BERICHTE

Egerländer ritt ein Kamel
( Das 56. Internationale Folklore - Festival in Strážnice 2001)
Mala Richard

Jedem, der in Böhmen lebt, ist seit Jahrzehnten ein Begriff bekannt: "Internationales Folklore - Festival in Stráznice". Einmal im Jahr findet in dieser mährischen Stadt, nicht weit weg von der slowakischen Grenze, ein großes Treffen aller, die sich um Volkstum interessieren statt. Nur die besten können auf mehreren Bühnen in dem Schloßpark von Stráznice ihr Können zeigen. Seit mehreren Jahren organisiert der Leiter der dortigen "Folklore - Einrichtung", Dr. Jan Krist auch ein Programmpunkt, der "Heimat" heißt. Zum erstenmal bekam auch der "Bund der Deutschen - Landschaft Egerland" die Möglichkeit sich zu präsentieren. Da wir zu wenig Tanzpaare sind, bekamen wir das Angebot von den "Profis" aus Mährisch Trübau, der "Schönhengster Tanzgruppe", unter der Leitung von der Irene Kunc. Obzwar die zwei Tanzproben in Mährisch Trübau sehr anstrengend waren ( es waren insgesamt fast 2000 Kilometer zu fahren und die Jüngsten sind wir ja auch nicht mehr), zeigte sich, daß man doch gemeinsam was auf die Beine stellen kann, auch wenn die zwei Gruppen ganz anders arbeiten. Man muß sich eben nur ein wenig beherrschen und einen guten Willen zeigen. Und so fuhr der "Egerland - SKODA" gegen Mittag, am Freitag, den 22. Juni Richtung Bratislava ( Preßburg) voll geladen mit den "Malas" los. Gegen fünf Uhr waren wir in Hodonin, wo wir unser Hotel hatten. Schnell einquartieren und es geht los nach Straznice. Dort wurde das Treffen mit den Tanzkollegen ausgemacht. Schon bei der Ankunft konnte man sehen, daß das Fest für die Stadt ein großes Erlebnis ist. Vor jedem Haus stand ein kleiner "Maibaum" und in sehr vielen Häusern wurden die Garagen aufgemacht und Wein ausgeschenkt. Das interessanteste für unseren Berti war aber vor dem Eingang in die Alle zum Schloßpark zu sehen: Eine Karawane von zwei Kamelen und vier Pferden. Da sich unser kleiner Sohn auch um Ägypten interessiert, wußten wir sofort, war er vom "Tata" haben will. Die Idee war zwar nicht gerade billig, aber war das nicht zum erstenmal in der egerländer Geschichte, daß ein kleiner Egerländer in Tracht ein Kamel beritt? Nun stärkten wir uns alle in der Kantine und gingen in den Park, wo wir auf dem Betonparkplatz eine Stunde übten. Dann ging es zu der Eröffnung des Festivals und danach fuhren wir ins Hotel zurück. Ich kenne dieses Hotel schon über ein Jahr. Das Schicksal wollte, daß ich gerade vor einer Woche in demselben Hotel untergebracht war. Die Bedienung war freundlich und so freute ich mich schon auf mein Brünner Bier und einige Leckerbissen. Wie tief enttäuscht ich über die mährische Gastfreundschaft war, könnt Ihr in den nächsten Zeilen lesen. Wir kamen um etwa zehn Uhr an. Ich wollte noch wenigstens eine kalte Platte essen, aber es wurde mir sehr deutlich gesagt, daß die Küche schon geschlossen sei ( vor zwanzig Minuten bekamen die Gäste noch ihr warmes Abendessen). Ich konnte nur noch zahlen, sich in der Rezeption ein Bier in der Dose kaufen und es am Zimmer austrinken. Die Nacht war sehr hart. Nicht nur, daß ich sehr nervös wegen dem Auftritt war, nein, jemand hat nämlich bis in die frühen Stunden kracht gemacht und dazu hat noch irgendein Ventilator die ganze Nacht gelärmt. Nach dem ich am frühen Morgen eine Dusche nahm, freute ich mich schon auf den morgendlichen Kaffee. Wir kamen im Frühstücksraum an und staunten: für uns war nur Tee vorbereitet. Ich wartete, bis das Fräulein kam und bat um Kaffe und Orangensaft. "Ich habe keine Zeit" war ihre Antwort. Da fängt der Tag aber gut an, dachte ich nach und machte dem Hotel einen Schwarzen Punkt. Wenn das Hotel einen zweiten bekommt, kommt es bei mir auf eine schwarze Liste und es wird in ihm nicht mehr übernachtet ( wenn man aber i einer Stadt überhaupt ein besseres Hotel findet). Nach Stráznice fuhren wir gemeinsam mit dem Bus aus Mährisch Trübau. Als wir ankamen, marschierten wir gleich zu den Proben. Den ganzen Vormittag wurde geprobt. Wer von den Leseren mal versucht hat, als Angestellter mit vierzig Jahren hintereinander dreimal die "Kurnauer Duarl" zu tanzen, der weiß, worüber ich schreibe. Wenn wir uns mühevoll in unseren Trachten durch die Menschenmenge zum Mittagessen hinschleppten, wußten wir noch nicht, daß es noch viel schlimmer kommt. Um halb drei war die Aufstellung zum Umzug. Wir holten unsere "Erkennungstafel" aus dem Bus und es ging zur "Startposition". Über zwei Kilometer mußten wir laufen. Die ersten Blasen bildeten sich auf unseren Füßen schon nach einigen Metern und das ganze Programm war noch vor uns! Der Umzug dauerte dann über eine Stunde und als wir auf dem Podium am Marktplatz ankamen, wo wir uns der Bevölkerung zeigten, waren wir schon "Krankenhausreif". Es war aber sehr erfreulich, daß mehrere Gäste, vor allem aus Deutschland die Egerländer erkannten und wirklich gerührt waren. Über einen kleinen Zwischenfall muß ich aber doch berichten. Wie ich schon erwähnte, hatten die meisten Menschen, die entlang der Hauptstraße wohnen, ihre Garagentüre offen und baten den erschöpften Mitwirkenden Wein an. So hat es auch ein älterer Herr bei den Tänzern vor uns gemacht, bis im auf einmal unser Tafel ins Auge fiel: "Co to tu máte napsaný, dy to není èesky" ( was habt ihr den hier aufgeschrieben, das ist doch nicht tschechisch) sprach er mich an. Ich erklärte ihm, wer wir sind und von wo wir kommen. Darauf hatte er sofort eine Antwort: "Cheb je náš!" ( Cheb ist unser!). Darauf erklärte ich ihm noch einmal, daß wir die deutsche Minderheit im Lande sind. Seine Antwort war für mich schockierend: "Tak to jste vy, ty zazobaný Nìmci!" ( Daß seid also als Ihr, die steinreichen Deutschen!). Und er wendete sich von mir weg und ich bekam keinen einzigen Schluck von seinem Wein, der sicher gut war. Ich bin das schon gewohnt, aber in diesem Gebiet war es doch eine Überraschung. Es war aber der einzige Zwischenfall, den wir erlebten. Es zeigte sich aber wieder ganz deutlich, wieviel Arbeit alle guten Menschen noch machen müssen, damit diese Haß - oder Neidgefühle aus der tschechischen Bevölkerung verschwinden ( hiermit ist auch die Mährische und Schlesische gemeint). Wir kamen also halb "g´freckt" ins Amphitheater. Es war noch eine Stunde Zeit, bis zum großen Auftritt. Wir holten uns "Gyros", eine griechische Spezialität, tranken ein Bier und es ging los. Mit einer Fanfare wurde unser Teil, die "Heimat" eingeleitet. Wir waren mitten im Programm plaziert. Es war erstaunlich, wie viele Minderheiten in der Tschechischen Republik ihr Kulturgut pflegen und auftreten können: Romas, Ukrainer, Juden, Griechen, Ungarn, Slowaken, Kroaten und wir Sudetendeutsche, aus zwei Gebieten: aus dem Schönhengstgau und dem Egerland. In unserem Programm, daß etwa 7 Minuten lang war, zeigten wir mehrere Tänze, die aus dem ganzen Gebiet der CR kamen. Der Auftritt war ein Erfolgt. Wir tanzten mit einem Polka - Schritt aus dem Podium und waren alle erleichtert. Der Abend gehörte dann der mährischen Kultur. An jeder Ecke standen Musiken, Würste wurde gegrillt und Bier oder Wein ausgeschenkt. Ein schöner Abend, der eigentlich in der Hotelbar für uns Erwachsener enden sollte. Wen wir aber die freundlichen "G´sichte" der Bedienung sahen, kauften wir uns lieber wieder "Dosenbier" und gingen aufs Zimmer. Dort schmierten wir die Beine ein, die wir nicht mehr fühlten und halb tot fielen wir ins Bett. Sonntagmorgen: als wir zum Frühstück kamen, sahen wir sie auf einmal: unsere "Frühstückswurst". Ein "Knacker", der sicher schon eine halbe Stunde auf dem kalten Teller lag. Zu unserem Tisch setzten sich zwei junge Herren von der polnischen Minderheit. Der eine hat nicht gemerkt, daß sein "Frühstücksding" am gegenüber liegendem Platz war. Und in dem Augenblick begann ein richtiges "Gefecht" zwischen einem Gast und der Bedienung: "Nechci vám do toho kecat, ale stydne vám tu párek" ( Ich will ihnen nicht hinein quatschen, aber ihr Wurst wird kalt) fing die Kellnerin mit ihrem nicht den ersten Angriff an dem Morgen an. Ganz erstaunt schauten wir uns an. Die jungen Polen schlugen gleich zurück: "To máslo je prošlý" ( Bei der Butter ist das Verbrauchsdatum abgelaufen)! "To máslo má pøeci nìjakou záruèní dobu néé? ( Die Butter hat doch eine Garantiezeit, oder?) war die Blitzantwort der jungen Dame, ohne daß sie das Datum geprüft hat. Dann merkte sie, daß die "blöden" Gäste Recht hatten und brachte Rama, die frisch war. Aber eine "Niederlage" sollten doch die Hotelgäste erleben: "Já vás nechci vyhazovat, ale v devìt hodin pøijde polský zájezd na snídani" ( Ich will euch nicht rausschmeißen, aber es kommt eine polnische Gruppe zum Frühstück). Damit war unser Aufenthalt in diesem Hotel für immer erledigt. Wir packten unsere Sachen ins Auto und fuhren weg. Da ich ein Christ bin, muß ich immer wenn es geht, zur heiligen Messe gehen. Wir parkten unser Auto gegenüber dem Schloßpark und gingen in die Kirche. Die hl. Messe war ein großes Erlebnis. Eine Gruppe aus Finnland sang bei der Messe ein wunderschönes Maria - Lied und die Kirche war so voll, daß mindestens hundert Gläubige stehen mußten. Nach der Kirche ging es wieder ins Amphitheater, wo die schönhengste Gruppe im freien Programm noch den "Bändlertanz" aufführte. Nach dem Aufritt wurde der Leiterin der Gruppe noch ein "Diplom" überreicht und damit war für uns der Auftritt und das sehr schöne aber anspruchsvolle Wochenende zu Ende. Nach dem Mittagessen starteten wir unser "Eghaland -Auto", zogen uns auf dem nächsten Parkplatz im Wald um und nach fünf Stunden kamen wir alle wieder gesund nach Hause an.

Mährische Trachten

Bild mit dem bekannten Schauspieler Vacek

unser Gruppenbild

Tanz beim Umzug

Berti und Kristine

vor dem Schloß in Stráznice

ein schönes Paar

Bändlertanz

Griechen und ihre Pyramide

Diplom wird überreicht

Skejusan aus Komotau

Mährische Jungs

Maria - Kirche

 

Es kamen sehr viele Zuschauer

Ich bin das erste Kamel, das von einem Egerländer beritten wurde!

vor der Kirche

Howansook

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