BERICHTE

35 Kilometer mit Muttergottes auf den Schultern
(Fußwallfahrt nach Maria Stock 5. 7. 2009)
Teil I: Begegnungen: von Tepl nach Theusing
Richard Sulko

 

Übers wallfahren nach Maria Stock wurde schon vieles geschrieben. Diese Zeilen bringen etwas ganz Neues. Dieser Bericht spricht über meine persönliche Leistung, die ich zu Ehren Gottes als Dankeschön und für Bitte für eine gute Sache brachte. Die Idee nach Maria Stock wieder Leben zu bringen hat den Vorsitzenden des Vereines „Unter dem Dach“, Herr Jiri Schierl zu manchen Einfällen gebracht. Die wohl verrückteste Idee ist die Wiederherstellung des alten Pilgerweges, der aus dem Kloster Tepl, dessen Prämonstratenser die Gründer der Kirche in Maria Stock waren, bis nach Maria Stock führt. Beim Juli- Termin im Jahre 2009 sollte die „Vorprämiere“ sein. Nun kam der Freitag, der 3. Juli und ein abenteuerliches Unternehmen begann. Am frühen morgen konnte man in der des Konventkapelle ein besonderes Bild sehen: neben dem Administrator des Klosters, P. Augustin Kováèik, OPraem. war neben meiner Wenigkeit auch Herr Schierl anwesend und zwei weitere junge Pilger. Es wurde eine Kopie des Gnadenbildes hergestellt, in gleicher Größer und auf einem Material, welches Stoff darstellt. Diese Kopie wurde nach kurzer Andacht gesegnet und an das Original angelehnt. Nun konnte das pilgern anfangen. Unsere Vorfahren hatten es mit der Arbeitszeit bei Wallfahrten ein wenig einfacher. Wir im einundzwanzigsten Jahrhundert haben ein wenig anders „strukturierten“ Arbeitseinsatz und deswegen wählten wir an dem Arbeitstag nur einen kleinen Rundgang ums Kloster. Ich verabschiedete mich und versprach am Samstag in Neschichau/Nežichov (Pilgerkilometer 14.7) rechtzeitig zu sein. Ich wusste in dem Augenblick nicht, was ich versprach, aber wenn ein Egerländer etwas verspricht.... Samstag, der 4. Juli 2009, 8:30 Uhr: ich stehe auf dem „Marktplatz“ in Neschichau uns suche nach Pilgern. Ich bin alleine. Auf einmal kommt ein schwarzer Ford gefahren und aus ihm steigt eine fesche, sportliche junge Frau aus: „Ich heiße Ivana Weilguny und bin praktische Ärztin in Theusing.“ Nun waren wir zwei, aber der „Erfinder“ dieser Wallfahrt war nicht da. Nach einem Anruf bestätigte er: „Ich bin mit dem Bild in zwanzig Minuten da!“. Um etwa halb zehn waren wir komplett. Schon in Neschichau fand die erste Begegnung statt: die Inhaberin des „Ökobetriebes“, Frau  Kamila Prchlová

begrüßte uns und es ging los. Das erste Foto wurde vor Neschikau gemacht, mit dem Blick auf die fast zerstörte St. Blasius – Kirche. Nun ging es übers Feld nach Tscheboun/Tøebouò. In Tscheboun erlebten wir zum ersten mal, wie Mutter Gottes die Pilger begleitet und Wunder schenkt: als wir zu der Barockkapelle der “Schmerzhaften Muttergottes“ auf dem Marktplatz kamen, kamen etwa zehn Bewohner zu uns: „wir haben den Schlüssel, wollt ihr die Kapelle aufmachen?“. Nun waren wir drin und fing mit der Andacht an. Beim Gesang vom Marienlied „Máti Pánì pøesvatá“ hörte ich auf einmal eine schöne Stimme aus dem Eck: ein scheinbar Behinderte kannte den Text auswendig und singen konnte er auch. Was für ein Zeichen! Das zweite Wunder war die Begegnung mit Frau Hlavácková sie lud uns zum „Kaffeetrinken“ ein. Sie kam nach dem zweiten Weltkrieg bis aus Frankreich und hat eins der Häuser in Maria Stock besiedelt. Anfang der Fünfziger musste sie das Dorf wieder verlassen und landete in Tscheboun. Verstärkt mit Kaffee und Bier gingen wir zwei: ein Manager, dessen einzige Bewegung die mit der Computermaus ist und eine „Top- Sportfrau“ mit dem Bild der Gottesmutter an unseren Schultern, los. In den Wäldern um den „Tschebouner Berg“ (834 Meter übers Meerspiegel“) machten  wir die erste Rast. Auch haben wir uns dort zum ersten Mal verlaufen. Erst im zweiten Versuch, mit dem „Handy-lotsen“ fanden wir den blau-weiß-blauen Weg wieder. Ein weiteres Gotteszeichen erlebten wir bei den „Sedlo- Teichen“, am Waldesrand, bei der Kapelle- Ruine: obzwar Regen fürs ganze Wochenende angesagt wurde, marschierten wir zwei im Sonnenschein. In dem Augenblick, als wir scheinbar zu hochmutig geworden sind, bekamen wir einen „Denkzettel“:  ganz in der Nähe schlug ein Blitz in den Wald hinein. Schnell alle Metallsachen wegwerfen und sich „hockend“ in Schutz nehmen. Der „Vaterunser“, den wir in dem Augeblick beteten, war wirklich  aus der Seele gesprochen. Wie bei einem Wunder zogen die Gewitterwolken von uns weg und wir tauchten in die Wildnis unter. Grass und Gewächs hoch bis zum Kopf, Bäume über den Weg liegend: nur mit größter Mühe brachten wir das „Muttergottesbild“ nach Sattl (Pilgerkilometer 28). Bei Familie Kveton, auch ein „Ökobetrieb“  ruhten wir uns aus. Nun ist es Nachmittag geworden und schwarzen Wolken näherten. Es viel die Entscheidung den Rest des Pilgerweges mit dem Auto auf den Straßen bis Theusing zu absolvieren. In Schöntal beteten wir vor dem St. Laurentius Kirchlein und fuhren weiter nach Pröles , wo wir wieder sehr gastfreundschaftlich von dem Ehepaar Siroky empfangen wurden. In dem spätgotischen Kirchlein, welches dem St. Bartholomäus geweiht ist, erlebten wir wieder eine kurze Andacht. Nach der Andacht schauten wir uns ein wenig um und ich fand in den Wänden Bohrungen. „Die Kirche soll trockengelegt werden?“ fragte ich den Schierl. „Nein, das sind Reste der vorbereiteten Sprengung des Gotteshauses!“ war die Antwort. „Sie stand den neuen Bewohnern in der Aussicht“.  Scheinbar ist das die einzige Kirche, dessen Sprengung im letzten Augenblick verhindert werden konnte. Bei Pröles steht auch ein interessantes technisches Denkmal: Wehrmacht – Radarstation „Egerling“ aus dem zweiten Weltkrieg. Den letzten Halt vor Theusing machten wir in Uitwa.  Zur Uitwa binden mich persönlich zwei Sachen: nicht nur hat zur Uitwa der erste Vorsitzende des „Ernst Mosch- Klub“ Deutschland Beziehung, sondern mein Großvater mütterlicherseits Richard Beinl ist in Uitwa geboren. Bei der Andacht am dortigen Friedhof musste ich jedoch feststellen, dass die deutschen Gräber weg sind, bis auf das Grab des Dechants Franz Sal. Pokorny, erzb. Konsistorialrat. Jubelpriester aus Uitwa. Nun kamen wir um etwa sechs Uhr nach Theusing. In der dortigen „Maria Geburt“ Kirche beteten wir die letzte Andacht und sangen Marienlieder. Ganz schön erschöpft nahmen wir gerne die Einladung zu der Familie Weilguny wahr, die im Gebäude, wo die Ärzte sind ein „Erfrischungsklub“ eingerichtete. Nach einer ausruhender Stunde, bei Musikbegleitung ging der zweite Pilgertag zu Ende. Was bringt uns der nächste Tag?

Kilometer mit Muttergottes auf den Schultern
Teil II: Dreimal über die Schnella

Wallfahrtstag, 5. Juli 2009, 4:00 Uhr morgens. Mit „krankem“ ganzen Körper „kraxle“ ich aus dem Bett. Nach kleinem Frühstück schnell ins Auto, denn um 5 Uhr ist der Start. Kurz nach fünf stehe ich vor der Theusinger Kirche. Meine Weggefährtin Ivana steht schon da, nur der „Autor“ des Pilgerweges muss per Handy geweckt werden. Nach kurzem Gebet geht es los. „Mit der Hinsicht, dass ich um 10.00 Uhr die Prozession in Maria Stock anführen muss, bitte ich dich ein wenig schneller zu marschieren“, sagte ich dumm der Ivana. Und es geschah: in einer Stunde waren wir mit dem Bild, getragen auf den schmerzenden Schultern, im acht Kilometer entfernten Lachowitz. Kurze Pause und es ging los, in die Wildnis. An der Mutter – Gottes Wallfahrtskapelle aus dem Jahre 1764 (oder besser gesagt was aus ihr geblieben ist) links abgebogen und es geht runter, den alten Hohlweg entlang, bis zu der Schnella. An der alten Mühle (wiederum nur Reste) überqueren wir eine gefährliche Fußgängerbrücke und sind auf einmal in einem Indianerlager. Es ist um sieben Uhr und alle Pfadfinder, samt Häuptling schlafen noch. Wir kommen zu Wald und die Wegbezeichnung ist auf einmal weg. Wir laufen hin und her, aber können nichts finden. Ein Handy – Anruf rettet  uns: „ihr müsst weiter gegen Flussstrom laufen“ und erst dann den Berg hochklettern“ erklärte uns Jiri. Nun müssen wir über diese abenteuerliche Brücke noch einmal mit dem Bild gehen! Unsere Hosen und Schuhe sind schon durch und durch nass. Wenn jemand ausrutscht, bringen wir kein Bild mehr nach Maria Stock! Wie mit „vollen Hosen“ schieben wir wie eine Schnecke über der hölzernen Bau.  „Das war der schlimmste Wegabschnitt“, einigten wir uns und marschierten zu der „Tomschmühle“ weiter. Wehr hatte wohl gedacht, dass es noch schlimmer kommt? Das „Instrument zum überqueren der Schnella“ bei dieser im Jahre 1945 „verlassenen“ Mühle waren nur drei schmale Baustämme, davon der eine zerbrochen und nur mit einer Kramme zusammengehaftet! Diese dritte Überquerung der Schnella war schon das mehrfache Wunder, welches wir bei dieser Wallfahrt erlebten. Nun kamen wir gesund, aber schön nass um acht Uhr na Zoboles. Dort erlebten wir ein weiteres Wunder: bis aus dem Erzgebirge, aus Bergstadt Platten  kam ein junger Vater mit seinen zwei Töchtern um mit zu marschieren. Die letzten vier Kilometer waren nicht mehr so anstrengend, auch wenn wir immer „rauf und runter“ mit dem Bild „klettern“ musste. Nun sind wir den letzen Abschnitt, von der Schnella hoch, über eine wunderschöne Wiese hochgeklettert und auf einmal sahen wir sie: die Spitzen der Maria Stocker- Kirche! Alle Schmerzen vergessen liefen wir zum Kreuz. Es war 9.15 Uhr! Als wir endlich das Bild an die Reste des Kreuzes anliegen wollten, staunten wir: Es stand  ein ganz neues Kreuz da! Ein weiteres Wunder, sowie die Pilgerzahl: etwa 150! Kurz nach zehn Uhr begann ich mit der Deutsch- Tschechischen Prozession. Zehn Minuten vor elf Uhr kamen wir in die Kirche hinein, das „Maria Stocker Wallfahrtslied“ singend. Die Kirche war schön geschmückt und P. Agustin, OPraem., der Hauptzelebrant aus dem Stift Tepl erwartete uns schon. Bei dem Beginn des Gottesdienstes bedankte er sich für die Hilfe beim Verein „Unter dem Dach“, bei den „verbliebenen Deutschen“ und bei allen, die diese Aktion vorbereiteten. Ich war froh, dass ich meine vor allem trockene Tracht anzog, ansonsten  würde ich mit Sicherheit erkältet sein. Ein wunderschöner Gottesdient, mit Weihrauch und Kopie des Gnadenbildes, welches als einziges wusste, wie viel Mühe es kostete um in Maria Stock auf dem Altar hängen zu können.

 

Lieber Mutter Gottes: Du hast wiederum, wir schon Jahrhunderte die Bitten Deiner Pilger erhört! Wir danken dir aus ganzem Herzen und bitten ich „Lasse uns wieder im nächsten Jahr zu Dir kommen!“

Zum Schluss: Die Kollekte war: 7.062,- Kronen und 218,- Euro. Vagelt´s Gott.

Auch Erfrischung und Musik konnten die vielen erleben, die an diesem wunderschönen Sonntag nach Maria Stock kamen. Wir freuen uns schon aufs nächste Jahr!

im Kloster Tepl mit P. Augustin in der Mitte

bei Neschikau, v.l.: Fr. Weilguny, Hh. Sulko, Schierl

Kirche in Pröles

in der Tscheboner Kapelle

Vor dem Altar in Theusing

bei Theusing, 5.00 Uhr

ohne Kommentar...

Prozession in Maria Stock

 

 

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