Egerlaender

Květnov/Quinau – der einzige verbliebene Wallfahrtsort im Erzgebirge

Auf den Höhen des böhmischen Erzgebirges gab es in früherer Zeit zwei größere Wallfahrtsorte. Dies waren Maria Sorg/Mariánská bei Jáchymov/Jochimsthal und Quinau/Květnov.

Das Kloster Maria Sorg wurde nach dem 2. Weltkrieg als Folter- und Inhaftierungsstätte für unbeugsame Lagerinsassen der Konzentrations- und Arbeitslager des Uranbergbaues genutzt und anschließend dem Erdboden gleich gemacht. Bis auf wenige Außenmauern des Klostergeländes und einem großen Trümmerhaufen, der einstmals die Klosterkirche war, erinnert heute nur eine Informationstafel an diesen einstigen Wallfahrtsort. Bereits im Jahre 2017 wurde ein Entwurf einer kleinen witterungsunempfindlichen Betonkapelle vorgestellt und der Grundstein dafür gesetzt und durch Pater Marek Bonaventura Hric segnet (GG 65, S. 4 f.). Seither herrschte Stille. Im Mai dieses Jahres wurde auf diversen Internetplattformen das Projekt einer offenen Kapelle (https://www.facebook.com/hashtag/kaplemariasorg). Für diese sollten die Freunde der Region auf einer Homepage bis 19. Juni für eine mögliche Förderung abstimmen. Ein Ergebnis ist dort jedoch nicht verzeichnet und so wird voraussichtlich Quinau/Květnov auch künftig der einzige Wallfahrtsort des Erzgebirges bleiben.

Fanden noch vor 10 Jahren an den drei Wallfahrts-sonntagen am Nachmittag jeweils deutschsprachige Messen in Květnov/Quinau statt, so reduzierte sich dies auf mittlerweile nur noch eine. Da die katholischen Christen in Sachsen eine Minderheit sind und diese ihren Glauben meist nach dem Zweiten Weltkrieg aus anderen Regionen Europas mitbrachten, gibt es im sächsischen Erzgebirge keinen Wallfahrtsort. So versammelten sich am 6. Juli etwa 80 Gläubige mit ihren Priestern um die jährliche Wallfahrt zur Marienstatue in Quinau festlich zu begehen. Nur die wenigsten von ihnen haben ihre familiären Wurzeln in der Gegend des mittleren böhmischen Erzgebirges. So kann man sagen, dass dieser Wallfahrtsort für die tschechischen Katholiken aus der Gegend um Chomutov/Komotau und ihren Glaubensgeschwistern aus dem mittleren sächsischen Erzgebirge zur Heimat wurde, um einen würdigen Wallfahrtsgottesdienst zu feiern. Überraschend war, dass die Lieder aus dem Quinauer Liederbuch wieder von einem evangelischen Kantor im Ruhestand an der Orgel begleitet wurden. In den letzten Jahren musste dafür noch ein Keyboard genutzt werden. Es macht den Eindruck, dass das kirchliche Leben in dieser Region auf tschechischer Seite durchaus wieder einen Zuwachs verzeichnen kann. Die grenzübergreifenden kirchlichen Kontakte sind für die Wallfahrtskirche in Květnov/Quinau ein Segen.

Es bleibt zu hoffen, dass der Marienverehrung in Květnov/Quinau eine gute Zukunft beschieden ist und auch künftige Generationen aus Böhmen und Sachsen hier einen Ort des christlichen Glaubens, des Friedens und der Versöhnung unter dem Schirm der Gottesmutter Maria haben werden.                                                                                          

von Ulrich Möckel

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