BERICHTE
Lass dich führen.....
( Wallfahrt Maria Stock 1. Juli 2006)
Måla Richard
Nur zwei Worte....
Maria Stock! Einfache zwei Worte. Nur zwei Worte,
die aber über vieles erzählen können. Sie erzählen über den christlichen
Glauben; sie erzählen über
Menschen, die andere Muttersprache sprechen und die
ihre Heimat verlassen mussten. Sie erzählen über Wiederstand gegen
Kommunismus; sie erzählen über freundliche Begegnungen von Menschen, die zwar
andere Sprache sprechen, aber die ein gemeinsamer Glaube verbindet. Sie sprechen
aber auch über Vernichtung, über mangelnde Opferbereitschaft, ja sogar über
fehlende Verpflichtungsgefühle. Wie viele Emotionen dieser heilige Ort weckt
kann der erzählen, der wenigstens einmal diese Stätte besuchte. Ich möchte
mich als Christ verhalten und nicht Themen ansprechen, die manche verletzen könnten.
Diese Menschen sollten nur meine paar Zeilen lesen und nachdenken, denn einmal
stehen wir alle vor dem Schöpfer und würden gerne die Fürsprache unserer „Stoker
Maria“ hören. Und es liegt nur an uns, ob sie uns in diesem wichtigen
Augenblick verlässt, oder nicht. Meine Zeilen sollen über die Zuversicht
zeugen: Zuversicht, die man hat, wenn man sich führen lässt, führen lässt
von unserer lieben Mutter Gottes, von unserer lieben Stocker Maria...
Messe
im Zelt.....
Der
1. Juli 2006: Ein Samstag, der ein neuer Beginn in der Geschichte des
Wallfahrtsortes unserer Vorfahren sein soll. Ich weilte in Deutschland, wo ich
am Treffen der „Egerland- Jugend“ teilnahm. Die Nacht zu diesem wichtigen
Tag konnte ich nicht schlafen: Wie wird wohl dieser Wallfahrt ausgehen? Kommen
die Menschen überhaupt über die nassen Wege dorthin? Wie wird es wohl mit dem
Zelt aussehen, die freundlicherweise die Stadt Luditz und Lubenz zur Verfügung
stellten? Klappt das alles mit dem Pilsner Bischof Radkovsky, der kommen sollte?
Haben wir nicht etwas vergessen? Tausende Frage flogen in meinem Gehirn hin und
her und ich konnte keine Ruhe finden. Nun ist sieben Uhr geworden
und ich muss losfahren. Über Schirnding, Eger und Karlsbad ging es Richtung
Prag. In Buchau musste ich ein Kaffee trinken, denn meine Nerven brauchten ein
Beruhigungsmittel. Nach der langen
geraden von Buchau herunter bog ich rechts ab und es geht über die schlechten
und nassen Straßen immer tiefer in die „Wildnis“. Als ich den letzten
kleinen Hügel langsam überschritt, sah ich am oberen Kreuz das Zelt stehen!
Der erste große Stein viel mir von Herzen. Ich begrüßte mich mit den
Arbeitern die schon ihre Pause hatten und fing an die hl. Messe vorzubereiten.
Bald kamen auch die treuersten Pilger mit dem Bischof und wir konnten beginnen.
Die Prozession führten wir von der Kirche aus. Schon als wir aus dem nassen
Waldweg runter zu der Kirche kamen, erschraken wir über den Zustand des linken
Zwiebelturmes: Ganz auf die Bretter war der Kupferblech abgenommen und sogar
einige Brette fehlten auch schon. Wir machten einen Rundgang um die Kirche und
mit viel Trauer im Herz begonnen wir mit der Prozession. Kurz nach elf Uhr
erreichten wir das Zelt
und die hl.
Messe konnte beginnen. Es war eine rührende hl. Messe. Das Zelt war voll
besetzt und alle sprachen sich nach der hl. Messe dafür, weiter zu machen. Ich
bedankte mich beim Bischof Radkovský und bei der Bürgermeistern der Stadt
Luditz Vojta und der Stadt Lubenz Peterka für die Unterstützung: Nicht nur für
das Graßmähen, sondern auch für die Leihung des Zeltes, wo die Stadt Luditz für
die Miete nachzahlte. Diese große Opferbereitschaft fühlte mich mit einer Wärme:
„siehts du, versuche dein bestes zu tun und lasse dich von der Mutter Maria führen
und es passieren Wunder“.
Lass
dich führen...
Nach der Beendigung der Wallfahrt nahmen wir alle
mit Tränen in Augen Abschied von einander. Man weiß ja nicht, ob man sich
wieder am 1. Mai in Gesundheit trifft. Ich verlies als einer der letzten diesen
heiligen Ort. Ich fuhr langsam über die Feldwege und dachte über alle die
Gaben, die uns die Stocker Mutter Gottes schenkt. Als ich mit offenen Fenstern
durch die zauberhaft schöne Landschaft fuhr und herzergreifende Musik dabei hörte,
konnte ich nicht ahnen, dass ich an diesem Tag noch beschenkt werde. Ich hatte
Hunger und wollte irgendwo essen gehen. Ich dachte nach, wo ich in Egerländer
Tracht gut und in Ruhe essen könnte... Ich befand
mich gerade auf der Straße herunter vom Espentor nach Karlsbad ein als
sich folgende Gedanke meldete: „Fahr doch nach Pirkenhammer, in die Schützenmühle,
das ist der richtige Ort für einen Egerländer, der hungrig ist“. Warum
dieser Gedanke kam, wusste ich nicht, denn ich war noch nie in diesem Haus und
wusste auch nicht, ob man da überhaupt essen kann. Ich bog links ab und fuhr
die alte kurvenreiche Prager Straße herunter. Imperial ragte aus den Wäldern
empor und ich genoss den wunderschönen Ausblick. Ich kam in Pirkenhammer an:
das Haus war aus der Stirnseite renoviert und Gasstätte war offen. Ich setzte mich in den Garten, weil drinnen eine
Hochzeit war. Ich dachte nach: „ was für ein Zeichen: in zwei Wochen
heiratest du deinen ersten Sohn, hoffentlich hilft auch die Stocker Maria, dass
die Ehe gesegnet wird!“. Ich zahlte und wollte in der Rezeption alte
Ansichtskarten kaufen. Die Empfangsdame suchte lange aber konnte nichts finden.
Ich wollte schon gehen aber etwas sagte mir: „warte noch ein wenig, es kann
sein, dass sie doch was findet“. In dem Augenblick öffnete sich die Tür und
eine sympathische junge Frau in Mülleranzug kommt auf mich zu: „was haben sie
denn für eine Tracht an?“ fragte sich mich. Ich gab ihr Antwort und es folgte
ein fröhliches Gespräch mit großem Interesse an unserer Arbeit fürs Egerländer
Kulturgut. Wir versprachen uns sich gegenseitig zu informieren und gingen sehr
freundlich gestimmt auseinander. Als ich in den Wagen stieg und Richtung
Deutschland startete, begriff ich auf einmal die Stimmen, die mich den ganzen
Tag verfolgten. Mit Sicherheit war das unsere Stocker Maria, die mich an diesem
Tag so reichlich für mein wenig arbeiten beschenkte.
Es ist für jeden also bewiesen: lass dich von
unserer Mutter Gottes führen und du bekommst einen Anteil am Glück, was dir
keiner nehmen kann!
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