BERICHTE
Prioritäten
Feuilleton
Richard Sulko
Januar 2009:
die Wirtschaftskrise ist voll im Gange. Obzwar unsere Politiker meinten: „unsere
Banken sind gesund“ und weiter: „wir werden von der Finanzkrise nicht wie die
Amerikaner getroffen“, sieht die Realität ganz anders aus. Glassindustrie liegt
„auf den Knien“, der Porzellan-Industrie geht’s auch nicht besser und die
restliche Wirtschaft in Böhmen, Mähren und Schlesien? Mit 60% Anteil an
Automobilindustrie ist der „Produktionsindex“ um 20% gegenüber 2007 gesunken.
Politiker und Menschen, die meinten: „wir sind ja für die Investoren
interessant“ und weiter: „wir verdienen ja viel weniger als ´Skopcaci´; die
sollen froh sein, dass sie uns als Lieferanten haben“, begreifen langsam, wie
eine freie, globale Wirtschaft funktioniert. Einen gesunden Wettbewerb zwischen
Deutschen, Juden und Tschechen gibt es seit der Vertreibung 1945 nicht mehr,
ganz schweigend über die „Kaiserliche Ordnung“, die wir 1918 mit großem Jubel
verabschiedeten. Die Märkte, die in Jahrhunderten entstanden sind, haben wir
spätestens im Jahre 1948 auch verloren. Die Möglichkeit sich durch
Bekanntschaften in der kommunistischen Zeit, oder durch „Privatisierungen“ nach
der Wende im Jahre 1989 zu bereichern, gibt’s es heute nicht mehr. Jetzt kommt
es nur darauf, was für eine Leistung mit entsprechender Zuverlässigkeit ich für
einen fairen Preis anbieten kann. Heute zeigt sich in voller Nacktheit, welche
Entwicklung das Mehrheitsvolk in neunzig Jahren der Republik genommen hat. Der
Druck der Wirtschaft wird einige Köpfe zur Vernunft bringen, aber eins soll
dabei nicht vergessen werden: Den christlichen Glauben, der als Gleichgewicht in
den schwierigsten Zeiten den Menschen half, haben wir auch 1918 gemeinsam mit
den „Habsburgern“ weggeschafft. Die vierte Generation der Menschen, die in
Böhmen leben, haben die Prioritäten ganz anders eingestellt: Egoismus und der
Slogan: „nur den heutigen Tag überleben“, weisen auf die total zerstörte Seele
des Volkes hin. Die Christen, die in der Diaspora leben und auf die keiner mehr
gehört, können nur eins: in ihren Familien an dem Glauben festhalten und für die
anderen beten: „Heilige Wenzl: bitt für uns und unser Volk, damit wir nicht
umkommen!“, Amen.