BERICHTE

Heiden trågn ma furt u an Christan bring ma ham.
(Egerländer Taufe 2009)
Måla Richard
 

Heutzutage ist ein Leben mit den Sitten und Bräuchen unserer Vorfahren schwierig. Nicht  nur deswegen, dass man „nua(r in latta Hetz lebn“, sondern weil sich der Lebensstil total änderte. Wenn man noch als Christ heute leben will, ist es umso mehr anspruchsvoller. Ein reiches, vollerfülltes Vereinsleben kann aber dagegen wirken. Diese wahre Geschichte erzählt über ein kleines Wunder, das nach mehreren Jahrzehnten im Egerland passierte und kann als Beweis dienen, dass man mit einem starken Willen und Gotteshilfe viel erreichen kann: Mein erster Sohn lebt in einer christlichen Ehe und als das junge Ehepaar sein erstes Kind bekam und das sechs Wochen alt wurde, kam die Taufe ins Gespräch. Als Opa kam man nur zuschauen, aber es wurde so ein schönes Erlebnis draus, das ich mit den Lesern teilen will. Zum Taufpaten wurde unser Mittänzer Frantisek aus Aussig ausgewählt. Und er, der an den alten Sitten der Egeländer festhält, hat das Amt mit größter Verantwortung und Liebe übernommen. Mit seinen großen Stiefeln kam er nach vierstündiger Reise mit dem Zug endlich in unserem „Målashaus II“ an. Nach dem wir in der Küche mit einem „Stamperl“ an den Kleinen dachten, sprang auf einmal ma(n Wei(b auf: „Du – und schaute mich an, wer hat den das Heu ins Flur eingetragen?“ Da wurde der Frantisek rot in seinem Gesicht und fang an zu beichten: „Na, eigentlich wollte ich meine Stiefel wegen der Kälte mit Stroh ´ausfüttern´, aber ich konnte keins finden, deswegen Heu“.  Die „Strapaze“ mit dem Heu wurde aber gleich vergessen, als er seine „Taufschleife“ aus seinem Koffer herausnahm: über einen Meter lang und wunderbar geschmückt wartete sie auf das Kleinkind. Die zweite Überraschung war das Taufkissen, was mit einer „Geheimtasche“ an der Rückseite so allerlei Gegenstände beinhaltete: einen „Wallensteintaler“, einige Heilbilder, sowie auch gültiges Geld. Nun könnte es losgehen: Pfarrer Liska, der wegen seiner Krankheit nicht mehr nach vierzehn Jahre bei uns in Netschetin hl. Messen dienen kann, wurde in Pilsen abgeholt. Der Opa und Taufpate in Tracht eilten in die Kirche um alles vorzubereiten. Es war ein ganzer Gottesdienst, mit dem das Kind in die „Christliche Familie“ aufgenommen wurde. Ein gemütliches Beisammensein im Gasthaus „am Rathaus“  krönte den Tag. Der Kleiner war sehr brav und am meisten hat er seine Äuglein aufgerissen, als es auf dem Wirtshaustisch das „Taufkissen“ auf sein Bäuchlein spürte. Der stolze Taufpate segnete ihn noch einmal und sprach den berühmten Satz: „Einen Heiden trugen wir fort und einen Christen bringen wir nach Hause“. Danach fischte er noch die Gaben aus dem Kissen heraus und der „offizielle“ Takt war beendet. Mit viel „Böia“ haben wir dann den „Kleinen“, der schon mehr als sechs Kilo wog, begossen. Hoffen wir doch alle, dass das geweihte Plachtiner Wasser aus unserem Brunnen  und unsere Gebete dem Richardl das Leben voller Segen bringen wird. Eins würde mich interessieren: wie und wann und mit welchen Sitten eine echte Taufe bei den Egerländern durchgeführt wurde. Ob ich das einmal erfahren werde? Es kommen ja wenn Gott will weitere Enkelkinder und man will ja beim nächsten mal noch besser sein?

   


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