Im Alter von 93 Jahren hat uns unser Verdienstes und Langjähriges Mitglied des Vorstandes vom Bund der Deutschen-Landschaft Egerland Bertl Růžičková am 11. Mai 2025 für immer verlassen. Sie hat sich sehr für das Verständnis zwischen den Deutschen und Tschechen eingesetzt. Sie war eine Aktive und leidenschaftliche Zitterspielerin mit einer Engelsstimme wen sie dazu gesungen hat. Es war eine Freude ihr beim Spielen und Singen der Egerländer Volkslieder zuzuhören.
Am 16.5.2025 fand der letzte abschied in der Kirche St. Martin in Neudek statt. Zum letzten Abschied nahm auch der Verein JoN - Jde o Nejdek, z.s. in Vertretung von Ing. Petr Janků und der Bund der Deutschen -Landschaft Egerland mit der Vereinsfahne in Vertretung vom Vorsitzenden Alois Franz Rott teil.
Nach dem Gottesdienst und den Abschied in der Kirche und der Beerdigung trafen sich die Angehörigen mit den Trauergästen im Restaurant Anna zum Leichenschmaus (Kar). Die Familie war sehr traurig darüber, dass beim letzten Abschied die langjährigen Mitarbeiter nicht anwesend waren.
Ruhe in Frieden liebe Bertl. Wir werden dich niemals vergessen.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden drei Millionen Deutsche aus der Tschechoslowakei vertrieben. Sie mussten nicht nur ihre Häuser und Betriebe hier zurücklassen, sondern auch ihre Vorfahren. In der Tschechischen Republik gibt es heute buchstäblich Hunderttausende verlassene deutsche Gräber, um die sich seit 80 Jahren niemand gekümmert hat. Sie enthalten die Überreste von Menschen, die in den Grenzgebieten Städte und Dörfer errichteten und den lokalen Handel und die Kultur entwickelten.
„Die Vertreibung war Teil einer Kollektivstrafe für den Großen Anteil der Sudetendeutschen an der Nazi-Diktatur. Die Kollektivschuld umfasste die Deportation und die Beschlagnahmung des Großteils des Eigentums. Was das System jedoch vergaß, waren die Gräber. Sie blieben Eigentum der Familien“, beschreibt der Historiker und Senator Martin Krsek (parteilos für die Bewegung SEN 21), der sich seit langem mit dem Thema beschäftigt.
In den 1950er und 1960er Jahren zerstörten Tschechoslowaken häufig in großem Umfang deutsche Friedhöfe. Dieses Schicksal ereilte den Friedhof in Zubrnice/Saubernitz in der Nähe von Ústí nad Labem/Aussig.
Vor 1945 war das Dorf fast ausschließlich Deutsch; Heute gibt es auf dem örtlichen Friedhof kein einziges Grab der ursprünglichen Bewohner mehr. Im Jahr 1968 verkaufte das örtliche Verwaltungsamt ihre Grabsteine als Baumaterial und der Rest landete am Schuttabladeplatz bei einer verlassenen Mühle außerhalb des Dorfes.
Krsek und seine Kollegen gruben die Steine im Jahr 2021 aus und stellten sie im Zentrum von Ústí nad Labem/Aussig aus, um auf den beklagenswerten Zustand der Gräber der Menschen aufmerksam zu machen, die beim Aufbau der Region geholfen haben.
In den 1990er Jahren kamen Grabräuber
Selbst der Sturz der kommunistischen Regierung in der Tschechoslowakei brachte keine unmittelbare Verbesserung. Im Gegenteil, so der Historiker Krsko, bedeuteten die 1990er Jahre einen sprunghaften Anstieg der Zerstörung deutscher Gräber und Grabstätten.
„Es war eine wilde Zeit, verbunden mit groß angelegten Diebstählen von Nichteisenmetallen. Eisenbahnkabel wurden gestohlen, auf Friedhöfen wurden Laternen abgebrochen. Das waren brutale Überfälle. Auf den Gräbern, insbesondere denen wohlhabender Familien, war viel Messing. Dann kamen Grabräuber, ein Phänomen der Grenzregion. Es war eine widerliche Angelegenheit, als die Gräber zehn Jahre lang, vielleicht sogar länger, geschändet wurden“, sagt Krsek.
Im Zuge der Normalisierung der Beziehungen unterzeichneten Tschechien und Deutschland 1992 einen Vertrag über gute Nachbarschaft und freundschaftliche Zusammenarbeit, der uns zu einem respektvollen Umgang mit deutschen Gräbern verpflichtet.
Der Regierungsrat für nationale Minderheiten legte 2016 in einem Handbuch nach, das Gemeinden und Städten das richtige Vorgehen im Umgang mit verlassenen deutschen Gräbern erklärt.
Wir wollten die Kommunen auffordern, Grabstätten nicht zu zerstören – das passiert sehr oft. Normalerweise stellen sie in gutem Glauben Leute und Geräte ein, ebnen die Flächen ein, pflanzen Gras und denken, sie hätten etwas Gutes getan. Dabei ist ihnen nicht bewusst, dass sie damit einen Teil der Dorfgeschichte zerstört haben. Es ist ein Steinbuch der Region, der Gemeinde. „Heute haben wir im öffentlichen Raum kein weiteres Zeichen dafür, dass deutsche Bewohner hier über Jahrhunderte gelebt und alles erbaut haben“, beschreibt Martin Dzingel, Mitautor der Broschüre und Präsident der Versammlung deutscher Vereine in Tschechien.
Die Praxis ist immer noch von Dorf zu Dorf unterschiedlich. Manche kümmern sich sogar um jene deutschen Gräber, für die schon lange keine Miete mehr gezahlt wurde, während andere sie verfallen lassen oder auflösen. An immer mehr Orten kümmern sich jedoch die Nachkommen derjenigen, die nach dem Krieg ins Sudetenland eingewandert sind, um das „deutsche Erbe“.
„Ich habe keine deutschen Wurzeln, meine ganze Familie ist ins Grenzgebiet gekommen, um es zu besiedeln, wir sind also ‚von überall her‘, aber ich fühle mich hier wie zu Hause. Und das sind die Deutschen, die weggehen mussten. Aber ich betrachte sie als meine Vorfahren, denn das verbindet den Ort“, erklärt Eva Mašková.¨
In Labská Stráně/Elbleiten in der Region Děčín/Tetschen gründete sie einen Verein, der sich um die letzten drei deutschen Gräber kümmert, die auf dem örtlichen Friedhof verblieben sind.
Eine neue Subvention des tschechischen Ministeriums für regionale Entwicklung soll Vereinen und Gemeinden dabei helfen, zumindest einige Sudetengräber zu retten. Es soll in den kommenden Wochen von der Regierung genehmigt werden.
Quelle Český rozhlas Praha
Der Bund der Deutschen - Landschaft Egerland und die Balthasar Neummann Gesellschaft unterstützt seit vielen Jahren 3 Kindergärten mit Deutsch Unterricht. 23 Kinder lernen Deutsch zu verstehen. Die Kinder eignen sich auf spielerische Weise die Grundlagen der deutschen Sprache an und beginnen, eine positive Beziehung zur deutschen Minderheit aufzubauen. Einige der Kinder haben auch deutsche Wurzeln. Das Interesse Eltern für den Deutschunterricht ihrer Kinder ist groß.
Den Unterricht führt Frau Věra Holotová. Sie bereitet die Kinder für die 6. Grundschule in Cheb/Eger mit Unterricht der Fächer in deutscher Sprache.
Zum Muttertag und Weinachsfeier kommen die Kinder zu uns um zu zeigen was sie schon gelernt. Mit Gedichten und Liedern sorgen sie für Unterhaltung. Am Ende gibt es was Süßes dafür.
Quelle Eghaland Redaktion
An der 6. Grundschule in Cheb/Eger gibt es seit vier Jahren eine zweisprachige Klasse. Hier lernen die Kinder ab der ersten Klasse die meisten Fächer auf Deutsch. Obwohl das Interesse an dem Unterricht groß ist, besteht für die Schule die Gefahr, das Projekt beenden zu müssen. Das neue Rahmenlehrprogramm, das von Bildungsminister Mikuláš Bek (STAN) eingeführt wurde, bevorzugt ab der ersten Klasse strikt Englisch.
In der Grenzregion, in der viele deutsche Unternehmen tätig sind, Kurorte existieren und eine große Zahl von Menschen beruflich nach Deutschland reisen, sind Kenntnisse der deutschen Sprache eine relativ wesentliche Voraussetzung für eine erfolgreiche Beschäftigung auf dem Arbeitsmarkt.
„Wir sind eine besondere Schule, wir unterrichten nichtsprachliche Fächer auf Deutsch. In diesem Jahr gibt es das Projekt der zweisprachigen Bildung bereits zum vierten Mal, und jetzt erfahren wir plötzlich, dass wir es möglicherweise absagen müssen. Dass all die Mühe, das Geld, die Zuschüsse und die Zeit, die wir dafür aufgewendet haben, umsonst sein werden. Das ist eine große Enttäuschung für uns alle“, erklärt die Schulleiterin Štěpánka Černá. Dennoch glaubt sie, dass die ungünstige Situation umgekehrt werden kann. Die Schule könnte das Programm fortsetzen, wenn sie vom Bildungsministerium eine Ausnahmegenehmigung erhält. Aber es stellt sich heraus, dass es nicht einfach sein wird.
„Wir sind nicht die einzigen im Land, die sich damit auseinandersetzen müssen. Gemeinsam mit Schulen, die beispielsweise Italienisch oder Französisch unterrichten und deren Unterricht auf dieser Sprache basiert, versuchen wir, das Ministerium von der Sinnhaftigkeit unserer Bemühungen zu überzeugen“, erklärt Černá.
Vertreter der genannten Schulen haben bereits ein Online-Treffen abgehalten und einen offenen Brief an das Ministerium geschickt. Die Egerer informierten auch ihre Partnerschulen in Deutschland über die bevorstehenden Änderungen, wandten sich mit der Bitte um Hilfe an Senator Miroslav Plevný und Schulleiterin Černá traf sich persönlich mit Minister Bek, der ihr zufolge versprach, sich des Problems anzunehmen.
„Wir befinden uns in einer schwierigen Situation. Wir müssen entscheiden, ob wir die Sache aufgeben oder weiterkämpfen. Wir haben viele Aktivitäten im Zusammenhang mit dem zweisprachigen Unterricht gestartet und viel Zeit und Geld investiert. Wir erhalten Unterstützung aus grenzüberschreitenden Fonds, von der Stadt Cheb/Eger sowie von anderen Organisationen und Stiftungen. Wir arbeiten mit der Westböhmischen Universität in Pilsen zusammen“, sagt die Schulleiterin.
Der Schule ist es gelungen, zwei Muttersprachiger Lehrer zu gewinnen und sie verfügt zudem über drei Partnerschulen in Deutschland. „Hinzu kommt, dass die bayerische Landesregierung derzeit sehr stark den Tschechisch Unterricht an deutschen Schulen in Grenzregionen unterstützt. In dieser Hinsicht geht die deutsche Seite also einen völlig entgegengesetzten Weg als die tschechische“, beschreibt Černá.
Sie fügt hinzu, dass einige Lehrer zudem eine Weiterbildung zum Deutschlehrer begonnen hätten, um ihre Qualifikation zu erweitern. Doch nun fragen sie sich, ob es sich überhaupt lohnt, ihr Studium fortzusetzen. Dass Deutsch in der Region eine starke Stellung einnimmt, erkennen auch einige Kindergärten an, die Eltern sprachliche Bildung anbieten. Beispielsweise ein Kindergarten in der Osvobození-Straße in Cheb/Eger, wo Kinder spielerisch lernen, Deutsch zu verstehen. Viele Eltern bringen ihre Kinder auch direkt in deutsche Kindergärten jenseits der Grenze. Sie möchten, dass sie schon früh Deutsch lernen. „Das ist bei uns der Fall. Mein Mann und ich arbeiten beide in Deutschland und sehen, wie wichtig Deutsch in unserer Region ist. Deshalb schicken wir unsere Terezka in einen deutschen Kindergarten. Die Grundschule soll sie aber erst in Cheb besuchen. Wir möchten, dass sie ihre intensive Sprachvorbereitung fortsetzt, und deshalb würden wir uns freuen, wenn sie eine zweisprachige Klasse in der 6. Grundschule besuchen würde. Mal sehen, ob es klappt, es gibt viele Interessenten“, plant Jana Svobodová.
Lehrer, die den anspruchsvollen zweisprachigen Unterricht bewältigen müssen, sind jedoch angesichts der neuen Bedingungen desillusioniert. Obwohl sie das Projekt seit langem vorbereitet und beraten hatten, erhielten sie vom Bildungsministerium nie Signale, dass etwas Neues auf sie zukommt, das alle Schulen flächendeckend betreffen und ihre Pläne durchkreuzen würde. „Bis zum letzten Moment wusste ich nicht, dass keine Ausnahmen möglich sein würden. Das ist neu für mich und ich vermisse die Kommunikation des Ministeriums mit den Schulen sehr. Alles Wichtige haben wir erst aus der Presse erfahren“, bemerkt Direktorin Černá und fügt hinzu, dass das Projekt beendet werden müsse, wenn das Ministerium dem Ausnahmeantrag nicht stattgebe, da es nicht möglich sei, in der ersten Klasse gleichzeitig mit dem Unterricht in zwei Fremdsprachen zu beginnen.
Da die Schulen den neuen Bildungsplan spätestens bis zum Jahr 2027 umsetzen müssen, wird die Schule auch bei den kommenden Einschulungen in den ersten Jahrgangsstufen weiterhin eine bilinguale Klasse anbieten.
„Wir werden den Rahmenlehrplan auf den letztmöglichen Zeitpunkt verschieben und in den nächsten zwei Jahren prüfen, ob sich etwas ändern lässt. Falls nicht, werden wir Anpassungen vornehmen. Wir werden nach anderen Modellen für den Deutschunterricht suchen und versuchen, früher als in der siebten Klasse mit dieser Sprache zu beginnen. Aber es wird nicht mehr so intensiv und alltäglich sein wie heute. Wir werden nicht aufgeben, denn hier an der Grenze ist es durchaus sinnvoll, Deutsch schon in sehr jungen Jahren zu unterrichten“, fügt Schulleiterin Štěpánka Černá hinzu.
Quelle IDnes 3.4.2025