BERICHTE
Neues
Blut zu Ostern 2007
Måla Richard
Ostern.
Acht Tage, an den Christen auf der ganzen Welt auf das Leiden und Auferstehung
Christi von den Toten erinnern. Wie feierten diese Tage Egerländer aus
Netschetin? Den Anfang macht der Palmsonntag. Mit „Pollerlen“ ausgestattet
eilen wir in unsere St. Jakobus- Kirche, die hoch über Netschetin emporragt.
Die Passion wird bei uns immer von zwei Personen gelesen: unser Pfarrer Liska
liest die Worte Jesu und ich habe die Ehre die restlichen Texte vorzutragen. Es
ist immer sehr aufregend, den versammelten Gläubigen das Leiden Christi so
darzustellen, damit sie ihren Glauben mit der Hinsicht auf das Blut, was unser
Herr für uns verflossen hat, verstärken. Eine Woche später kommen die
wichtigsten Feiertage: Karfreitag, Karsamstag und der Ostersonntag. Wie kann man
als Egerländer diese Festtage erleben und dazu noch unser Kulturgut retten?
Eine Frage, die mich jedes Jahr einholt. Man muss sich immer einiges einfallen
lassen, damit die langjährige Arbeit für unser Kulturgut an einem schönen Tag
nicht mehr weg ist. Nach dem sich mein frisch verheirateter Sohn um seine kranke
Frau kümmern musste und Kinder meines Bruders nicht zum „ratschn“ kommen
konnten, ist die Gefahr, dass nur ich mit meinem Jüngsten Sohn „auf
ratschngehen“ ginge, nahe gerückt. Auch in solchen Fällen hilft aber unser Herrgott, wenn er einen guten
Willen und den tiefen Glauben sieht. Bis aus Aussig an der Elbe kam ein „neues
Blut“ zu unserem „ratschn“: Frantisek, unser neuer Mittänzer, der seine
Bekannte Olga, die wiederum aus dem Chodenland stammt mitbrachte! Beide hatten
ihre Trachten
mit und damit erwarteten
uns tolle Tage. Am Karsamstag starteten wir um etwa halb neun, nach dem ich die
Beiden aus dem Preitensteiner Schloss nach Netschetin brachte. Es folgten fünf
Stunden “Ratschngang“ bis nach Plachtin. Bei mehreren Mitgliedern und
Bekannten wurden wir beschenkt und
bei mehreren Kapellen und Wegekreuzen beteten wir den Angelus für viele
Menschen. Nach einer Stärkung bei „Målas“ gingen unsere Wege nach
Rabenstein an der Schnella, wo um sechzehn Uhr der Kreuzweg mit unserem Pfarrer
Frantisek Liska stattfand. Wir erinnerten uns an dem Nachmittag an den Tod Jesu
und stimmten uns auf den nächsten Tag ein. Es war ein wunderschöner sonniger
Sonntag, an dem ich meinen Gästen meine Heimat zeigen wollte. Es kam aber
anders: meine Frau musste nach Pilsen zum Zahnarzt gebracht werden und damit wurde aus
der Besichtigung nur ein kleiner Besuch auf der Burgruine Preitenstein. Nach dem
Mittagessen zogen wir alle unsere Trachten an und der lang erwartete Höhepunkt
war da: Hl. Messe mit unserem Pfarrer Liska im gut besuchten Gotteshaus. Mein
Sohn Richard „dampfte“ schön mit dem Weihrauch ein, unser Gast Frantisek
las die erste Lesung und gemeinsam mit der Olga brachten sie die Opfergaben. Ein
wunderschöner Gottesdienst, nach dem wir alle gemeinsam voll duftende Trachten
ins Wirtshaus „am Rathaus“ unser Familientreffen feierten. Was könnte man
zum Schluss sagen? Mit der Treue an unserem Glauben, mit Freundlichkeit, Nächstenliebe
und dem Festhalten an unseren Traditionen haben wir eine wunderschöne Zeit
erlebt, aus der „ich die nächsten zwei bis drei Monaten Freude schöpfen
werde“, wie es der Frantisek aus Aussig zum Ausdruck brachte.
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