Egerlaender

Krásná Lípa (Schönlind) ist heute Ortsteil der Gemeinde Šindelová/Schindlwald, die sich am Südhang des westlichen Erzgebirges befindet. Heute sind in Schönlind nur 105 Bewohner angemeldet, aber über die Sommermonate beleben das Dorf noch viele andere Leute, die sich dort Wochenendhäuser gebaut haben. Das Dach der St. Josef-Kirche in Schönlind wird derzeit von der Pfarrei Kraslice etappenweise renoviert, wobei sich Herr Reinhold Erlbeck mit der Sudetendeutschen Stiftung sehr engagiert. Die umliegende Natur ist traumhaft schön. Die Bergdominante Hüttenberg (Ptačí vrch, 827 m) ermöglicht bei gutem Wetter eine Aussicht in fünf Gebirge (Erzgebirge, Duppauer Gebirge, Kaiserwald, Fichtelgebirge und Fränkischen Wald). Unter Schönlind befindet sich in einem Wäldchen die berühmte, unter Naturschutz gestellte hohle Linde, die laut Tradition schon 600 Jahre alt sein soll und einen Umfang von 406 cm hat.

In der Nähe der Linde befindet sich ein Denkmal, das an zehn deutsche Männer erinnert, die am 6. Juni 1945 hier von den tschechischen Gardisten ermordet wurden. Warum es geschah, darüber wird immer noch gerätselt. Einige behaupten, zwei Flüchtlinge aus dem Sammellager in Nová Role/Neurohlau wollten im Elternhaus eines der Flüchtlinge in Schönlind übernachten. Wenzel Jaksch schrieb, zwei junge SS-Angehörige haben sich in den Wäldern bei Schönlind vor den tschechischen Gardisten versteckt. Andere sind überzeugt, man hätte in einem Hegerhaus unter dem Fußboden versteckte Gewähre gefunden. Die Wahrheit werden wir kaum mehr finden, aber Tatsache ist, dass die Gardisten am 4. Juni 1945 den Dorfbewohnern in Schönlind ein Ultimatum stellten: Entweder übergebt ihr uns die gesuchten Personen, oder wir nehmen Geisel. So geschah es, dass zehn unschuldige Männer aus Schindlwald und Kohling als Geisel nach Schönlind gebracht, dort zwei Tage und Nächte bestialisch gefoltert und in den Morgenstunden am 6. Juni 1945 zum Wäldchen getrieben wurden. Dort mussten sie ihr eigenes Grab schaufeln, worin sie dann erschossen wurden. Auch die Mutter eines Flüchtlings verlor bei dem Überfall ihr Leben. Es war eine blinde Rachentat der Gardisten in der aufgehetzten Atmosphäre kurz nach dem Krieg. Über die Brutalität des Geschehens hat Wenzel Jaksch in London 1948 ausführlich berichtet.

Die Tochter eines ermordeten Mannes, Theresia Seidel (1926 Schindlwald - 2001 Marktredwitz), auch als Spechtn Reserl bekannt, hat sich nach der Wende an die tschechischen Behörden, darunter an den damaligen Bürgermeister von Šindelová Herrn Zdeněk Fišer, an den Bezirksvorstand in Sokolov Herrn Josef Michalský und sogar an den Staatspräsident Václav Havel gewendet. Sie hatte in der Tat die Erlaubnis erhalten, im Wäldchen bei Schönlind eine Gedenkstelle errichten zu dürfen.

Am 28. Mai 1992 fand in der Schönlinder Kirche das Requiem statt. Es folgte ein langer Menschenzug zum etwa 1 km entfernten Denkmal und seine Einweihung. Seitdem besuchen jedes Jahr deutsche Landsleute das Denkmal. Der Weg der Opfer von 6.6.1945 führte am Feldkreuz vorbei. Dieses Kreuz wurde renoviert und am 28.9.2020 feierlich eingeweiht, wobei sich der Verein der Freunde und Förderer des Böhmischen Erzgebirge (Adam Sonnevend) und der Kulturverband Graslitz beteiligte. Die Gemeinde Šindelová mäht jedes Jahr öfters den Grasweg von Schönlind am Kreuz vorbei bis zum Denkmal. Auch in diesem Jahr konnte man bei trockenem Wetter zum Grabstein sogar mit einem PKW fahren. Aus Anlass des achtzigsten Jahrestages des Massakers hat die Gemeinde Šindelová unter der Leitung der Bürgermeisterin Věra Drozdíková und ihres Stellvertreters Jiří Studeník das Denkmal und das umliegende Gelände neu gepflegt. Auch der Graslitzer Kulturverband als Vertreter der deutschen Minderheit, erinnerte an seinem Stand bei dem Sudetendeutschen Tag in Regensburg 6. bis 8. Juni an das traurige Ereignis.

Am Denkmal sind die Namen der zehn ermordeten Männer eingraviert: Anton Gareis (42 Jahre alt, Schindlwald), Adolf Schmucker (46, Schindlwald), Wenzl Görgner (46, Schindlwald), Robert Hamm (44, Schindlwald), Georg Feselmeier (45, Schindlwald), Alfred Keilwerth (60, Schindlwald), Franz Gareis (35, Kohling), Anton Lorenz (34, Kohling), Heinrich Nier (55, Kohling), Leo Kunzmann (51, Kohling).

von Dr. Petr Rojík

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