin wurde das Buch „Måla Richard dazühlt“,
was ich zum Jahresende 2006 herausgebracht habe. Wenn man das Buch aufschlägt
sieht man deutlich, dass Netschetin eine große Rolle in diesem Buch spielt.
Dieses Buch mit seinen Berichten ist ein klarer Beweis unserer Arbeit in unserer
Ortsgruppe.
Was wäre ein
Vereinsleben ohne Unterstützung der eigenen Familie. Ich möchte mich bei
meiner Frau, bei meinen Kindern, sowie bei meiner Mama bedanken. Ohne dieser
Unterstützung könnte unsere Gruppe nicht existieren.
Ich könnte noch
vieles berichten, aber das würde den Rahmen meines Berichtes überschreiten.
Ich bedanke mich noch einmal für die Unterstützung und das Vertrauen und ende
mit dem Aufruf
„Im
Eghalånd semma u blei(b)ma aa daham!“
Danke schön für ihre Aufmerksamkeit!
Nach der Begrüßung durch den Vorsitzenden Richard
Sulko wurde das Programm einstimmig bestätigt. In der Totenehrung erwähnte
Sulko zwei Mitlieder, die im letzten Jahr von uns gegangen sind: Anna Stocková
(Kuffner Annl) und Edith Jurinová. Danach trug der Vorsitzende seinen
Jahresbericht vor, in dem er auch in die 15 – jährige Geschichte dieser
Ortsgruppe erwähnte. Nach dem Kassenbericht, den die stellv. Kassenwartin
Elfriede Sulková vortrug, wählten die anwesenden den Wahlleiter und seine zwei
Helfer: Tereza Sulková bekam ihren Ehemann Richard und seinen Opa Rudolf
Waldstein als Hilfe gewählt.
Der Vorstand wurde dann entlastet und die Wahlen
fingen an. Nach der Auszählung der Stimmen ergab sich folgendes Ergebnis:
Vorsitz: Richard Sulko und sein Stellvertreter:
Franz Siroky. Kassierer wurde Frau Irena Sulko, Stellv. Frau Elfriede Sulkova.
Kassenprüfer wurden Tereza Sulková und Rudolf Waldstein. Delegierte zum Bund
der Deutschen sind Richard Sulko und Irene Sulková geworden. Alle wurden
einstimmig gewählt.
Nach dem Abschluss des Wahlen wurde noch das
Programm bis zum Jahresende diskutiert und den Schluss machte dann ein Eisbecher
in der Gaststätte, den 15 Jahre Arbeit in so einer kleinen Ortsgruppe ist doch
ein Erfolg.
M.R.