AKTUELL
Es ist Sonntagabend. Die
Dunkelheit hat schon längst die Macht übernommen und ich sitze in meinem
Arbeitszimmer und halte in meinen Händen ein kleines Heft mit der Anschrift „Porozumení“
– „Verständigung“. Meine Gedanken fliegen zwei Tage zurück. Draußen
hinter dem Fenster ist es eiskalt aber meiner Seele ist schön warm. Was war es,
was mein Herz eine Woche vor dem ersten Advent so erfreute?
Die
Geschichte fing vor einer sehr langen Zeit an. Aus dem Egerland wurden Egerländer
vertrieben und einige fanden ihre neue Heimat in Herzogenaurach. Die Zeiten
waren damals sehr schlecht und die, die ohne Hab und Gut in ein zerstörtes Land
kamen, waren an die Hilfe anderer angewiesen. Jahre vergingen und diese Menschen
bauten sich mit sehr viel Kraft eine neue Existenz auf. Eine „Egerländer
Gmoin“ wurde gegründet und Kindern und Enkelkindern die Liebe zu ihrer alten
Heimat übergeben. Nun kam die Wende und diese Menschen konnten ihre verkommene
Heimat mit manchmal seltsamen Menschen, die dort wohnten, wieder besuchen.
Besucht worden sind auch die Egerländer, die in der Heimat bleiben durften,
oder mussten. Freundschaften sind entstanden und es wurde immer mehr und mehr
gemeinsames unternommen. Zu Weihnachten vor einem Jahr entschlossen sich einige
Mitglieder dieser Gmoin, sie möchten auch mal anderen Menschen helfen. Auf dem
Christkindlmarkt haben sie in den schwierigsten Bedingungen Liwanzen verkauft.
Der Teig streikte in der Kälte aber es war ein großer Erfolg. Teig musste
mehrmals nachgemacht werden und als am Abend der Erlös gezählt wurde, staunten
alle: 725,- EURO brachte die „Liwanzenaktion“!
Wie kann man am besten so
eine Summe ausnützen, fragte sich die Vorstandschaft und suchte den Rat beim
„Bundesvüarstäiha“ Günther Müller: „Wisst ihr was, das beste wäre,
wenn ihr euch an den „Moala Richard“ wendet. Der wird schon wissen, wie man
es in seiner Heimat anwenden könnte“, war seine Antwort.
Nach dem Anruf von der
Helga Burkhardt, der „Gmoinvüarstäihare“ freute ich mich gleich zweimal:
einmal über die Bereitschaft in der alten Heimat zu helfen; denn jede Hilfe
baut alte Vorurteile weg und zum zweitenmal über Möglichkeit dort zu helfen,
wo auch uns geholfen wurde. In Chodau gibt es eine unserer „Ortsgruppen“ im
„Bund der Deutschen – Landschaft Egerland“. Die ist sehr aktiv und hat ein
sehr gutes Verhältnis zu der Stadt. Und es war gerade diese Stadt, die uns
finanziell und auch organisatorisch bei unserer Maßnahme „Musik kennt keine
Grenzen“ zweimal geholfen hat. Die Wahl war also nicht so schwer: Ich rief die
Frau Sarkanyova aus dem Stadtamt an und bekam Kontakt auf das Heim für die
behinderten Kinder in Chodau. Nach gegenseitigen Übereinstimmungen war es also
so weit und ich machte mich am Freitag, den 19. November 2004 auf den Weg nach
Chodau. Als ich von zu Hause wegfuhr, wusste ich noch nicht, was für einen schönen
Urlaubstag ich erleben werde.
Nach
der Ankunft fuhr ich zu der dortigen Vorsitzenden, Frau Anna Unger, die mich
schon mit ihrer Stellvertreterin Brigitte Svec erwartete. Als wir zu der Kirche
kamen, die wir als Treffpunkt mit den Herzogenaurachern wählten, sahen wir
schon unsere Gäste kommen: „Gmoinvüarstäihare“ Helga Burkhardt mit ihren
Mann Klaus; Christoph Lippert und Traudl Fritsch ergänzten die „Delegation“
aus Deutschland.
Gemeinsam und mit
gemischten Gefühlen fuhren wir zu dem Kindergarten, wo diese Einrichtung ist.
Schon
bei der Begrüßung gingen unsere Herzen auf: Frau Vera Bráborcová, die
Leiterin dieses Heimes sprach ein sehr gutes Deutsch, sogar mit einigen „eghalånda
Wörtern“ „ausgebessert“. Bei einer Tasse Kaffee und paar Süßigkeiten
wurde dann erzählt: Über das Schicksal der vertriebenen Egerländer und über
die schwierige Geburt dieses Heimes, wo 32 behinderte Kinder zur Zeit leben.
Beim erzählen des Schicksals von den „verbliebenen“ Egerländern stellte
sich heraus, dass Frau Bráborcová auch egerländer Vorfahren hat und dass sie
sich sehr gut mit der Frau Unger kennt. Diese sehr tapfere Frau erzählte uns
dann auch ihr Schicksal, sie hat nämlich auch ihr Kind in ihrer Einrichtung
unterbringen müssen. „Wir müssen das im Leben suchen, was schön“ ist,
notierte ich mir ihre Worte. Nach wirklich herzlichen zwei Stunden übergab dann
Frau Burkhardt die Spende, die zum Einkauf von Musikinstrumenten gebraucht wird.
Die Kinder erfreuen nämlich auch mit Musik andere Menschen und kommen sehr viel
herum. Sie haben sogar Freunde in Deutschland gefunden, im Städtchen Irchenried,
in der Nähe der dt.- tsch. Grenze. Nach der Übergabe wurde uns dann die
komplette Einrichtung gezeigt und zum Abschied bekam dann jeder von uns ein
kleines Geschenk, was die Kinder selber bastelten. Noch in der Tür wurden die
Kinder zu der Weihnachtsfeier der dortigen Ortsgruppe der Deutschen eingeladen
und somit hat dieser Besuch noch ein anderes Maß an Bedeutung bekommen.
Es sind schon zwei für mich
anspruchsvolle Tage vergangen, aber die Wärme, die sicher nicht nur in meiner
Brust seit Freitag ist lässt mich hoffen, dass wir alle doch einmal zu Verständigung
gelangen.
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