AKTUELL

Präsident Klaus und weiße Strümpfe
Feuilleton
Bertl Rùžièka

Oh, das Telefon klingelt! Muss mich beeilen um abheben zu können, denn man will den „Anrufer“ ja nicht warten lassen – oder er könnte inzwischen auflegen und ich würde gar nicht erfahren, wer mit mir sprechen will. Ich befinde mich gerade im Treppenhaus. Ja wenn ich nur wüsste, ob es sich um etwas wichtiges oder sinnvolles geht! Na und wenn nicht? Auf jeden Fall bin ich nun beim Apparat angekommen und hebe ab. Auf dem anderen Ende höre ich unseren Bürgermeister. Blitzartig geht mir durch den Kopf: „Was ist los?“ Wir begegnen uns immer recht freundlich und wechseln ein paar Worte miteinander, auch wenn unsere Parteien ( Er gehört der ODS – Partei und ich der christlichen) nicht viel gemeinsam habe. Er nennt mich immer liebevoll „unsere Oma“. Nun wird er sein Anliegen los: „Wie Sie ja bestimmt wissen, kommt nach Neudek unser Präsident Klaus zu einem kurzen Besuch und ich möchte Sie in Tracht dabei haben!“ Ich zögerte, aber als er mich auf Deutsch bat: „Bitte Sie müssen kommen!“, sagte ich doch das ja. Man begegnet ja den Präsidenten nicht jeden Tag und es ist doch eine Ehre dabei zu sein. Eine Bemerkung musste ich aber trotzdem geben, den ich meine, dass der Präsident die Deutschen nicht recht mag, es wurde mir aber verneint. Nun näherte sich der 11. April 2006, der große Tag! Ich bügle schön meine Tracht, ziehe sie an und schwenke dem Marktplatz entlang bis zur Schule, wo das Oberhaupt  unseres Staates erwartet wird. Am Weg dorthin blieben alle Augen an mir, bzw. an meiner Tracht hängen. Fast hätte ich das Gefühl, dass diese große Menschenmenge deswegen unterwegs ist! Auf jeden Fall war ich schon ein wenig stolz und froh, dass es sich wieder einmal ergab und ich mich in der Kleidung meines Ursprungs in Neudek öffentlich zeigen konnte.

Nun kam der ersehener Augenblick! Der Bürgermeister stellt mich dem Präsidenten Klaus vor: „Das ist unsere Oma in der Egerländer Tracht und eine der letzten ursprünglichen Bewohnern“. Ich ergänzte noch: „Dies ist die Egerer Tracht; das Egerland hatte noch weitere Trachtengebiete: Asch, Mies, Luditz, Chotieschau, Bischofteinitz, Karlsbad und das südliche Egerland“ Die Überraschung war groß. Ich musste noch eine Frage an den hohen Besuch los werden: „Habe ich Ihnen mit den weißen Strümpfen nicht ein Schrecken eingejagt?“ Der Präsident verneinte und ging mit einem Lächeln weiter....

Die liebeswürdige Frau Livie war auch dabei, ich ließ für sie ein kleines eigenhändig gefertigtes Klöppelgeschenk bei der Begleitung. Einer der Herren kam auf mich zu, freute sich über die Egerer Tracht und sagte zu mir: Ich bin auch ein gebürtiger ´Egerer“!  

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