Horrorfahrt
mit festlichem Mundartabend beendet
(Wandernde egerländer Musikanten in Bad Kissingen 6. 3. 2010)
Richard Sulko
In den Zeiten unserer Vorfahren war es üblich, dass die egerländer
Musikanten immer in der Zeit wanderten, in der sie nicht in der Landwirtschaft
arbeiten konnten. Sie hatten es schwer, da haben wir es heute viel einfacher,
konnte man denken. Diese Zeilen erzählen aber, dass man auch im
einundzwanzigsten Jahrhundert nicht ganz ungefährlich als ein Wanderer an sein
Ziel kommen kann. Die „Arbeitsgemeinschaft sudetendeutscher Mundartfreunde“ lud
an dem ersten März-Wochenende zur Tagung nach Bad Kissingen ein. Und weil auch
der „Bund der Deutschen- Landschaft Egerland“ die egerländer Mundart pflegt,
dazu noch musizieren und tanzen kann, bekam er die große Ehre den festlichen
Abend zu gestalten. Um sechs Uhr morgens startete unser Bus in Prestice, etwa
dreißig Kilometer südlich von Pilsen. Anstatt um sieben Uhr kam er in Plachtin
um acht Uhr an: „Heute werden wir etwas erleben“, sagt mein Schwiegersohn zu mir
und fuhr fort: „wir sind schon zweimal ins schleudern geraten, der Chauffeur
kann scheinbar nicht einen Kleinbus fahren!“ Die Straßenverhältnisse waren sehr
glatt aber ob es so schlimm wird? Schon die Ankunft bei uns war abenteuerlich:
der Bus kam so schnell angefahren, dass er bis an einem dort stehenden Auto
stehengeblieben ist. Rausfahren konnte er ohne unserer Hilfe auch nicht und so
haben wir ihn zu fünf wieder auf die Straße schieben müssen. „Das fängt aber
schön an“, dachte ich, aber der Höhepunkt sollte noch kommen: Nicht mal drei
Kilometer vom Plachtin entfernt kamen wir in die Kurven bei Schwan: auf einmal
stellte sich der Bus auf der Straße quer und rutschte Richtung linker
Straßengraben. Alle haben den Atem angehalten und Richtung Himmel geschaut: Der
Kleinbus sauste in den Straßengraben und der hat ihm einen Schub in die richtige
Richtung gegeben, somit passierten wir die Kurven und vor allem die Brücke
unverletzt und in Fahrtrichtung! Zum
ersten-mal in der Geschichte unserer Ausflüge habe ich zum „Vaterunser“
aufgerufen, was von allen mit großem Dank empfangen wurde. Nun waren weitere
dreihundert Kilometer vor uns, und die Rute führte durchs Fichtelgebirge! So
eine Fahrt haben wir noch nicht erlebt
und als wir um zwei Uhr in Bad Kissingen ankamen, waren wir alle „mit den Nerven
fertig“. Mich erwartete gleich um drei der Vortrag: „Kulturelle Arbeit und
Mundartpflege der Heimatverbliebenen in der heutigen Tschechischen Republik“,
der mit großem Interesse verfolgt wurde. Danach haben noch schnell eine
Tanzprobe gemacht und um halb acht kam unser großer Auftritt:
der „Festabend“. In einem
ein-undhalbstündigen Program boten wir
Egerländer „Mundartstückla“ an, sowie egerländer Volkstanz und Musik. Neben
egerländer Weisen konnten die Zuschauer auch
Konzertstücke genießen, die auf zwei Zithern gespielt worden waren: von der
Bertl Ruzicka und Berti (Adalbert-Vojtech) Sulko. Ein gelungener Abend, der mit
Frau Ruzicka und allen Teilnehmern bis in die späten Stunden dauerte. Die Nacht
schlief ich nicht ruhig, denn es erwartete uns noch die Rückfahrt! Um fünf Uhr
morgens hörte ich die Wettervorhersage und es sollte besser sein, als am
Samstag. Und es war so: ein herrlicher, sonniger Tag erlebten die „Egerländer
wandernden Musikanten“, als sie
heimfuhren. In den Nachmittagsstunden kamen wir alle gesund nach Hause und für
mich gibt es seit diesem Samstag eine neue Stelle, an der ich ein Kreuz mache
und an die Güte unseres Herrn denke!




