BERICHTE

Mit Kampf beendet
(17. und letzte Jugendbegegnung in Tepl)
Måla  Richard

die Arbeit ist getan!repariertes Dach an der Gruft, weggeräumte Baum

Was alles in den Jahren geschah...

Christi Himmelfahrt 2007: der alte Klosterfriedhof des Stiftes Tepl bei Marienbad wacht nach einem Jahr wieder auf. Warum werden alle die Bienen, Wespen, Hornisse, Eidechsen, Vögel, Frösche und viele andere Tierarten aus der Ruhe gebracht?

Die Egerländer Jugend kommt!
Aus mehreren Orten Deutschlands und Böhmens kamen Nachkommen der Egerländer um den alten Friedhof wieder in Ordnung zu bringen. Diesmal sollte es aber zum letzten Mal sein! Warum soll man aber aufhören bei unserer beliebtesten Maßnahme? In den 17 Jahren wurde einiges gemacht: Die Gruft wurde vor dem Zerfall gerettet und bekam die Treppe hergerichtet, die Friedhofsmauer wurde an zwei Ecken ebenfalls gerettet, das Friedhofskreuz und das Tor bekam einen neuen Anstrich und werden wieder mehrere Jahre halten, die vielen Bäume, die am Friedhof nichts zu suchen hatten sind auch weg und mehrere Gräber sehen wieder „zivilisiert“ aus. Das Wichtigste sind jedoch die Freundschaften, die nicht nur zwischen den Deutschen aus Deutschland und aus Böhmen entstanden sind, sondern auch zwischen den Deutschen und der tschechischen Jugend, die regelmäßig diese Jugendbegegnung besuchte.

Nun zur Frage selbst: die meiste und wichtigste Arbeit ist getan und es sollen neue Ziele festgelegt werden. 
Der Autor dieser Zeilen, der 16 Jahre (in Worten sechzehn) diese Begegnung mitorganisiert und sehr viel erlebt hat ahnte nicht, wie abenteuerlich die letzte Begegnung zum Schluss sein wird.

 

Etwas endet, neues entsteht...

Die Maßnahme in Tepl endet also. Diesen Gedanken konnte sicher nicht nur ich nicht loswerden. Heuer, gerade an diesem Wochenende kommt auch in meinem Leben ein kleiner Wendepunkt. Gleich am nächsten Montag soll ich an meiner Schulter operiert werden. Weil keiner weiß, wie lange man „außer Gefecht“ wird, muss einiges zuhause gemacht werden. Die blödesten Gedanken kommen auf einen zu und wenn man gerade durch die vielen Gräber geht, kommt der richtige Sinn des Lebens auf einen Christen wirklich zu. Man fängt an zu spekulieren und man sieht auf einmal ganz viele Zusammenhänge. Man denkt an die Verstorbenen, die dank meiner Artikel und derer Nachkommen wieder „lebendig worden sind“. „Ob sie für mich ein gutes Wort beim Herrgott haben werden?“ denke ich nach und gehe Richtung Kloster, wo wir eine „Erinnerungstafel“ anbringen möchten. Ursprünglich sollte die Tafel in der Gruft hängen, aber dort würde sie sicher nicht lange aushalten. Deswegen wurde beschlossen sie dort anzubringen, wo sie nicht nur geschützt wird, sondern sie auch viele Menschen sehen können.

Im Kloster nach Brüdern zu suchen ist immer schwierig. Samstagvormittag war keine heilige Messe und ich wusste nicht, wo ich hingehen soll. Ich ging zum Eingang, wo die Küche ist und trat hinein. Ich stand da und wusste nicht, „wohin  ich mich wenden soll“. Auf einmal spürte ich eine Kraft, und hörte eine Stimme, die zu mir sagte: „Geh hinauf in die Kapelle“. Ich folgte diese Stimme und wie in einem Traum bewegte ich mich durch die vielen Gänge bis zu der Klausur, an derer Seite die Kapelle war. Ich stand vor der Kapelle: ich nehme die Türklinke in die Hand, mache die Tür auf und schaute hinein: Auf einmal begriff ich die Stimme: Das Gnadenbild aus Maria Stock hing an der linken Seite der Kapelle! Die Muttergottes sah mich an: „Vergiss nicht mit deinen Nächsten vorbeizukommen!“ spürte ich in meinem Herz. Ich kniete nieder und in totaler Stille des Klosters betete ich unsere Gottesmutter für Hilfe an. Nicht nur für mich, denn es sind viele andere viel schlimmer dran, aber auch für unsere letzte Begegnung hier in Tepl. Die Mutter Maria wusste aber schon, dass wir ihre Hilfe am Ende unseres Plagens brauchen werden. Mit P. Marian suchte ich dann einen würdigen Platz für unsere Tafel. Gleich im nächsten Raum hinter der Kassa stand an der rechten Seite eine Wand frei; nur zwei verlassene Hacken zeigten die Stelle an, wo einmal etwas hing. Das war die einzige lehre Wand in dem Raum. Hat auch hier die „Stocker Madonna“ geholfen? Das werde ich nie erfahren, aber dass sie zwei Stunden später hinter uns stand, das weiß ich hundertprozentig!

Kurz vor dem Mittagessen kam der „Bundesjugendführer“ der „Egerland – Jugend“ Volker Jobst mit seinen Begleitern Karl- Heinz und Christian mit dem Wergzeug zu der Wand und wollte an der ausgemachten Stelle die Tafel anbringen.

 Ein richtiger "Krisenmoment", l: Sulko, mitte: Volker, r: Karl- Heinz

Die Furie kommt ...

Als sie in der Kassa nachfragten, wo sie die Bohrmaschine anschließen könnten, fängt die Damen an zu schreien: „Ich weiß von nichts, hier wird nichts angebracht!“ Ich sollte schon bei Bernklau Richtung Pilsen sein, aber “Etwas“ hat meine Abfahrt behindert. „Du Richard, bist Du noch in der Nähe?“ ruft mich der Volker an. „Wir haben ein Problem“. Ich raste in den Raum und fragte die „Kassa- Dame“, was lost ist. Sie hat mich mit ihren Augen durchbohrt und ich bekam es noch einmal zu spüren, wer der „Hausherr“ in diesem Kloster ist. Ich erklärte der Dame, dass wir das mit P. Marian ausmachten und sie habe hier eigentlich nichts zu entscheiden.

Wir bereiteten unsere Wasserwaage vor und wollten unser erstes Loch bohren. Auf einmal kommt wie eine Furie die Dame wieder geflogen: „Ich sprach mit P. Marian, hier wird nicht gebohrt!“ „Ich rufe ihn selber an“, gab ich ihr zu Antwort. „Nein, er kann keine Gespräche führen, er hat einen Besuch. Er kommt in einer Weile“ war ihre Antwort.

Nach zwanzig Minuten kam P. Marian und nach Erklärung, warum wir nach 17 (in Worten siebzehn) Jahren unsere gut aussehende Tafel dort anbringen möchten, wo wir es ausmachten, gab er uns die Genehmigung. Es waren die schlimmsten 30 Minuten die ich in den 16 Jahren erlebte und gerade bei der letzten Maßnahme! Nun hat das gute gewonnen,  aber ein komischer Geschmack ist doch geblieben. Die Stocker Maria half uns, aber dieses Erlebnis zeigte uns deutlich: „Wenn ihr hier nicht gewünscht seid, da müsst ihr eben woanders hingehen, wo euere Arbeit auch anerkannt wird“.

   

36 Teilnehmer am Samstag!

Die Tafel

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