An der 6. Grundschule in Cheb/Eger gibt es seit vier Jahren eine zweisprachige Klasse. Hier lernen die Kinder ab der ersten Klasse die meisten Fächer auf Deutsch. Obwohl das Interesse an dem Unterricht groß ist, besteht für die Schule die Gefahr, das Projekt beenden zu müssen. Das neue Rahmenlehrprogramm, das von Bildungsminister Mikuláš Bek (STAN) eingeführt wurde, bevorzugt ab der ersten Klasse strikt Englisch.
In der Grenzregion, in der viele deutsche Unternehmen tätig sind, Kurorte existieren und eine große Zahl von Menschen beruflich nach Deutschland reisen, sind Kenntnisse der deutschen Sprache eine relativ wesentliche Voraussetzung für eine erfolgreiche Beschäftigung auf dem Arbeitsmarkt.
„Wir sind eine besondere Schule, wir unterrichten nichtsprachliche Fächer auf Deutsch. In diesem Jahr gibt es das Projekt der zweisprachigen Bildung bereits zum vierten Mal, und jetzt erfahren wir plötzlich, dass wir es möglicherweise absagen müssen. Dass all die Mühe, das Geld, die Zuschüsse und die Zeit, die wir dafür aufgewendet haben, umsonst sein werden. Das ist eine große Enttäuschung für uns alle“, erklärt die Schulleiterin Štěpánka Černá. Dennoch glaubt sie, dass die ungünstige Situation umgekehrt werden kann. Die Schule könnte das Programm fortsetzen, wenn sie vom Bildungsministerium eine Ausnahmegenehmigung erhält. Aber es stellt sich heraus, dass es nicht einfach sein wird.
„Wir sind nicht die einzigen im Land, die sich damit auseinandersetzen müssen. Gemeinsam mit Schulen, die beispielsweise Italienisch oder Französisch unterrichten und deren Unterricht auf dieser Sprache basiert, versuchen wir, das Ministerium von der Sinnhaftigkeit unserer Bemühungen zu überzeugen“, erklärt Černá.
Vertreter der genannten Schulen haben bereits ein Online-Treffen abgehalten und einen offenen Brief an das Ministerium geschickt. Die Egerer informierten auch ihre Partnerschulen in Deutschland über die bevorstehenden Änderungen, wandten sich mit der Bitte um Hilfe an Senator Miroslav Plevný und Schulleiterin Černá traf sich persönlich mit Minister Bek, der ihr zufolge versprach, sich des Problems anzunehmen.
„Wir befinden uns in einer schwierigen Situation. Wir müssen entscheiden, ob wir die Sache aufgeben oder weiterkämpfen. Wir haben viele Aktivitäten im Zusammenhang mit dem zweisprachigen Unterricht gestartet und viel Zeit und Geld investiert. Wir erhalten Unterstützung aus grenzüberschreitenden Fonds, von der Stadt Cheb/Eger sowie von anderen Organisationen und Stiftungen. Wir arbeiten mit der Westböhmischen Universität in Pilsen zusammen“, sagt die Schulleiterin.
Der Schule ist es gelungen, zwei Muttersprachiger Lehrer zu gewinnen und sie verfügt zudem über drei Partnerschulen in Deutschland. „Hinzu kommt, dass die bayerische Landesregierung derzeit sehr stark den Tschechisch Unterricht an deutschen Schulen in Grenzregionen unterstützt. In dieser Hinsicht geht die deutsche Seite also einen völlig entgegengesetzten Weg als die tschechische“, beschreibt Černá.
Sie fügt hinzu, dass einige Lehrer zudem eine Weiterbildung zum Deutschlehrer begonnen hätten, um ihre Qualifikation zu erweitern. Doch nun fragen sie sich, ob es sich überhaupt lohnt, ihr Studium fortzusetzen. Dass Deutsch in der Region eine starke Stellung einnimmt, erkennen auch einige Kindergärten an, die Eltern sprachliche Bildung anbieten. Beispielsweise ein Kindergarten in der Osvobození-Straße in Cheb/Eger, wo Kinder spielerisch lernen, Deutsch zu verstehen. Viele Eltern bringen ihre Kinder auch direkt in deutsche Kindergärten jenseits der Grenze. Sie möchten, dass sie schon früh Deutsch lernen. „Das ist bei uns der Fall. Mein Mann und ich arbeiten beide in Deutschland und sehen, wie wichtig Deutsch in unserer Region ist. Deshalb schicken wir unsere Terezka in einen deutschen Kindergarten. Die Grundschule soll sie aber erst in Cheb besuchen. Wir möchten, dass sie ihre intensive Sprachvorbereitung fortsetzt, und deshalb würden wir uns freuen, wenn sie eine zweisprachige Klasse in der 6. Grundschule besuchen würde. Mal sehen, ob es klappt, es gibt viele Interessenten“, plant Jana Svobodová.
Lehrer, die den anspruchsvollen zweisprachigen Unterricht bewältigen müssen, sind jedoch angesichts der neuen Bedingungen desillusioniert. Obwohl sie das Projekt seit langem vorbereitet und beraten hatten, erhielten sie vom Bildungsministerium nie Signale, dass etwas Neues auf sie zukommt, das alle Schulen flächendeckend betreffen und ihre Pläne durchkreuzen würde. „Bis zum letzten Moment wusste ich nicht, dass keine Ausnahmen möglich sein würden. Das ist neu für mich und ich vermisse die Kommunikation des Ministeriums mit den Schulen sehr. Alles Wichtige haben wir erst aus der Presse erfahren“, bemerkt Direktorin Černá und fügt hinzu, dass das Projekt beendet werden müsse, wenn das Ministerium dem Ausnahmeantrag nicht stattgebe, da es nicht möglich sei, in der ersten Klasse gleichzeitig mit dem Unterricht in zwei Fremdsprachen zu beginnen.
Da die Schulen den neuen Bildungsplan spätestens bis zum Jahr 2027 umsetzen müssen, wird die Schule auch bei den kommenden Einschulungen in den ersten Jahrgangsstufen weiterhin eine bilinguale Klasse anbieten.
„Wir werden den Rahmenlehrplan auf den letztmöglichen Zeitpunkt verschieben und in den nächsten zwei Jahren prüfen, ob sich etwas ändern lässt. Falls nicht, werden wir Anpassungen vornehmen. Wir werden nach anderen Modellen für den Deutschunterricht suchen und versuchen, früher als in der siebten Klasse mit dieser Sprache zu beginnen. Aber es wird nicht mehr so intensiv und alltäglich sein wie heute. Wir werden nicht aufgeben, denn hier an der Grenze ist es durchaus sinnvoll, Deutsch schon in sehr jungen Jahren zu unterrichten“, fügt Schulleiterin Štěpánka Černá hinzu.
Quelle IDnes 3.4.2025